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09.03.2012 11:37
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ISDA dürfte Griechen-Umschuldung als Kreditereignis einstufen

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Griechenland hat das Ziel einer komplett freiwilligen Anleiheumschuldung verfehlt und muss nun einen Teil seiner privaten Gläubiger zu einem Forderungsverzicht zwingen.
Beobachter erwarten deshalb überwiegend, dass die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) in einer um 14.00 beginnenden Sitzung feststellen wird, dass ein Kreditereignis vorliegt. Dies würde die Zahlung von rund 3 Milliarden Euro aus Kreditversicherungen auslösen - ein überschaubarer Betrag, wenn nicht ein großer Teil davon auf einen einzigen Zahlungspflichtigen entfallen sollte, was derzeit niemand weiß.

   Nach Mitteilung der Regierung nahmen insgesamt nur 83,5 Prozent der privaten Anleihegläubiger das Umtauschangebot der Regierung an. Nötig wären 90 Prozent gewesen. Griechenland wird deshalb die für diesen Fall vorgesehenen Umschuldungsklauseln aktivieren, wodurch sich eine Beteiligung von 95,7 Prozent des ausstehenden Kapitals ergibt. Insgesamt wurden Anleihen über 172 Milliarden Euro zum Tausch angeboten. Nach Mitteilung der Regierung willigten 69 Prozent der Inhaber von Anleihen, die nicht nach griechischem Recht begeben wurden, in einen Tausch ein. Das an sie gerichtete Umtauschangebot soll nun bis 23. März verlängert werden. Von den nach griechischem recht begebenen Anleihen wurden 85,8 Prozent angeboten.

   "Unsere Experten erwarten, dass die ISDA diese Aktion als Kreditereignis einstufen wird", sagte Citigroup-Volkswirt Jürgen Michels. Auch nach Einschätzung von UniCredit wird die Aktivierung der Umschuldungsklauseln zur Fälligkeit der Kreditversicherungen führen. Die Bank rechnet damit, dass die Risikoaversion an den Finanzmärkten wieder etwas aufleben wird, obwohl dieser Vorgang an sich keine Überraschung darstellen würde.

   Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, sieht die mögliche Fälligkeit der Kreditausfallversicherungen mit gemischten Gefühlen: "Europa hat lange Zeit versucht, das zu verhindern und muss jetzt abwarten, wie die Märkte diesen faktischen Zahlungsausfall aufnehmen", sagte er.

   Kreditanalyst Jochen Felsenheimer von Assenagon Asset Management will wegen der zu befürchtenden Anleihemarktreaktionen - vor allem mit Blick auf Portugal - nicht ausschließen, dass die Eurogruppe die Aktivierung der Zwangsklauseln am Nachmittag noch verhindert. Letztlich müsse Brüssel abwägen, ob eine höhere Beteiligung via Zwangsklauseln das damit verbundene höhere Risiko für die Peripherie rechtfertige.

   Wäre die Beteiligung an dem Anleihetausch unter 75 Prozent geblieben, hätte eine ungeordnete Insolvenz Griechenlands mit schwer abschätzbaren Folgen für den Euroraum und die Weltwirtschaft gedroht. Entsprechend erleichtert äußerten sich Vertreter von Regierungen und Bankenverbänden. Frankreichs Finanzminister Francois Baroin erklärte, die Umschuldung sei ein großer Erfolg, sie erfolge freiwillig. Der Internationale Bankenverband IIF sprach von einem "starken und positiven" Ergebnis und betonte ebenfalls, die Freiwilligkeit des Anleihetauschs.

   Auch für Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), stand im Vordergrund, dass die Aktivierung der Zwangsklauseln (CAC) durch die griechische Regierung den griechischen Schuldenschnitt insgesamt nicht gefährden wird. "Ich glaube nicht, dass die Sache noch scheitern kann", sagte er im Deutschlandfunk.

   Die privaten Anleihegläubiger sollen auf etwas mehr als die Hälfte des Nominalwerts ihrer Anleihen verzichten, um die Schuldenbelastung Griechenlands zu vermindern. Das Euro-Mitglied soll langfristig wieder in die Lage versetzt werden, seine Schulden selbst zu tragen. Das ist die Voraussetzung für ein neues Hilfspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro, ohne das das Land wahrscheinlich zahlungsunfähig würde. Am 20. März muss Griechenland Anleiheschulden über 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen.

ATHEN (Dow Jones)

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