Lufthansa-Aktie in Grün: Flugriese streicht Verbindung zwischen Bremen und Frankfurt - Swiss streicht Stellen

Die Entscheidung der Lufthansa, die Flugverbindung zwischen Bremen und Frankfurt zum 1. Juli einzustellen, stößt in Bremen auf immer größere Kritik.
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Die Handelskammer Bremen reagierte "mit völligem Unverständnis" auf die Ankündigung. Die Kammer habe sich daher direkt an Lufthansa-Chef Carsten Spohr gewandt und fordere ihn auf, "diese Entscheidung zu revidieren", sagte Handelskammer-Präses André Grobien.
"Bremen verliert damit seinen wichtigsten Zugang zum weltweiten Lufthansa-Netz", so Grobien laut Mitteilung. "Für eine der außenhandelsorientiertesten Regionen Deutschlands ist das ein schwerer Schlag." Die Flüge seien regelmäßig gut ausgelastet, so Grobien weiter. "Vor diesem Hintergrund können wir die Entscheidung der Lufthansa nicht nachvollziehen."
"Keine Luxusverbindung, sondern eine essenzielle Lebensader"
Auch der Wirtschaftsrat der CDU zeigte sich besorgt. "Die Verbindung Bremen-Frankfurt ist keine Luxusverbindung, sondern eine essenzielle Lebensader für Wirtschaft, Wissenschaft und internationale Erreichbarkeit unserer Region", sagte Jörg Müller-Arnecke, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrats Bremen, laut Mitteilung.
Den Senat forderte er auf, sich klar zum Erhalt der internationalen Erreichbarkeit Bremens zu bekennen. Gemeinsam mit Lufthansa, dem Flughafen und dem Bund müsse der Senat alle Möglichkeiten zum Erhalt der Verbindung auszuschöpfen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauche Bremen bessere Anbindungen und keine zusätzlichen Standortnachteile.
CDU fordert bessere Rahmenbedingungen für Airlines
Ähnlich äußerte sich auch die hafen- und wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Susanne Grobien. "Die Anbindung an das internationale Drehkreuz Frankfurt ist für unsere Unternehmen essenziell", sagte sie laut Mitteilung. Rund 30.000 Arbeitsplätze, eine Bruttowertschöpfung von rund 2,3 Milliarden Euro und ein Steueraufkommen von knapp 600 Millionen Euro hingen direkt oder indirekt vom Flughafen ab, so die CDU-Politikerin.
"Der Senat muss jetzt alles daransetzen, dass die Lufthansa ihre Entscheidung noch einmal revidiert", forderte Grobien. "Der Senat Bovenschulte muss endlich dafür sorgen, dass der Flughafen für Airlines wirtschaftlich attraktiv bleibt. Dafür braucht es bessere Rahmenbedingungen, mehr Anreize für Fluggesellschaften und eine klare Strategie zur Sicherung des Standorts."
Bovenschulte: "Schwerer Schlag für Bremen"
Zuvor hatte bereits der Senat die Entscheidung der Lufthansa scharf kritisiert. Der Schritt sei "ein schwerer Schlag für Bremen und den ganzen Nordwesten", sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) am Sonntag laut Mitteilung. Der Senat werde deshalb alles dafür tun, dass die Entscheidung noch einmal überdacht wird.
Die Lufthansa hatte am Wochenende angekündigt, die Flugverbindung zwischen Bremen und Frankfurt am Main zum 1. Juli einzustellen. Die Entscheidung sei Teil einer Anpassung des Streckennetzes an "Nachfrage, Wirtschaftlichkeit und operative Rahmenbedingungen", hieß es. Bislang gibt es laut Flughafen bis zu fünf Flüge täglich von Bremen nach Frankfurt.
Tochter Swiss will in Verwaltung zehn Prozent einsparen
Die Fluggesellschaft Swiss hat ihre Sparmassnahmen auf das Bodenpersonal ausgeweitet. "Ziel ist, dass wir rund zehn Prozent unserer administrativen Mitarbeitenden abbauen", sagte Swiss-Chef Jens Fehlinger in einem Interview der "NZZ am Sonntag".
