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01.08.2020 23:09

Bilanzsaison weckt Hoffnung: Warum die Weltwirtschaft ein schnelles Comeback feiern sollte

Gewinne im Zahlenwirbel: Bilanzsaison weckt Hoffnung: Warum die Weltwirtschaft ein schnelles Comeback feiern sollte | Nachricht | finanzen.net
Gewinne im Zahlenwirbel
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Die Weltwirtschaft erlebt den stärksten Gewinneinbruch seit vielen Jahren. Die laufende Berichtssaison aber macht Hoffnung auf ein schnelles Comeback.
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€uro am Sonntag

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Unter normalen Umständen wären die Geschäftsergebnisse von Daimler ein Schocker: Fast 1,7 Milliarden Euro Verlust hat der Autokonzern operativ im zweiten Quartal eingefahren. Man habe "ein herausforderndes Quartal" durchstehen müssen, so Konzernchef Ola Källenius. Börsianer haben eine pragmatische Sichtweise auf das Zahlenwerk: Es hätte viel schlimmer kommen können, schließlich wurde die Weltwirtschaft durch den Corona-Lockdown in vielen Ländern hart ausgebremst. Die Konsenserwartung, also der Durchschnitt aller Analystenschätzungen, sah die Schwaben mit zwei Milliarden Euro deutlich tiefer im Minus.

Schlecht, aber besser als erwartet. Auf dieses Muster setzen Investoren in der Berichtssaison zum zweiten Quartal, nicht nur beim DAX, sondern auch in anderen Regionen der Welt.

Für den amerikanischen Aktienindex S & P 500 laufen Analystenschätzungen und die bereits veröffentlichten Ergebnisse laut Statistik des Datendiensts Factset auf einen Gewinnrückgang von 44 Prozent hinaus. Die Monate April bis Juni wären somit das schlechteste Quartal des wichtigsten US-Index seit 2008, als die Weltwirtschaft von der großen Finanzkrise erschüttert wurde. Gleichzeitig aber haben laut Bloomberg-Daten rund 80 Prozent der US-Unternehmen besser abgeschnitten als erwartet.

Deutliche Lebenszeichen

In Europa - hier wird ein Gewinneinbruch in Höhe von fast 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erwartet - haben bislang rund 60 Prozent die zuletzt stark gesunkenen Analystenschätzungen übertroffen. Aggregierte Zahlen für den DAX gibt es nicht, die ersten Meldungen aber bestätigen auch für Deutschland die großen Trends.

Einen besonders schweren Stand in der Corona-Krise hat die Industrie. Weil dort mit hohem Kosteneinsatz produziert wird, rutscht die Branche schnell in die roten Zahlen. Der Automobilzulieferer Continental verbrannte wegen der Pandemie laut den vom Konzern veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen innerhalb von drei Monaten knapp 1,8 Milliarden Euro. Beim Kunststoffhersteller Covestro fiel der Betriebsgewinn (Ebitda) um fast drei Viertel auf 125 Millionen Euro. Bei BASF - dort ist die Autoindustrie die wichtigste Kundengruppe - schrumpfte der operative Gewinn vor Sondereinflüssen um fast 80 Prozent auf 226 Millionen Euro. Die gute Nachricht: Auch bei diesen drei Konzernen waren die Ergebnisse nicht so schlimm wie befürchtet.

Keine Krise ohne Profiteure - vor allem im Technologiesektor haben viele Unternehmen durch die Pandemie zusätzliche Einnahmen verbuchen können. Im DAX gehört SAP zu den Gewinnern. Die Walldorfer konnten ihr Betriebsergebnis im zweiten Quartal um sieben Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro steigern. Er sei "sehr stolz darauf, dass unsere Teams das sehr schwierige Umfeld erfolgreich gemeistert" haben, lobte SAP-Chef Christian Klein seine Mannschaft.

Auch das Geschäft der Deutschen Post ist in der Pandemie gegen den großen Trend gewachsen. Der operative Gewinn (Ebit) stieg nach vorläufigen Zahlen im zweiten Quartal um 16 Prozent auf rund 890 Millionen Euro. Ein wichtiger Faktor dabei ist der deutlich wachsende Internethandel.

Die Rituale der Märkte

Die Berichtssaison folgt bestimmten Regeln und Ritualen: Im DAX veröffentlicht meist SAP, ein Spezialist unter anderem für Betriebswirtschaftssoftware, als erstes Unternehmen seine Resultate. Wichtiger als die Reihenfolge sind rechtliche Vorgaben: Liegt ein Unternehmen deutlich über oder auch unter der Analystenerwartung, müssen die Daten zügig veröffentlicht werden. Rund ein Drittel der DAX-Mitglieder hat darum bereits vorläufige Zahlen auf den Tisch gelegt. Allesamt hatten sie bessere Nachrichten zu vermelden als erwartet, darunter die Deutsche Bank, HeidelbergCement und die Munich Re.

