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28.03.2012 16:00
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Vietnam: Im Land des aufsteigenden Drachen

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Vietnam verfügt wie kaum ein anderes Land Südostasiens über hohes Wachstumspotenzial. Der jüngste Wirtschaftsaufschwung treibt auch die Aktienkurse.
€uro am Sonntag
von Oliver Ristau, €uro am Sonntag

Die Bäume in Ho-Chi-Minh-Stadt tragen schwarz. Nicht wegen der Luftverschmutzung in Vietnams Acht-Millionen-Metropole, dem einstigen Saigon. Sondern weil sie als Stützen für das schwere Gewirr von Elektrokabeln herhalten müssen. Das Chaos der schwarzen Strippen ist Symbol für den Energiehunger eines Landes, das seit 1990 auf Wachstum programmiert ist.

Während die Wirtschaftsleistung in den vergangenen beiden Dekaden im Schnitt um jährlich sieben Prozent zulegte, stieg der Stromverbrauch in der jüngeren Vergangenheit um das Doppelte. Stromausfälle sind an der Tagesordnung.

„Wir müssen unsere Produktion immer wieder unterbrechen“, sagt Sup-Keun Jo, Manager bei CS Wind Group, dem weltweit größten Turmbauer für Windkraftanlagen. Das ­koreanische Unternehmen schweißt seit 2004 im Mündungsgebiet des Saigon-Flusses, gut anderthalb Autostunden von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt, Stahlkolosse für Windparks in den USA und Europa zusammen. Doch neue Kraftwerke und Netze ­erfordern Kapital, das Vietnam nicht so einfach aufbringen kann. Anders als mancher Nachbar in der Region hat das Land am Südchinesischen Meer trotz eines jahrelangen Aufschwungs keine Devisenreserven angehäuft, die für Investitionen im Land zur Verfügung stünden.

Probleme werden angegangen
Zwar ist die Wirtschaft Vietnams auf Exporte getrimmt. Laut staatlicher Statistik machen die Ausfuhren etwa 75 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, Bekleidung und Schuhe allein 13 Prozent. Vietnam zählt zu den weltweit größten Exporteuren von Reis, Kaffee und Pfeffer. Auch Gummi und vietnamesischer Frischfisch sind im Ausland beliebt. Außerdem fördert das Land vor den Küsten Roh­öl. Doch zugleich importierte ­Vietnam bis zuletzt munter Maschinen, Fahrzeuge und andere Industriegüter, deren Wert die Export­einnahmen in den Schatten stellten. Das Handelsbilanzdefizit betrug im Jahr 2010 rund zwölf Milliarden ­Dollar — 17 Prozent des Exportvolumens.

Mit zwei Problemen hat Vietnam ganz besonders zu kämpfen. Zum ­einen gibt es ein aufgeblähtes Kreditwesen, das den staatlichen und privaten Verbrauch anstachelt. Viele Banken haben wegen Forderungen gegenüber hoch verschuldeten Staatsunternehmen oder privaten Im­mo­­bilienspekulanten nicht unerhebliche Ausfallrisiken in den Büchern stehen. Zum anderen waren bis zuletzt Inflationsraten von 20 Prozent und mehr an der Tagesordnung, die eine permanente Abwertung der vietnamesischen Währung, des Dong, mit sich brachte.

Doch 2011 hat die kommunistische Führung die geldmarktpolitischen Zügel angezogen, die Leitzinsen erhöht und den Zusammenschluss von Banken forciert. Die Erfolge sind unübersehbar. „Die jüngsten Geld- und Kreditdaten zeigen, dass die restriktive Geldpolitik wirkt“, sagt UBS-Analyst Philip Wyatt. Die Inflation soll 2012 auf acht Prozent sinken. Der Wechselkurs ist seit dem zweiten Quartal 2011 stabil, nachdem der Dong in den beiden Jahren zuvor mehr als 20 Prozent an Wert verloren hatte. Auch die Lücke im Außenhandel schließt sich zusehends. 2011 lag sie mit 9,5 Milliarden Dollar erstmals seit 2001 unter zehn Prozent des Exportvolumens. Wyatt rechnet für das Gesamtjahr mit einem Handelsdefizit von nur noch 5,5 Prozent. Zugleich erwartet er eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums, das mit Ausbruch der Finanzkrise ins Stocken geraten war. Nach 5,9 Prozent Plus im Jahr 2011 könnten es 2012 wieder 6,6 Prozent werden.

