29.04.2008 19:10
Bewerten
(0)

ROUNDUP 2: US-Ermittler: Fehlverhalten in zahlreichen Siemens-Bereichen

DRUCKEN
        (neu: Zeugenvernehmung, Details)

    MÜNCHEN (dpa-AFX) - In der Siemens-Schmiergeld-Affäre drohen dem früheren Management nach der Aufdeckung zahlreicher Verstöße gegen Gesetze und Vorschriften Schadenersatzforderungen des Konzerns. Die mit den internen Ermittlungen beauftragte US-Kanzlei Debevoise & Plimpton habe in einem Zwischenbericht umfangreiche neue Erkenntnisse über Regelverstöße in den Jahren 1999 bis 2006 vorgelegt, teilte Siemens am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung in München mit. "Die Kanzlei hat in nahezu allen untersuchten Geschäftsbereichen und in zahlreichen Ländern Belege für Fehlverhalten im Hinblick auf in- und ausländische Anti-Korruptionsvorschriften gefunden." Der Konzern wolle nun Schadenersatzansprüche gegen ehemalige Vorstandsmitglieder prüfen.

    Ein entsprechender Auftrag sei an den sogenannten Compliance- Ausschuss des Aufsichtsrates ergangen, der sich mit der Einhaltung von Regeln befasst. Auch der Vorstand sei gebeten worden, etwaige Schadenersatzforderungen und deren Durchsetzbarkeit zu prüfen, hieß es. Die Zahl neuer Fälle, in denen entsprechende Untersuchungen laufen, gab Siemens für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 (30. September) mit 28 an, nach 52 in den vorangegangenen drei Monaten. 123 Mitarbeiter hätten sich im Rahmen des Amnestieprogramms gemeldet, 30 von ihnen sei eine Amnestie gewährt worden.

NICHT NUR DIREKTE KORRUPTIONSVORFÄLLE

    In dem Korruptionsskandal geht es um dubiose Zahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, die vermutlich größtenteils zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt wurden. Der Zwischenbericht der US- Kanzlei umfasste den Stand der Ermittlungen in der früheren Telekommunikationssparte Com sowie in fünf weiteren Geschäftsbereichen des Konzerns, darunter unter anderem die Energieverteilung, die Verkehrs- und die Medizintechnik. Dabei habe auch das Verhalten des früheren Siemens-Managements "bei diesen Geschäftspraktiken" im Fokus gestanden, hieß es. Bei den aufgedeckten Verfehlungen handele es sich nicht nur um direkte Korruptionsvorfälle, sondern "vielfach" auch um "Verletzungen von Vorschriften, die sich auf die internen Kontrollen und die Korrektheit der Dokumentation beziehen".

    Nach Vorwürfen in der Siemens-Schmiergeldaffäre gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer hat die Staatsanwaltschaft München am Dienstag einen weiteren Zeugen vernommen. Nach dpa- Informationen handelte es sich um einen weiteren Manager des früheren Siemens-IT-Dienstleisters SBS. Medienberichten zufolge hatte sein Kollege bei einer vorangegangenen Vernehmung vor einigen Tagen ausgesagt, Pierer habe sie zu fragwürdigen Provisionszahlungen im Zusammenhang mit einem Großauftrag in Argentinien angehalten. Pierer hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und seine Unschuld beteuert. Die Staatsanwaltschaft wollte sich am Dienstag dazu nicht äußern. Sie hatte am Wochenende erstmals bestätigt, dass sie Ermittlungen gegen Pierer prüft. Eine Entscheidung darüber wird frühestens für diesen Mittwoch erwartet, wenn Siemens auch seine Halbjahresbilanz vorlegt.

VORSTANDSMITGLIEDER UNTERSCHIEDLICH GUT INFORMIERT

    Nach Erkenntnissen der US-Ermittler waren die früheren Vorstandsmitglieder unterschiedlich gut über die Zahlungen informiert und gingen unterschiedlich damit um. "Zwischen korrektem Verhalten, dem Abschieben von Verantwortung, Nicht-Reaktion oder nicht ausreichendem oder schnellem Reagieren bis zu möglicher Mitwirkung an Compliance-widrigen Aktivitäten gebe es ein weites Spektrum und mannigfache Schattierungen", hätten die Ermittler deutlich gemacht.

    Zugleich seien keine neuen, belastenden Informationen entdeckt worden, die einer Entlastung der heutigen Siemens-Vorstandsmitglieder im Wege stünden. Daher habe der Aufsichtsrat dem Vorstand sein volles Vertrauen ausgesprochen. Mit Blick auf frühere Vorstandsmitglieder will der Aufsichtsrat eine genaue Bewertung der Einzelfälle vornehmen. Erst dann seien Beschlüsse über konkrete Konsequenzen und Schlussfolgerungen möglich, hieß es.

