Novo Nordisk-Aktie unter Druck: Wettbewerb verschärft sich - Neue Rivalen, neue Pillen

Der Wettbewerb um Adipositas-Therapien verschärft sich weiter. Während Novo Nordisk bislang als einer der dominanten Player galt, drängen immer mehr Rivalen hinterher.
Werte in diesem Artikel
• Börsengang von Novo Nordiks-Konkurrent Kailera Therapeutics voller Erfolg
• Eli Lilly bei Vergleich der Rezepte für Abnehmpillen knapp vorn
• Möglicher Deal von Eli Lilly mit Kelonia
Novo Nordisk hat einen neuen, börsennotierten Rivalen. Mit einem Emissionsvolumen von rund 625 Millionen US-Dollar hat Kailera Therapeutics am vergangenen Freitag einen der größten US-Biotech-Börsengänge seit 2021 realisiert und damit ein starkes Signal an den Kapitalmarkt gesendet. Die Aktie legte am ersten Handelstag an der NASDAQ letztlich um 62,5 Prozent auf 26,00 US-Dollar zu - ein Ausdruck der hohen Erwartungen an neue Kandidaten im milliardenschweren Adipositas-Segment.
Relevant ist dabei vor allem die Pipeline-Positionierung. Kaileras führender Kandidat adressiert - ähnlich wie Produkte von Novo Nordisk und Eli Lilly - die GLP-1- und GIP-Signalwege, während parallel eine orale Variante entwickelt wird. Damit greift das Unternehmen exakt jene Wirkstoffachsen an, auf denen das heutige Marktduopol basiert.
Für Novo Nordisk entsteht daraus ein klassisches "Second-Wave-Risiko": Während die erste Welle des Wettbewerbs aus etablierten Pharmaunternehmen bestand, kommt nun eine zweite aus gut kapitalisierten Spezialisten mit fokussierten Adipositas-Pipelines. Analysten gehen laut "Reuters" davon aus, dass der Markt für Abnehmmedikamente bis zum Ende des Jahrzehnts ein Volumen von bis zu 150 Milliarden US-Dollar erreichen könnte - ausreichend groß, um mehrere Gewinner hervorzubringen, aber auch kapitalintensiv genug, um aggressive Entwicklungsstrategien zu erzwingen.
Orale GLP-1-Therapien werden zum neuen Schlachtfeld
Insgesamt verschiebt sich der Wettbewerb bei den Abnehmmedikamenten zunehmend in Richtung oraler Therapien. Hier liefern erste Verschreibungszahlen ein frühes - wenn auch noch nicht belastbares - Bild der Marktkräfteverhältnisse zwischen Novo Nordisk und Eli Lilly.
So erreichte die neue Abnehmpille Foundayo von Eli Lilly in der ersten Woche rund 1.390 Verschreibungen in den USA, während Novo Nordisks orale Wegovy-Variante in der ersten Woche nach Launch etwa 3.071 Rezepte verzeichnete. Das berichtet "BioPharma Dive" unter Berufung auf Daten der Analysefirma IQVIA. Was zuerst wie ein Vorteil für Novo Nordisk wirkt, relativiert sich jedoch bei einem genaueren Blich auf die Zeiträume. So erzielte Eli Lilly die genannte Zahl laut RBC Capital Markets-Analyst Trung Hunyh innerhalb von nur zwei Tagen, da der Marktstart auf einen Donnerstag fiel, während sich die Anzahl der Verschreibungen bei dem Mittel von Novo Nordisk - mit Marktstart des Titels an einem Montag - auf eine ganze Woche bezogen hätten.
Die Verschreibungen der ersten Tage würden demnach laut Hunyh auf einen "stärkeren Marktstart" von Foundayo hinweisen, wobei die Zahlen im Laufe der ersten Woche "wahrscheinlich weiter steigen" dürften, so der Experte laut "BioPharma Dive". Letztlich sei der Marktstart von Foundayo jedoch erst dann positiv zu werten, wenn innerhalb des ersten Monats mindestens die Hälfe der Absatzzahlen von Novo Nordisks oralem Wegovy erreicht würden.
Kelonia-Deal: Eli Lilly baut strategische Tiefe außerhalb der Adipositas auf
Novo Nordisk-Rivale Eli Lilly arbeitet daneben weiter an seiner Diversifikationsstrategie. "Investing.com" zufolge befindet sich der Konzern in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Übernahme von Kelonia Therapeutics im Wert von mehr als zwei Milliarden US-Dollar.
Kelonia entwickelt neuartige CAR-T-Zelltherapien gegen Blutkrebs - ein Gebiet mit potenziell disruptivem Charakter, aber hohem Entwicklungsrisiko. Sollte der Deal zustande kommen, würde Lilly seine Präsenz im globalen Onkologie-Markt deutlich ausbauen und gleichzeitig die Abhängigkeit vom Adipositas-Segment reduzieren.
Auswirkungen auf die Novo Nordisk-Aktie
Der Börsengang von Kailera Therapeutics, der Launch-Vergleich zwischen Foundayo und oralem Wegovy sowie die mögliche Kelonia-Übernahme markieren zusammen einen strukturellen Wendepunkt im Markt für metabolische Therapien, der auch die Anleger nicht kalt lässt. So zeigte sich die Novo Nordisk-Aktie am Montag an der dänischen Börse zeitweise 1,25 Prozent tiefer bei 257,15 DKK. Die Eli Lilly-Aktie stieg am Freitag an der NYSE um 2,55 Prozent auf 927,03 US-Dollar, zeigt sich am Montag stabil (+0,04 Prozent auf 927,36 US-Dollar). Die Kailera-Aktie präsentiert sich nach ihrem spektakulären ersten Handelstag an der NASDAQ zeitweise mit einem Zuschlag von 6,65 Prozent auf 27,43 US-Dollar.
Während Novo Nordisk weiterhin über eine starke Ausgangsposition verfügt, verschiebt sich das Kräfteverhältnis offenbar immer mehr in Richtung eines dynamischeren Wettbewerbsumfelds mit mehr Kapital, mehr Plattformtechnologien und mehr Pipeline-Diversifikation. Für Anleger bedeutet das: Der Erfolg von Novo Nordisk hängt künftig weniger von einzelnen Blockbustern ab als von der Fähigkeit, Innovationstempo, Plattformstrategie und Pipeline-Breite mit der neuen Wettbewerbsdynamik Schritt halten zu lassen.
Carolin Ludwig, Julia Walter, Martina Köhler, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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Bildquellen: Novo Nordisk, JHVEPhoto / Shutterstock.com