22.06.2013 11:00
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"Ein Vertrauensverlust wäre katastrophal"

Interview Exklusiv: "Ein Vertrauensverlust wäre katastrophal" | Nachricht | finanzen.net
Jan W. Wagner, CreditPlus
Interview Exklusiv
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CreditPlus-Bank-Chef Jan W. Wagner über Verbraucher-Ängste, vorsichtige Kreditnehmer und verschärften Wettbewerb im Internet- und Autokreditgeschäft.
€uro am Sonntag
von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Jan W. Wagner ist Vorstandsvorsitzender der zum Crédit Agricole Konzern gehörenden CreditPlus Bank. Die musste 2012 ihr Kreditengagement regulierungsbedingt deutlich zurückfahren. Das Neugeschäftsvolumen von CreditPlus sank um 23 Prozent auf 854 Millionen Euro, der Jahresüberschuss um 15 Prozent auf 28,9 Millionen Euro. 2013 will das Institut wieder auf Wachstumskurs gehen. Wagner vertritt zudem seit Anfang Mai als Chef des Bankenfachverbands die Interessen von über 50 Kreditbanken in Deutschland.

Euro am Sonntag: Wie wird sich das Geschäft bei CreditPlus nach der Zäsur 2012 in diesem Jahr weiterentwickeln?
Jan W. Wagner: Wir rechnen 2013 wieder mit einem Wachstum beim Kreditvolumen im oberen einstelligen Prozentbereich, der Jahresüberschuss wird sich auf Vorjahresniveau bewegen. Mit einem Marktanteil von 1,4 Prozent gemessen am gesamten Kreditvolumen gehört CreditPlus inzwischen zu den fünf größten auf das Konsumentenkreditgeschäft konzentrierten Spezialbanken in Deutschland. Wir werden diese Marktposition auch in diesem Jahr verteidigen.

Der Druck auf die Margen nimmt weiter zu. Wo spüren Sie das?
Mit den Krisenjahren ab 2008/2009 hat die Wettbewerbsintensität in der Kreditbanken-Branche zunächst abgenommen. Inzwischen ist der Druck wieder deutlich gestiegen. Wir spüren hohen Wettbewerbs- und Margendruck insbesondere im Internet-Geschäft, bei Vergleichsplattformen und in der Autofinanzierung.

Versicherer wie Allianz oder Münchener Rück drängen ebenfalls in Kreditgeschäft - setzt Sie das zusätzlich unter Druck?
Das sind aus meiner Sicht allenfalls Arrondierungen, die kaufen hier und da mal ein Portfolio. Ich glaube aber nicht, dass hier der großangelegte Einstieg ins Bankgeschäft kommt. Die Allianz hat ja eben erst mit der Allianz Bank ihr Einlagengeschäft wieder eingestellt.

Der private Konsum läuft gut. Werden die höheren Ausgaben in erster Linie über Kredite finanziert, oder ziehen die Verbraucher ihr Erspartes heran?
Die Verbraucher profitieren hier in erster Linie von ihrer verbesserten Beschäftigungs- und Einkommenssituation. Das wirkt sich übrigens auch positiv auf die Rückzahlungsfähigkeit bei Krediten aus, die Risiken der Kreditbanken gehen zurück. Was die Aufnahme von Darlehen angeht, bleiben die Konsumenten vorsichtig und achten verstärkt darauf, sich nicht zu überschulden.

Wie erklären Sie als Verbandschef die großen Unterschiede bei regulären Kreditzinsen, Zinsen für Immobilienkredite und Zinsen für Dispokredite?
Immobilienkredite sind im Allgemeinen durch günstige Pfandbriefe refinanziert. Hier können bestimmte Banken sich also günstiger refinanzieren und niedrigere Sätze anbieten. Bei regulären Kreditzinsen im Konsumentenkreditgeschäft liegen die reinen Refinanzierungskosten bei einer Laufzeit von drei bis vier Jahren bereits bei ein bis drei Prozent. Zu Dispokrediten, die wir selber nicht anbieten, kann ich nur sagen: Grundsätzlich ist es für jede Bank legitim, quer über andere Geschäftsbereich zu subventionieren. Das hat natürlich auch Grenzen. Aber jedem Verbraucher ist es überlassen, den Anbieter selbst auszusuchen. Wir dürfen dem Endkunden nicht die Mündigkeit absprechen.

Angesichts der Finanz- und Schuldenkrise sorgen sich die Verbraucher nicht nur um ihr Erspartes, sondern auch um die Stabilität des gesamten Finanzsystems. Wie gefährlich ist dieser Trend?
Ein drastischer Vertrauensverlust wäre katastrophal. Umso richtiger war die Staatsgarantie, die die Kanzlerin 2008 für die deutschen Guthaben gegeben hat. Jetzt gilt es, die Banken durch höhere Eigenkapitalanforderungen, Thesaurierung von Gewinnen und Einschränkung von bestimmten risikobehafteten Geschäften weiter zu stabilisieren. Das Bankensystem muss möglichst bald wieder auf eigenen Füßen stehen. Eine europäische Einlagensicherung im Sinne einer gemeinsamen Haftung wäre auf jeden Fall der falsche Weg. Wir haben in Deutschland genug damit zu tun, unsere eigenen Einlagen zu sichern. Außerdem ist es betriebswirtschaftlich gar nicht möglich, Alt- und Neulasten von Banken in den verschiedenen Mitgliedsstaaten auseinander zu halten.

Die Kanzlerin hat auf dem Deutschen Verbrauchertag in Hamburg die Regulierung der Bankenbranche verteidigt und bei den sogenannten Beratungsprotokollen noch strengere Regeln gefordert, weil das bisherige Modell noch nicht ausreichend vor Falschberatung schütze. Halten Sie diesen Ansatz für richtig?
Ich persönlich sehe den Ansatz der Beratungsprotokolle kritisch: Sie sind für mich so etwas wie ein Medikamentenbeipackzettel, der den Apotheker, Arzt oder Hersteller von der Verantwortung entbindet. Aber da es die Beratungsprotokolle nun mal gibt und dies möglicherweise der einzige Weg ist, um Fälle krasser Falschberatung zu verhindern, gilt es, diese zu verbessern. Die Risikoeinstufung eines Kunden darf kein Freibrief dafür sein, ihm riskante und für ihn unübersehbare Produkte zu verkaufen.

Bildquellen: sar_38 / Shutterstock.com
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