175 MILLIONEN EURO FÜR ANWÄLTE AUSGEGEBEN

    Allein zwischen Januar und März hat der Konzern unterdessen im Zuge der Aufarbeitung des Schmiergeld-Skandals 175 Millionen Euro für Anwälte ausgegeben. Damit steige die Gesamtsumme für externe Berater in diesem Bereich sowie für das Abstellen von Schwächen im Kontrollsystem im ersten Halbjahr 2007/08 auf 302 Millionen Euro, hieß es. Im zweiten Quartal sind damit die Kosten angestiegen. Zur Begründung verwies ein Unternehmenssprecher unter anderem auf die Befragungen von Beschäftigten im Rahmen des Amnestieprogramms bei Siemens sowie auf den Einsatz von Kontrollinstrumenten zur Vermeidung von Korruption.

    Der Konzern gab auch bekannt, dass der ehemalige taiwanesische Elektronikkonzern BenQ, (heutige Qisda) Siemens im Zusammenhang mit der Übernahme der früheren Handysparte verklagt hat. Die Taiwaner verlangten "beträchtlichen Schadenersatz", teilte Siemens mit. Um welche Summe es sich genau handelt, wollte ein Siemens-Sprecher nicht sagen mit dem Hinweis auf ein schwebendes Verfahren. Der Konzern hatte seine Handy-Sparte 2005 - mit einer Mitgift ausgestattet - an die Taiwaner übergeben. Nach kurzer Zeit stellte die neue Mutter jedoch die Zahlungen an BenQ Mobile jedoch ein, nur rund ein Jahr nach der Übernahme hatte das Unternehmen Insolvenz anmelden müssen./cs/DP/sc

Anzeige

Nachrichten zu Siemens AG

  • Relevant
    5
  • Alle
    +
  • vom Unternehmen
    3
  • Peer Group
  • ?
Euro am Sonntag-Aktien-Check
Siemens: Cash-Maschine im Leistungscheck
Die Medizintechnik-Sparte Healthineers tritt zum Börsen-Eignungstest an. Die Fundamentaldaten sind kerngesund. Die Siemens-Spitze verordnet dennoch eine Leistungssteigerung.

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Siemens AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
14:16 UhrSiemens NeutralJP Morgan Chase & Co.
19.01.2018Siemens buyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
18.01.2018Siemens UnderweightBarclays Capital
18.01.2018Siemens HaltenIndependent Research GmbH
18.01.2018Siemens HoldDeutsche Bank AG
19.01.2018Siemens buyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
17.01.2018Siemens overweightMorgan Stanley
17.01.2018Siemens buyBaader Bank
15.01.2018Siemens overweightMorgan Stanley
11.01.2018Siemens buyCitigroup Corp.
14:16 UhrSiemens NeutralJP Morgan Chase & Co.
18.01.2018Siemens HaltenIndependent Research GmbH
18.01.2018Siemens HoldDeutsche Bank AG
17.01.2018Siemens HoldCommerzbank AG
12.01.2018Siemens HoldCommerzbank AG
18.01.2018Siemens UnderweightBarclays Capital
15.01.2018Siemens UnderweightBarclays Capital
12.01.2018Siemens UnderweightBarclays Capital
10.01.2018Siemens UnderweightBarclays Capital
05.01.2018Siemens UnderweightBarclays Capital

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Siemens AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Bechtle - Der Favorit im IT-Segment!

Ein breit aufgestelltes, gut diversifiziertes Produkt- und Serviceangebot, eine solide Finanzbasis und ein gutes Gespür für chancenreiche Trends und wachstumsstarke Marktsegmente - diese Mischung ist das Erfolgsgeheimnis von Bechtle. Lesen Sie im aktuellen Anlegermagazin die ganze Story über Bechtle.
Kostenfrei registrieren und dabei sein!

Heute im Fokus

DAX schließt im Plus --US-Shutdown beendet: Wall Street mit neuen Rekorden -- Steinhoff will weitere Anteile verkaufen -- Telekom hält an Dividendensteigerung fest -- Bitcoin im Fokus

Selbstfahrende Autos - Tesla verliert den Anschluss. Biotest-Aktie schnellt nach oben - Hürde für Übernahme genommen. K+S-Aktien erholen sich weiter. UBS-Gewinn bricht ein. Siltronic-Aktie klettert nach Konsolidierung auf Rekordhoch. Immobilienentwickler Instone Real Estate will an die Börse gehen. Wer künftig die Europäische Zentralbank führen könnte.

Top-Rankings

KW 3: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 3: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 2: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Erster Job
Wo Absolventen am meisten Geld verdienen
Das sind die größten Privatbanken weltweit
Welche Bank macht 2017 das Rennen?
Die Länder mit den größten Goldreserven 2017
Wo lagert das meiste Gold?
Die mächtigsten Frauen der Welt 2017
Welche Frau belegt den ersten Platz?
Das Wachstum der Schulden in verschiedenen Regionen
Welche Region konnte ihren Schuldenberg am meisten verkleinern?
mehr Top Rankings

Umfrage

Besitzen Sie Bitcoins oder eine andere Kryptowährung?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Steinhoff International N.V.A14XB9
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Deutsche Bank AG514000
Deutsche Telekom AG555750
Daimler AG710000
BYD Co. Ltd.A0M4W9
EVOTEC AG566480
CommerzbankCBK100
Infineon AG623100
Amazon906866
Apple Inc.865985
Siemens AG723610
GeelyA0CACX
Allianz840400
adidas AGA1EWWW