Entlassungen wolle die Fluggesellschaft keine vornehmen, sagte Fehlinger in dem am Sonntag zunächst online veröffentlichten Interview. Die Rede sei ausschließlich von freiwilligen Abgängen.
Für die Einsparungen in der Verwaltung setzt die Fluggesellschaft, ähnlich wie beim Kabinenpersonal, finanzielle Anreize. Zum Beispiel erhalte man 20 Prozent des eingesparten Basissalärs, wenn man unbezahlte Ferien beziehe, sagte der Swiss-Chef.
Er begründete den Schritt unter anderem mit dem Kostendruck. Nicht nur das Kerosin sei teurer geworden. "Wir haben strukturell höhere Kosten", sagte Fehlinger und nannte die Flugzeugwartung, Umweltabgaben und gestiegene Personalkosten als Beispiele. Insgesamt wolle die Lufthansa-Tochter zehn Prozent der Kosten abbauen. Dies sei nötig, nur damit die Kostenstruktur gleich bleibe, sagte der Swiss-Chef.
"Ein gesundes Maß"
Die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss und die Edelweiss gehören, hatte Mitte April neue Sparmassnahmen angekündigt. Demnach werden keine neuen Mitarbeitende mehr eingestellt.
Laut Fehlinger spart der Mutterkonzern in der Administration 20 Prozent ein. Die Swiss "vorerst nur zehn Prozent", wie der Swiss-Chef sagte. Das halte er für "ein gesundes Maß". Die Fluggesellschaft sei zwar profitabel, doch manche Konkurrenten hätten sie bei der Profitabilität überholt. Die Swiss müsse sich weiterentwicklen und wachsen. Die Nachfrage nach Flügen sei da, sagte Fehlinger und fügte an: "Wenn wir nicht davon profitieren, tun es andere."
Das Bodenpersonal der Swiss zählte per Ende letzten Jahres insgesamt, also einschließlich der Administration, 3.432 Mitarbeitende, wie der Webseite des Unternehmens zu entnehmen war.
Beim Kabinenpersonal sind die Ziele nach Angaben des Swiss-Chefs erreicht worden. Auch da setzte die Swiss auf ein Angebot für freiwillige Abgänge, wie sie im März mitgeteilt hatte. Adressiert war das Angebot an die rund 4.000 Kabinenmitarbeitenden der Basis in Zürich. Ihnen wurde laut der "NZZ am Sonntag" eine Prämie von 15.000 Schweizer Franken versprochen, wenn sie bis Ende April kündigten.
Zu Entlassungen wird es beim Kabinenpersonal nicht kommen. "Dank diesen rein freiwilligen Maßnahmen konnten wir den Überbestand reduzieren", sagte Fehlinger von der Zeitung auf die Prämie angesprochen. Rund 140 Kabinenmitarbeitende werden die Swiss demnach verlassen.
Großaktionär Kühne erhöht Lufthansa-Beteiligung von 15 auf 20 Prozent
Der Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne hat seine Beteiligung an der Lufthansa Group erhöht. Der Anteil seiner Beteiligungsgesellschaft an dem Airline-Konzern überschritt am vergangenen Freitag die Schwelle von 20 Prozent, wie aus einer am Montag veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung hervorgeht. Zuvor hatte die Kühne Holding knapp über 15 Prozent an der Lufthansa Group gehalten. Zu den Gründen für die Aufstockung war zunächst nichts bekannt.
Der Präsident des Verwaltungsrats der Kühne Holding, Karl Gernandt, hatte sich im April angesichts der aktuellen Streiks bei mehreren Lufthansa-Konzernairlines bei den Spartengewerkschaften Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) und Vereinigung Cockpit (VC) über einen Missbrauch des Streikrechts beklagt. Das Schreiben war an mehrere Medien verschickt worden, unter anderem an das Handelsblatt.
Im XETRA-Handel am Montag notiert die Lufthansa-Aktie zeitweise 2,33 Prozent höher bei 8,33 Euro.
BREMEN (dpa-AFX)/DOW JONES
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