28.11.2009 06:00
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VW-China-Chef Winfried Vahland: „Das Wachstum in diesem Jahr ist ungesund“

Volkswagen: VW-China-Chef Winfried Vahland: „Das Wachstum in diesem Jahr ist ungesund“ | Nachricht | finanzen.net
VW-China-Chef Winfried Vahland
Volkswagen
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Der Automarkt in China boomt. Volkswagen-China-Chef Winfried Vahland erklärt, warum er das für gefährlich hält, und wie der Konzern mit neuen Produkten seine Spitzenposition dort halten will.
€uro am Sonntag
von Daniela Meyer, Guangzhou

Zur Expo 2010 wird der Volkswagen-Konzern in Schanghai sein erstes, in China produziertes Elektroauto vorstellen. Das kündigte China-Chef Winfried Vahland im Interview mit Euro am Sonntag bei der Guangzhou International Motor Show in Kanton an. Gleichzeitig kritisierte er das gigantische Wachstum des chinesischen PKW-Marktes in diesem Jahr als unnatürlich.

€uro am Sonntag: Herr Vahland, der chinesische PKW-Markt ist in diesem Jahr um gigantische 50 Prozent gewachsen. Da könnte man fast an eine Blase glauben.
Winfried Vahland: Das Wachstum in diesem Jahr ist in der Tat viel zu hoch. Das ist weder natürlich noch gesund. Wir können die große Nachfrage kaum befriedigen, obwohl unsere Mitarbeiter mindestens sechs Tage in der Woche arbeiten. Es ist wichtig, jetzt darauf zu achten, dass die Qualität nicht darunter leidet. Daher haben wir unser eigenes Wachstum auch gebremst.

Sie haben freiwillig das Wachstum gebremst?
Gebremst in dem Sinne, dass wir nicht ausschließlich darauf aus sind Volumen zu generieren, sondern auch das dazu nötige Händlernetzwerk aufbauen und Mitarbeiter ausbilden. Diese Schritte bremsen uns ein wenig, sind aber notwendig, um in der Zukunft ein gesundes Unternehmen zu bleiben.

Was passiert, wenn die staatlichen Subventionen für den Autokauf, die für den Boom verantwortlich sind, wieder wegfallen?
Ich rechne nicht mit einem krassen Einbruch. Eher wird sich der Markt wieder beruhigen. Er wächst normalerweise etwa 1,5 Mal so schnell wie das GDP. Wir rechnen daher für 2010 mit einem Wachstum im PKW-Gesamtmarkt von zehn bis 15 Prozent, wobei ich anstrebe mit Volkswagen etwas darüber zu liegen.

China ist bereits der wichtigste Markt von VW. Wie stark profitieren Sie zusätzlich vom derzeitigen Boom?
In der letzten Woche haben wir kumulativ für 2009 eine Millionen Fahrzeuge der Marke VW verkauft. Insgesamt wird der VW Konzern etwa 1,4 Millionen in 2009 absetzen. Das ist eine Steigerung um mehr als 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unser Wachstum hier bedeutet zudem auch Wachstum für den Konzern in Deutschland und andere deutsche Betriebe, wie Zulieferer.

Langfristig haben Sie das Ziel ausgegeben bis 2018 den Absatz auf zwei Millionen Fahrzeuge zu erhöhen.
Diese Ziel werden wir nun sehr viel früher erreichen. Eine genaue Jahreszahl kann ich aber noch nicht nennen.

Ihre meist verkauften Modelle sind immer noch der Jetta und der Santana. Müssen Sie beim schnell steigenden Wohlstand der Chinesen nicht eher auf Luxusmarken setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Das ist ein großer Wandel, den die Marke VW forciert. Die Betrachtung von Jetta und Santana ist fast schon Vergangenheit. Trotzdem werden wir in diesem Jahr jeweils mehr als 200.000 dieser Autos verkaufen. Das zeigt, dass es immer noch eine große Nachfrage gibt. Gleichzeitig findet ein Wandel zu mehr Durchmischung statt. Vom europäischen Passat werden wir in 2009 z.B. 70000 verkaufen, vom Lavida knapp 150000. Den Phaeton wollen wir im kommenden Jahr mehr als 2000 Mal verkaufen. Damit wäre China der größte Markt weltweit für dieses Modell. Zudem werden wir 2009 mehr als 30.000 Oberklasse-Fahrzeuge importieren. 2010 sollten es sogar 50.000 werden.

