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22.02.2017 03:00
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Michael Reuss: Für die Märkte ist Trump positiv

Interview exklusiv: Michael Reuss: Für die Märkte ist Trump positiv | Nachricht | finanzen.net
Interview exklusiv
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Der Vermögensverwalter Michael Reuss spricht über den Trump-Effekt an den Börsen, die Inflation sowie über den Goldpreis und eine vernünftige Portfolio-Strategie.
von Benjamin Summa

Der neue US-Präsident hat in den vergangenen Monaten eine wahre Aktienrally ausgelöst. Wie beurteilen Sie das derzeitige Chance-Risiko-Verhältnis an den Märkten?
Michael Reuss: Als Überschrift für das Chance-Risiko-Verhältnis würde ich momentan wählen: "Ausgewogen bis positiv." Wir haben diesseits und jenseits des Atlantiks ein vernünftiges Wirtschaftswachstum zwischen 1,8 und 1,9 Prozent. In den USA ist der Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung - wenn auch mit einem niedrigen Lohnniveau. Auch in Europa sehen wir positive Signale am Arbeitsmarkt.

Die Aktien-Bewertungen sind derzeit auch nicht zu hoch: Der S&P 500 steht bei einem KGV von 21, wenn man sich auf die Gewinne von 2016 bezieht. Bezüglich der Gewinnschätzung von 2017 hat er ein KGV von 18. Die Dividendenrendite liegt bei ca. 2,3 Prozent. In Europa haben wir ein durchschnittliches KGV von 15 und eine Dividendenrendite von drei Prozent.

Der neue US-Präsident ist jemand, der etwas verändern möchte. Für die Märkte ist das positiv, denn es bringt Dynamik. Meines Erachtens stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Investitionszurückhaltung der vergangenen Jahre vor diesem Hintergrund schrittweise aufgelöst werden kann. Ein Beispiel wäre die mögliche Rückführung riesiger Kapitalberge US-amerikanischer Unternehmen ins Heimatland, wenn es zu einer Unternehmenssteuerreform in Amerika kommt. Diese Gelder lagen bisher steuergünstig in Irland oder Luxemburg. Mit diesem Geld könnten prima Aktienrückkäufe oder eben Investitionen getätigt werden.

Aber wo ist die Dynamik in Europa? Die anstehenden Wahlen wirken doch eher als Hemmschuh ...
Viele blicken mit großer Sorge auf die Wahlen, vor allem auf die in Frankreich. Aber das ist aus meiner Sicht übertrieben. Marine Le Pen hat praktisch keine Chance, in den Élysée-Palast einzuziehen. Sie mag vielleicht im ersten Durchgang die meisten Stimmen bekommen, aber die Historie hat gezeigt, dass die unterlegenen Parteien dann für die Stichwahl eine Wahlempfehlung aussprechen - sicherlich nicht für eine radikale Partei wie den Front National. Gut finde ich, dass andere Politiker wachgerüttelt worden sind durch die Erfolge der Populisten und Vereinfacher. Wenn man sich beispielsweise das Wahlprogramm von Emmanuel Macron anschaut, dann sieht man, dass er mit sozialliberalen und wirtschaftsliberalen Positionen bei der französischen Präsidentschaftswahl antritt. Dynamik sehe ich also auch hier.

US-Notenbankchefin Janet Yellen hat die Finanzmärkte vor einigen Tagen auf bald steigende Zinsen vorbereitet. Glauben Sie an eine echte Zinswende in den USA?
"Zinswende" ist ein großes Wort. Ich formuliere es anders: Wir haben sicherlich die Tiefststände für längere Zeit gesehen. Eine echte Wende mit einer längeren Phase von stark steigenden Zinsen sehe ich aber nicht. Stattdessen wird es eine Normalisierung geben - ich kann mir vorstellen, dass der zehnjährige Zins in den USA vielleicht bis auf 2,7 oder drei Prozent steigen kann. Für höhere Zinsen ist der Wirtschaftsaufschwung jedoch nicht stark genug und der Schuldendienst kann bei einem höheren Zinsniveau auch nur schwerlich erbracht werden.

In Deutschland wächst die Wirtschaft kräftig, die Leitzinsen sind vor diesem Hintergrund viel zu niedrig. Wie bewerten Sie die EZB-Politik und wie real ist die Gefahr einer Blasenbildung durch die ultra-lockere Politik - beispielsweise am Immobilienmarkt?
Die EZB ist natürlich in einem Dilemma, weil sie auf alle Mitgliedsstaaten Rücksicht nehmen muss. Im Zweifelsfall geht man dann eher auf die Bedürfnisse des Schwächsten ein. Die Italiener bräuchten theoretisch noch tiefere Zinsen und für Deutschland sind diese viel zu niedrig. Im Gegensatz zur Fed wird die EZB weiterhin im Expansionsmodus bleiben. Die EZB kann momentan überhaupt kein Interesse an nennenswert steigenden Zinsen haben. Natürlich birgt das in Teilmärkten das Risiko der Blasenbildung.

