28.06.2022 08:47

Alix-Studie - Chipmangel belastet Autoindustrie noch 2024

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Frankfurt (Reuters) - Eine Hiobsbotschaft für die Autoindustrie: Die mit der Corona-Pandemie 2020 ausgebrochene Knappheit an Halbleitern wird nach Einschätzung der Unternehmensberatung AlixPartners auch 2024 noch die Produktion bremsen.

Bisher gehen die Autobauer und großen Zulieferer davon aus, dass die massiven Lieferprobleme im Lauf dieses Jahres nachlassen und 2023 verschwinden. "Anders als viele andere Marktbeobachter gehen wir davon aus, dass der Chipmangel auch 2024 noch herrscht", sagte AlixPartners-Berater Fabian Piontek der Nachrichtenagentur Reuters zu einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

"Wer eine frühere Entspannung schon im kommenden Jahr erwartet, übersieht, dass der Bedarf an Chips pro Fahrzeug steigt." Elektroautos, deren Produktion in den nächsten Jahren deutlich steigt, bräuchten etwa zehn Mal soviele Chips wie Verbrennermodelle. Zudem investierten die Halbleiterproduzenten nicht in eine Erweiterung der Fertigung sogenannter analoger Chips wie sie die Autoindustrie dringend brauche, sondern entsprechend der hohen Nachfrage aus anderen Branchen vor allem in Mikrocontroller (MCU).

Der Halbleitermangel bremst seit vorigem Jahr die Automobilproduktion weltweit. Dadurch herrscht die für die Branche ungewöhnliche Lage, dass das Angebot an Neuwagen nicht mit der Nachfrage mithält. Das bleibt laut Experte Piontek vorerst noch so: "Die Automobilproduktion wird die Nachfrage erst 2025 wieder übersteigen." Die Chip-Krise, schwächere Nachfrage in Osteuropa wegen des Ukraine-Krieges und der Trend weg vom eigenen Auto hin zum Car-Sharing dämpfen der Studie zufolge die Erholung des europäischen Automarktes. Für 2022 sagen die Autoexperten einen Absatz von knapp 16 Millionen Autos voraus. "In Europa wird der Pkw-Absatz in den kommenden Jahren nicht mehr das Rekordhoch von vor der Corona-Pandemie von rund 20 Millionen Fahrzeugen erreichen, sondern sich bei 18 Millionen einpendeln", sagte Piontek.

Stärkster Wachstumsmarkt mit einem erwarteten Plus von sieben Prozent jährlich bleibe der größte Automarkt China. Hier stehen die deutschen Autobauer - Volkswagen neben General Motors als Marktführer im Volumensegment und BMW, Mercedes und Audi dominant bei teureren Premiumwagen - aber vor einem Problem. "Bei Elektroautos sind die deutschen Hersteller spät dran und können nur schwer Fuß fassen", sagte Piontek. Sie konkurrierten mit vielen lokalen Herstellern, die E-Autos bereits für weniger als 5000 Euro verkauften.

GEWINN-HÖHENFLUG - WIE LANGE NOCH?

Der Ausnahmezustand des knappen Neuwagen-Angebots bescherte den Autobauern einen kräftigen Gewinnanstieg, denn sie konnten bei starker Nachfrage höhere Preise durchsetzen. Die operative Umsatzrendite der 25 größten Automobilhersteller legte nach der Studie 2021 um gut zweieinhalb Prozentpunkte zum Vorjahr zu und übertraf damit den Zehnjahresschnitt von 10,3 Prozent. Autoanalysten gehen nach Berechnung von AlixPartners im Schnitt davon aus, dass sich der Gewinn der Branche weltweit von 2021 bis 2023 verdoppelt auf 89 Milliarden Dollar. Der Hochlauf von E-Autos und sinkende Kosten stünden hinter den Prognosen. Piontek sieht das skeptisch: "Um das zu erreichen, müsste das Absatzvolumen aber deutlich steigen und sehr profitabel sein." AlixPartners macht keine Renditeprognose, gibt aber zu bedenken, dass Aufwand und Kosten in der Produktion belasten und hohe Investitionen in E-Autos anstehen. Für die nächsten fünf Jahren seien weltweit gut 500 Milliarden und in Europa knapp 100 Milliarden Dollar angekündigt - etwa doppelt so viel wie vor zwei Jahren.

(Bericht von Ilona Wissenbach, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

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