Mit Ihrer Marke Audi sind Sie in China sehr erfolgreich. Trotzdem verkaufte Audi bisher nur 22 Prozent mehr als im Vorjahr. BMW konnte seine Verkäufe um 37 Prozent steigern, Mercedes um 48. Können Sie da zufrieden sein?
Audi ist ein klarer Sieger im Premiumsegment in China und ist der Konkurrenz sowohl im Volumen als auch in der Erfahrungen in China um Jahre voraus. Zurzeit ist Audi genauso wie die Marke Volkswagen in China praktisch ausverkauft.

Vor allem Ihre japanische Konkurrenz setzt verstärkt auf den Trend Hybrid- und Elektroauto. Warum engagieren Sie sich dort nicht stärker?
Wenn man Elektroautos mit Energie speist, die in schmutzigen Kohlekraftwerken erzeugt wird, hat das nur wenig mit nachhaltigem Umweltschutz zu tun. Es gibt Länder, wie z.B. Brasilien, die viel erneuerbare Energie haben. China nicht. Zudem wollen wir bezahlbare Technologien anbieten und ein Elektroauto kostet deutlich mehr. Das kann sich hier bisher niemand leisten. Und Umwelt-Autos nur für Superreiche sollten wir in China nicht anbieten.

Investieren Sie also gar nicht in derartige Technologien?
Doch. Wir bauen in China auch ein Elektroauto, das wir zur Expo erstmals vorstellen werden. Damit zeigen wir unsere Kompetenz. In Serie wird es aber erst später gehen. Bis dahin werden wir traditionelle Technologien weiterentwickeln. Das heißt, vor allem kleinere, umweltfreundlichere Motoren und energiesparende Getriebe.

In China sitzt Ihnen die japanische Konkurrenz ständig im Nacken. Können Sie Toyota und Co. in Zukunft noch davonfahren? Wir sind mit einem Anteil von etwa 17 Prozent Marktführer. Und wir werden es auch in Zukunft schaffen, einen Technologievorsprung von zwei bis drei Jahren zu halten. In Hongkong haben wir z.B. eine große Erfolgsstory zu verzeichnen. Bis 2007 waren wir dort die Nummer fünf. Vor zwei Jahren haben wir unsere Strategie geändert, die Anzahl der Modelle der Marke VW von sieben auf 14 erhöht, Showrooms eröffnet. Jetzt sind wir hinter Toyota die Nummer zwei. Und 2010 werden wir als Konzern die Nummer eins sein.

Eine Ihrer Strategien, um die Stellung im japanisch dominierten Südchina zu verbessern, ist neue Modelle auf den Markt zu bringen. Verwirrt es den Kunden nicht eher, wenn es zu viele Modelle gibt?
Im Gegenteil. Der VW Konzern kann mit seiner Markenstrategie den chinesischen Kunden das breiteste Produktportfolio anbieten. Auch in China gibt es einen Trend zur Individualisierung.

Auf der Messe in Guangzhou stellen Sie wieder zwei neue Modelle vor, den Golf GTI und den Tiguan. Man hört, dass chinesische Kunden die Autos gleich vom Messestand wegkaufen.
Im vergangenen Jahr ist in Peking der Flying Spur von Bentley vorgestellt worden. Alle Ausstellungsstücke wurden direkt vom Stand verkauft. Zudem kommen viele Kunden und bezahlen gleich bar. Ein Kunde hat z.B. mit einem Koffer voll Bargeld einen Phaeton gekauft. Zwei Tage später kam er wieder und hat einen zweiten für seinen Sohn mitgenommen und ebenfalls bar gezahlt. Das gibt es nur in China.

General Motors hat den neuen Buick von einem chinesischen Designer gestalten lassen. Wird sich auch VW verstärkt am chinesischen Geschmack orientieren?
Vahland: Unsere Studien haben gezeigt, dass Chinesen von den VW-Marken keine speziell für sie designten Autos wollen. Sie lieben z.B. italienisches Design. Daher engagieren auch chinesische Autofirmen italienische Designer. Man kann das Design chinesisch anhauchen – mit asiatischen Mustern, Farben, Stoffen. Das wird der chinesische Kunde gar nicht merken, aber er fühlt sich wohler. Und diese Elemente werden wir auch in nächster Zeit verstärkt einfließen lassen.

Bildquellen: VW

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11.04.2018Volkswagen (VW) St OutperformBernstein Research
09.08.2017Volkswagen (VW) St market-performBernstein Research
10.05.2017Volkswagen (VW) St buyHSBC
11.01.2017Volkswagen St (VW) overweightBarclays Capital
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11.04.2018Volkswagen (VW) St OutperformBernstein Research
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