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23.05.2013 16:00
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Chefökonom: „Deutschland sollte die Währungsunion verlassen“

Interview Exklusiv: Chefökonom: „Deutschland sollte die Währungsunion verlassen“ | Nachricht | finanzen.net
Interview Exklusiv
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Die Politik hat in der Eurokrise Prinzipien der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt. Eine Lösung der Krise ist in der jetzigen Form der Eurozone nicht möglich, sagt Guy Wagner, Chefökonom der Banque de Luxembourg.
€uro
von Jörg Billina, €uro Magazin

€uro: Herr Wagner, wird sich die Überschuldungsproblematik weiter verschärfen oder werden die Staatsschulden in absehbarer Zeit auf ein tragfähiges Niveau zurückgeführt?
Guy Wagner: Ein nachhaltiger Abbau der Schulden ist so schnell nicht möglich. Das Wachstum in der Eurozone ist zu schwach. Die notwendigen Reformmaßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit werden in den Krisenstaaten nicht so konsequent angepackt wie nötig. Speziell Frankreich, die zweitgrößte Wirtschaftsnation in der EU, droht zum Problem zu werden. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht, solange die Währungsunion in ihrer aktuellen Form bestehen bleibt.

Ausgabenbegrenzungen und Steuererhöhungen kommen nicht gut an. Welche Alternativen bieten sich an?
Politik und Zentralbank nutzen das Instrument der finanziellen Repression. Dabei wird das Zinsniveau künstlich unterhalb der Inflationsrate gehalten und so die Realverschuldung gesenkt.

Widerspricht finanzielle Repression Ihrer Meinung nach den Prinzipien einer freien Marktwirtschaft?
Grundsätzliche Regeln werden außer Kraft gesetzt. Der Zins bildet sich nicht mehr nach Angebot und Nachfrage, sondern wird von der Politik im Zusammenwirken mit den Zentralbanken massiv manipuliert. Sobald aber die öffentliche Hand den Preis des Geldes bestimmt, verändert sie die Kapitalallokation, die aus dem Zusammenspiel zwischen Investoren und Sparern entstanden wäre.

Die Entschuldung wird auf dem Rücken der Sparer und Gläubiger ausgetragen?


Guy Wagner, Chefökonom der Banque de Luxembourg
Sie werden gezwungen, niedrige beziehungsweise negative Renditen zu akzeptieren. Zugleich wächst die Gefahr, dass sich in risikoreicheren Anlagesegmenten Blasen bilden. Zudem erfahren Banken oder Versicherungen Druck, trotz grotesk niedriger Zinsen in Staatsanleihen der verschuldeten Länder zu investieren. Das alles sind Maßnahmen, die in Richtung Planwirtschaft gehen.

Zeigt der Aktienmarkt schon Tendenzen einer Blase?
Nein, die Aktienmärkte sind derzeit nicht wirklich überbewertet.

Gibt es Beispiele für eine gelungene marktwirtschaftliche Lösung von Überschuldungsproblemen?
Als in den 90er-Jahren die asiatischen Länder mit einer ähnlichen Schuldenkrise konfrontiert waren, hat der Westen darauf bestanden, dass sie sich nach den Regeln der Marktwirtschaft sanieren. Der Anpassungsprozess war seinerzeit wesentlich härter als der, den die europäischen Krisenstaaten heute durchlaufen. Er war aber auch kürzer und wesentlich effektiver.

Welche Zukunft sehen Sie für die Eurozone?
Sie läuft Gefahr, zu einer Art Italien zu werden, also ein relativ wohlhabender Norden, der den angeschlagenen Süden immer wieder finanziell wird unterstützen müssen.

Wäre es für die Gemeinschaftswährung besser, wenn die Krisenstaaten die Währungszone verlassen würden?
Nein, es wäre für die Eurozone besser, wenn Deutschland und einige andere Länder ausschieden und den Euro den Krisenländern überließen. Ich bin gespannt, auf welches Echo die ökonomisch Sinn machenden Argumente der neu gegründeten Partei Alternative für Deutschland (AfD) stoßen werden, wenn sich die Eurokrise erneut verschärfen sollte.

Bildquellen: antos777 / Shutterstock.com, antoniomas / Shutterstock.com, Banque de Luxembourg
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