Der Aktienmarkt honoriert die Verbesserungen. Der VN-Index der Börse in Ho-Chi-Minh-Stadt legte 2012 einen hervorragenden Jahresauftakt hin. Nachdem Anfang Januar mit 340 Punkten ein neues Zwei­jahrestief markiert worden war, gewann der Index zuletzt mehr als 25 Prozent auf 435 Punkte. Noch ist Vietnams Aktienmarkt aber unbedeutend. Zwar sind an den beiden Börsenplätzen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi mittlerweile mehr als 100 Titel gelistet, doch die Liquidität ist gering — der Tagesumsatz an beiden Finanzplätzen liegt bei nur 40 Millionen US-Dollar. Das ist deutlich weniger als etwa in Indonesien mit 500 Millionen oder in Thailand mit 900 Millionen Dollar.

Trotz der Rally bleiben Probleme. „In Vietnam gibt es weder ein Insiderhandelsgesetz noch eines zum Schutz vor Geldwäsche“, sagt Oliver Massmann von der US-Wirtschaftskanzlei Duana Morris aus Hanoi. „In der Vergangenheit hat es immer ­wieder Manipulations- und Korruptionsvorfälle gegeben.“

Auf dem Weg zum Industriestaat
Auch wenn Vietnam noch nicht das beste Umfeld für Investoren bieten mag, das Potenzial des Landes, das seine Geschichte auf die Ankunft eines Meeresdrachen zurückführt und auch seine Hauptstadt einst nach einem Drachen benannte, der zum Himmel aufsteigt, ist täglich zu spüren. Prägten vor zehn Jahren noch Fahrräder das Straßenbild der großen Städte, sind es jetzt neue ­Motorroller, mit denen vor allem junge Vietnamesen pausenlos durch die Straßen knattern. Das Gros der 90 Millionen Einwohner ist jünger als 30 Jahre.

Mobiltelefone, Flachbildschirme und Internet: Bei Vietnams junger Gesellschaft sind moderne Technologien heiß begehrt, und das nicht nur beim Konsum. „Vietnam hat wesentlich mehr zu bieten als niedrige Löhne“, sagt Wirtschaftsjurist Massmann. „Es ist vor allem die Qualität der Arbeitskraft, auf die die Wirtschaft setzen kann.“

So habe sich etwa der koreanische Elektronikmulti Samsung bei der Auswahl seines neuen weltweiten Software- und Mobilfunkwerks unter 50 evaluierten Ländern für Vietnam entschieden. Auch die deutsche Bosch-Gruppe setzt auf IT made in Vietnam. Analog zu Indien baut der Autoelektronikspezialist seine neueste Softwareentwicklungszentrale in Ho-Chi-Minh-Stadt auf.

Die Veränderungen zeigen sich auch in der Wirtschaftsstruktur. 1990 machte der Agrarsektor noch 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, die Industrie nur 20 Prozent. Mittlerweile hat sich das Verhältnis umgekehrt. Luft nach oben gibt es insbesondere in Sachen Effizienz. „Vietnam könnte seine Reis-, Kaffee- und Fischexporte problemlos um 50 Prozent steigern, wenn im Land in die Weiterverarbeitung der Rohstoffe investiert würde“, sagt Massmann. Ein bedeutender Anteil der Ernte verderbe, bevor er verkauft werden könne. Ein Vergleich mit den Nachbarn zeigt das enorme Nachholpotenzial. Während das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Vietnam bei 1.200 Dollar liegt, beträgt es in Indonesien das Dreifache, in Thailand das Vierfache und in ­Malaysia das Siebenfache. Will das Land den Anschluss nicht verlieren, werden die Bäume in Ho-Chi-Minh-Stadt wohl noch einige Zeit schwarze Stromkabel tragen müssen.

Investor-Info

Vietnam
Schotten rechnen in Dong

Mit dem Vietnam-II-VND-Total-Return-Index der Royal Bank of Scotland (RBS) setzen Anleger auf einen Aktienkorb, der bis zu 15 Unternehmen enthält. Der in vietnamesischen Dong aufgelegte Index enthält Aktien, die eine bestimmte Marktkapitalisierung und ein Mindesthandelsvolumen aufweisen müssen. Am stärksten ist der Mischkonzern Masan Group mit über 18 Prozent gewichtet, gefolgt vom Finanzinstitut JSC Bank for Foreign Trade of Vietnam mit rund 17 Prozent. In den vergangenen drei Jahren legte das RBS-Papier um rund 30 Prozent zu. Achtung: Währungsgewinne und -verluste sind möglich.

Neue Wachstumsstars
Die nächsten elf im Paket

„Next 11“ steht für elf Schwellenländer, denen in den kommenden Jahren ein hohes Wachstums­tempo vorhergesagt wird. Dazu zählen neben Vietnam etwa Mexiko, Indonesien, die Türkei, Nigeria, Südkorea, Ägypten, die Philippinen und Pakistan. Das Next-11-Zertifikat von DWS-Go investiert in rund 20 Unternehmen aus diesen Staaten, insbesondere aus dem Infrastruktur- und Konsumsektor.

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