In der Kalenderwoche 31 wird die Berichtssaison in Deutschland weiter Fahrt aufnehmen: Acht DAX-Konzerne wollen ihre detaillierten Quartalsberichte vorlegen, dazu gehören die Schwergewichte Linde und Volkswagen. In der ersten August-Woche folgen 15 weitere Indexmitglieder, also der halbe DAX. Den Schlusspunkt der Saison setzen zur Monatsmitte Deutsche Telekom, Deutsche Wohnen und RWE.

Während die Konzerngewinne des zweiten Quartals die Schlagzeilen liefern, werden Anleger auch sehr genau auf die nach vorn gerichteten Aussagen aus den Chefetagen achten. Eine Jahresprognose dürften die meisten Unternehmen mit Verweis auf die Pandemie auch jetzt nicht abgeben. "Hinzu kommen weitere Unsicherheiten wie zum Beispiel der wieder aufflammende Konflikt zwischen den USA und China. Gerade international ausgerichtete Konzerne tun sich somit schwer mit konkreten Prognosen", kalkuliert die Privatbank Merck Finck.

Schon dezente Hinweise aber können große Wirkung auf die Aktienkurse haben. Daimler beispielsweise erwartet für das laufende Quartal eine Erholung und bestätigt damit ein zentrales Argument der Börsenbullen: Das zweite Quartal soll der Tief- und Wendepunkt der historischen Wirtschaftskrise gewesen sein. Darauf deuten auch wichtige Konjunkturindikatoren hin. Der für Deutschland stark beachtete Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts hatte im Juni seinen stärksten jemals gemessen Anstieg verzeichnet, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus.

Agenda 2021

Den Fahrplan für das Comeback der Weltbörsen verdeutlichen die Schätzungen für den amerikanischen S & P 500: Analysten erwarten dort laut Factset auch für das dritte und vierte Quartal weiter sinkende Gewinne. Das Minus werde mit 24 beziehungsweise zwölf Prozent aber kleiner. Für das Gesamtjahr würde das auf einen Rückgang von 21 Prozent hinauslaufen. Die gute Nachricht: Ab 2021 soll es auf breiter Front dann wieder aufwärtsgehen. Für das kommende Jahr kalkulieren die Börsenprofis bei den großen US-Unternehmen mit einem Gewinnsprung von im Durchschnitt 28 Prozent.

Eine erfolgreiche Gewinnwende im nächsten Jahr würde das vergleichsweise hohe Bewertungsniveau vieler Aktien relativieren. Weil die Kurse bei fallenden Gewinnschätzungen stark gestiegen sind, ist der Markt nach klassischen Kennziffern teuer. Nimmt man die für das laufende Jahr erwarteten Konzerngewinne als Basis, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis etwa des DAX innerhalb weniger Wochen von unter zehn auf über 20 gestiegen. Blättert man aber zum nächsten Jahr und stellt die entsprechenden Gewinnschätzungen gegenüber, schrumpft die Kennziffer auf 15. Auch damit ist der DAX nicht billig, aber auch nicht extrem überteuert.


INVESTOR-INFO

Daimler

Krise birgt Chance

Das zweite Quartal war nicht so schlecht wie erwartet, der Absatz erholt sich. Bei Pkws und Vans hat Daimler in China die Einbrüche des ersten Quartals aufgeholt. Die Krise birgt eine Chance für die Stuttgarter: Das Kostenniveau ist seit Jahren viel zu hoch. Die Rezession liefert ein gewichtiges Argument, endlich umfangreiche Sparmaßnahmen durchzusetzen. Gelingt es, so hat die Aktie dank der starken Marke Potenzial. Wir stufen hoch.

Munich Re

Dividenden-Favorit

Das Coronavirus hat den DAX-Konzern im zweiten Quartal in der Rückversicherung mit Schäden von 700 Millionen Euro belastet. Der Nettogewinn sank um 40 Prozent auf 600 Millionen Euro, lag damit aber deutlich über den von Analysten einkalkulierten 404 Millionen. Ebenfalls wichtig: Der Konzern bekräftigte, "auch künftig eine für die Aktionäre attraktive Dividendenpolitik" zu verfolgen. Die Aktie bleibt einer der Top-Dividendenwerte.

SAP

Digitaler Versorger

Im von der Corona-Krise überschatteten zweiten Quartal steigerte SAP die operative Marge um 1,6 Prozentpunkte auf 28,9 Prozent. Da immer mehr Kunden die Dienste des auf Software zur Unternehmenssteuerung spezialisierten Konzerns als Abo über die Cloud nutzen, wandelt sich SAP von einem Lizenzverkäufer zu einem Versorger des digitalen Zeitalters. Die Geschäftsentwicklung wird dadurch kalkulierbarer, was auf Dauer höhere Bewertungskennziffern rechtfertigt.


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