22.02.2012 03:00
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Commerzbank & Co unter der Lupe: Viel brennt nicht an

Rating-Herabstufungen: Commerzbank & Co unter der Lupe: Viel brennt nicht an | Nachricht | finanzen.net
Auf eine positive Reaktion der Börse können sich Anleger bei der Commerzbank einstellen
Rating-Herabstufungen
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Die Commerzbank ist der stärkste DAX-Wert 2012. Auch andere Finanztitel laufen. Steht die Branche vor einem Comeback?
€uro am Sonntag
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Moody’s kennt kein Pardon. Nachdem die US-Ratingagentur zu Wochenbeginn bei den ­Bonitätsnoten für sechs europäische Länder den Daumen gesenkt hatte, werden jetzt 100 internationale Großbanken ins Visier genommen. Neben US-Schwergewichten wie Goldman Sachs oder JP Morgan stehen auch Commerzbank und Deutsche Bank auf der Liste.

Überraschend kommt das keineswegs: Die Auswirkungen der Eurokrise auf die Konjunktur hoch verschuldeter Länder, die sinkende Kreditwürdigkeit etlicher Staaten und ein schlechteres Umfeld im als risikoreich eingestuften Investmentbanking liefern den Kreditanalysten hinreichende Begründungen für die geballte Abstufungsaktion. Griechenland trifft der verordnete strikte Sparkurs besonders hart.

Der Rückgang des BIP, den die Regierung in Athen für 2011 bisher auf 5,5 Prozent taxierte, liegt nach Einschätzung von Ökonomen bei 6,8 Prozent. Die schleppende Umsetzung der Strukturreformen bleibt ­allerdings das größte Handicap für Fortschritte bei der Rettung des ­Landes. Die Abstimmung der EU-Finanzminister über den 130 Milliarden Euro schweren Hilfskredit, der Griechenland vor der drohenden Pleite im März retten soll, wurde auf Montag verschoben.

Die zu Jahresbeginn gestartete Rally der Bank- und Versicherungsaktien dürfte dadurch nur vorübergehend gebremst werden. Denn bei der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt man die Verschiebung gelassen. Bei einer positiven Einigung über den freiwilligen Forderungsverzicht privater Gläubiger könne der Tausch der Anleihen „unmittelbar im Anschluss beginnen und rechtzeitig zu Ende geführt werden“, versichert EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Das dürfte den Papieren der Finanzkonzerne an der Börse wieder Auftrieb geben.

Das durch hohe Abschreibungen auf Wertverluste bedingte Risiko bei Griechenland-Anleihen haben die meisten Institute reduziert. Und wenn es, wie jüngst bei BNP Paribas und Société Générale, doch zu höheren Abschreibungen kommt, reagieren Anleger inzwischen gelassen. Zeigen die Banken bei der Präsentation der Zahlen zudem, dass Risiken weiter minimiert und Gewinne zur Verbesserung der Kapitalausstattung einbehalten wurden, wird das mit Kursgewinnen belohnt.

Commerzbank hat noch Potenzial
Auf eine positive Reaktion der Börse können sich Anleger deshalb auch bei der Commerzbank einstellen, die ihre Bilanz für das vierte Quartal und den Ausblick auf 2012 am Donnerstag präsentieren wird. Zwar erwarten Analysten bei der zweitgrößten deutschen Bank, die bisher als besonders Griechenland-gefährdet gilt, Wertberichtigungen von 750 Millionen Euro, doch hätte die Bank ihr Anfang 2011 mit drei Milliarden Euro noch sehr hohes Risiko damit um drei Viertel reduziert. Und mit Kapitaldisziplin haben die Frankfurter bereits im Januar bei Anlegern Vertrauen zurückgewonnen.


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Die Bank hatte ihren Plan für die Auffüllung der Kapitallücke vorgestellt, die von der europäischen Aufsichtsbehörde EBA im Dezember auf 5,3 Milliarden Euro taxiert worden war. Einschließlich der Commerzbank hatte die EBA bei 31 europäischen Banken 115 Milliarden Euro Kapitalbedarf festgestellt. Hintergrund: Damit die Banken Kursverluste bei Staatsanleihen ausgleichen können, ist ab Ende Juni eine Kernkapitalquote von mindestens neun Prozent Vorschrift.