Höhere Preise für Benzin und Lebensmittel haben die Inflationsrate in Deutschland zu Jahresbeginn auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren getrieben. Müssen wir uns künftig auf stark steigende Preise einstellen?
Eine Vermögenspreisinflation haben wir schon lange, das sieht man an den extrem gestiegenen Preisen für Immobilien und an den Kurssteigerungen an den Aktien- und Anleihemärkten. Bei der Verbrauchsgüterpreis-Inflation werden wir bald eine Normalisierung sehen, ich sehe keine überschießende Inflationsrate für Verbrauchsgüterpreise. Nur ein Beispiel: Sobald der Ölpreis wieder in die Region 60 bis 65 Dollar geht, werden in den USA sofort wieder die Shale-Gas-Projekte hochgefahren, in der Folge sinkt der Ölpreis wieder.

Kommen wir zur privaten Vermögensanlage: Zu welcher Portfoliostrategie würden Sie derzeit konkret raten - sagen wir für einen 45-jährigen Familienvater, der sein Eigenheim abbezahlt …
In erster Linie braucht dieser Mensch die Sicherheit der Liquidität, also eine Reserve, um auf unvorhergesehene Dinge wie Krankheit oder Investitionen reagieren zu können. Ich würde deshalb zu einer Quote von 40 Prozent im festverzinslichen Bereich raten, auch wenn es dort momentan sehr geringe Zinsen gibt. Der Aktienbereich sollte ebenfalls mit 40 Prozent berücksichtigt werden. Dazu gehören Aktien im dividendenorientierten Bereich - also stabile nachhaltige Dividendentitel mit einem nicht-zyklischen Geschäftsmodell, beispielsweise Nestlé, und auch Aktien mit entsprechenden Wachstumschancen - wir sind nach wie vor sehr angetan von Technologiewerten, hier würde ich die Alphabet nennen. Und 20 Prozent im Bereich liquider Anlagen. Hier sollte auch ein gewisser Anteil in physisches Gold investiert werden, um einen Sicherheitsanker zu haben. Wichtig ist, dass monatlich bei der Aktienanlage etwas zugespart werden kann. Nur so kann man in schwächeren Phasen den Einstiegskurs verbilligen. Dieser sogenannte Cost-Average-Effekt ist elementar.

Die Deutschen sind noch immer stark überinvestiert in Geldwerten. Halten Sie doch bitte ein kurzes Plädoyer für die Aktienanlage.
Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, dass in Deutschland viele der besten Unternehmen der Welt ansässig sind, wir hierzulande aber eine der niedrigsten Aktienquoten haben. Die Deutschen bauen mit ihren Händen und ihren Köpfen tolle Unternehmen auf, sind aber an der Wertschöpfung anschließend nicht beteiligt. Unternehmensbeteiligungen waren in der Vergangenheit jedoch immer die Grundlage für große Vermögen, siehe Warren Buffett oder Bill Gates. Zusammenfassend vereinigt die Aktie viele positive Attribute: Sie ist liquide, täglich handelbar - auch in kleinen Stückelungen. Zudem schafft sie langfristig bleibende Werte, zahlt eine jährliche Dividende und stellt eine Beteiligung am Produktivkapital dar. Die Aktie hat nur einen einzigen kleinen Nachteil: Es wird jeden Tag ein neuer Kurs veröffentlicht. Wenn sich der Normalanleger nur einmal jährlich den Kurs anschauen würde, dann wäre das Verhältnis zur Aktie viel entspannter.

Welchen Trend sollten Anleger unbedingt auf dem Schirm haben?
Die Geschwindigkeit der technologischen Weiterentwicklung - das Stichwort ist hier Digitalisierung - unterschätzen die meisten völlig. Beispiele wären Elektromobilität, autonomes Fahren und Car-Sharing-Konzepte. Wenn die Entwicklung in diesen Bereich in der derzeitigen Geschwindigkeit weitergehen wird, dann ist noch nicht mal auszuschließen, dass ein deutscher Automobilhersteller daran Pleite gehen kann. Es werden neue Player nach oben gespült werden, die derzeit noch niemand auf der Agenda hat, - aber gleichzeitig auch alte Player aus dem Markt gedrängt.

Der Goldpreis in Euro notiert aktuell rund 15 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Oktober 2012. Was trauen Sie dem gelben Edelmetall dieses Jahr zu?
Vor dem Hintergrund der weltweiten Verschuldung und der expansiven Notenbankpolitik ist ein physischer Goldanteil zwischen fünf und zehn Prozent elementar wichtig. Der Goldpreis hängt natürlich stark von der Zins- und Inflationsentwicklung ab, negative Realzinsen sind Wasser auf seine Mühlen. Übergeordnet ist es auch so, dass es in den vergangenen Jahren eine Angebotsverknappung gab. Insofern sind die Rahmendaten für Gold relativ positiv. Nach unten sehe ich keine allzu großen Risiken, nach oben gibt es durchaus Chancen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir in der zweiten Jahreshälfte einen Goldpreis auf dem Niveau von 1360 Dollar beziehungsweise 1260 Euro sehen werden.

Über HRK
Die bankenunabhängige Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen wurde im Jahr 2000 gegründet, um vermögende Personen, Familien, Stiftungen und institutionelle Investoren unabhängig und individuell zu betreuen. Das verwaltete Vermögen der rund 750 privaten und institutionellen Kunden beläuft sich auf mehr als 2,1 Milliarden Euro.


Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.

Bildquellen: Huber, Reuss & Kollegen

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