Die Hälfte der Summe, die von der EBA gefordert wird, hat die Commerzbank bereits sicher. Zudem hofft sie auf die Zustimmung der EBA zur Verrechnung der jüngsten Griechenland-Abschreibung mit dem zusätzlich benötigten Kapital. Die Bafin hat der Verrechnung bereits zugestimmt. Sollte die EBA anders entscheiden, haben die Frankfurter eine Reserve von einer Milliarde Euro in der Hinterhand. Auch die Deutsche Bank hat ihr Risiko aus Anleihen der hoch verschuldeten Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien von 12,1 auf 3,7 Milliarden Euro stark zurückgefahren.

Allerdings sind Experten skeptisch, ob die Aktie die Rally fortsetzen wird. „Der Verlust von 500 Millionen Euro im Investmentbanking im vierten Quartal ist ein ziemlich schlechtes Ergebnis“, sagt Konrad Becker, Analyst der Privatbank Merck Finck. Zwar seien auch die Märkte drastisch zurückgegangen, zudem habe die Bank Sonderbelastungen geschultert. Becker geht jedoch davon aus, dass Konzernchef Josef Ackermann zu seinem Abgang ein gutes Quartal präsentieren wollte. Er bleibt skeptisch: „Ich glaube nicht, dass man da klar Schiff gemacht hat.“ In den USA stehen der Bank zudem viele Rechtsstreitigkeiten im Geschäft mit US-Immobilienkrediten ins Haus. Dennoch: Auf dem europäischen Bankenmarkt ist die Situation stabiler, als sie nach den Moody’s-Warnschüssen scheint. Die EZB hat den drohenden Engpass bei der Refinanzierung der Geldhäuser entschärft.

Am 29. Februar können sich Banken zum zweiten Mal unlimitiert zu einem Zinssatz von einem Prozent für drei Jahre mit EZB-Geld eindecken. Weil eine schlechtere Bewertung der Kreditwürdigkeit durch ­Ratingagenturen die Aufnahme von frischem Geld am Kapitalmarkt erschwert und verteuert, werden die Banken von dem Angebot der EZB wohl regen Gebrauch machen. Bei der ersten Tranche im Dezember waren es 500 Milliarden Euro. Der Umfang der Februar-Tranche wird auf 400 bis 680 Milliarden Euro geschätzt. „Mit ihren Programmen für eine langfristig günstige Refinanzierung der Banken hat die EZB das Risiko Liquiditätsengpass elegant in den Griff bekommen“, sagt Analyst Becker.

Eine Wiederholung der Ereignisse von 2008 ist nicht zu befürchten. Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers war der Geldtransfer zwischen den Banken wegen des Misstrauens der Institute ausgetrocknet, was eine schwere globale Rezession auslöste. Becker: „Sollte sich die Schuldenkrise zuspitzen, wird EZB-Chef Mario Draghi weitere Tranchen genehmigen und bei Bedarf die Kreditlaufzeiten auf vier bis sechs Jahre verlängern.“

Investor-Info

Commerzbank
Zuversicht überwiegt
Am Donnerstag zieht die Commerzbank Bilanz. Der Rückkauf von Hybridkapital dürfte nach Schätzung der DZ Bank im vierten Quartal 700 Millionen Euro Ertrag gebracht haben. Das sollte den Kurs beflügeln – ähnlich wie die wahrscheinliche Zustimmung der EBA zur Verrechnung der Griechenland-Abschreibungen mit der geforderten Kapitalaufstockung.

Munich RE
Risiken stark reduziert
Der Rückversicherer Munich Re hat 2011 stärker als andere Italien-Bonds abverkauft. Deren Wert im 178-Milliarden-Euro-Anleiheportfolio sank von 7,4 auf 2,5 Milliarden Euro. Aus Sicht von JP Morgan ist der starke Abbau der Risiken aus hoch verschuldeten Eurostaaten ein positives Signal – auch für die Bedeutung des Rückversicherungsgeschäfts.

Deutsche Finanzwerte
Kursfantasie bleibt
Am Donnerstag legt die Allianz Zahlen vor. Der ­Konzern signalisierte, dass die Ausschüttungsquote höher als 40 Prozent sein könnte. Damit bliebe die Dividende trotz negativer Effekte im vergangenen Jahr bei 4,50 Euro je Aktie. Hannover Rück hat dank des Verkaufs von Staatsanleihen 2011 mehr verdient als erwartet.

Billiges Zentralbankgeld
Sondereffekte für Versicherer
Die Hälfte der Banken, die Goldman Sachs befragte, rechnen bei der EZB-Geldaufnahme mit mehr als 500 Milliarden Euro. Davon werden sie auch eigene Anleihen zurückkaufen und somit den Versicherungen einen warmen Geldregen bescheren.

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