Crash-Signale an der Börse: Was Anleger aus der Geschichte für turbulente Märkte lernen können
Hohe Bewertungen oder starke Kursschwankungen können Anleger verunsichern. Historische Daten zeigen jedoch, dass Warnsignale nur begrenzt beim richtigen Timing helfen.
- CAPE als langfristiger Bewertungsindikator, nicht als Crash-Timer
- Markt-Timing wegen eng beieinanderliegender starker und schwacher Börsentage schwierig
- Diversifikation und passende Asset Allocation als Umgang mit Marktschwankungen
Hohe Bewertungen sind ein Warnsignal, aber kein Crash-Timer
Ein häufig beachteter Indikator für die Bewertung des Aktienmarktes ist das sogenannte Shiller-CAPE. Dabei werden Aktienkurse nicht nur mit den Gewinnen eines einzelnen Zeitraums verglichen, sondern mit längerfristig geglätteten und inflationsbereinigten Unternehmensgewinnen. Dadurch sollen kurzfristige Schwankungen der Gewinne weniger stark ins Gewicht fallen.
Historische Untersuchungen von Oliver Bunn und Robert Shiller zeigen einen Zusammenhang zwischen der Bewertung anhand des CAPE und den langfristig folgenden Aktienrenditen. Hohe Bewertungen gingen in der Vergangenheit tendenziell mit niedrigeren langfristigen Renditen einher, während niedrige Bewertungen eher von höheren langfristigen Renditen gefolgt wurden. Entscheidend ist jedoch die zeitliche Dimension. Das CAPE eignet sich damit eher zur langfristigen Einordnung von Bewertungen als zur Bestimmung eines konkreten Zeitpunkts für einen Kursrückgang. Auch The Motley Fool weist darauf hin, dass hohe Bewertungen den Markt anfälliger für stärkere Korrekturen machen können, daraus aber kein verlässlicher Zeitpunkt für einen möglichen Einbruch abgeleitet werden kann.
Warum der richtige Ausstieg so schwer zu treffen ist
Selbst wenn Anleger Risiken frühzeitig erkennen, entsteht ein weiteres Problem: Wer vor einem möglichen Kursrückgang verkauft, muss nicht nur den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg finden, sondern anschließend auch rechtzeitig wieder investieren. Genau das ist historisch schwierig gewesen.
Der Vermögensverwalter Vanguard verweist darauf, dass besonders starke und besonders schwache Börsentage häufig nah beieinanderliegen. Wer während einer turbulenten Marktphase aussteigt, läuft deshalb Gefahr, nicht nur weitere Verluste zu vermeiden, sondern auch einen Teil einer anschließenden Erholung zu verpassen. Historische Marktentwicklungen zeigen zudem, dass Aktienmärkte zahlreiche politische, wirtschaftliche und geopolitische Belastungsphasen durchlaufen und sich anschließend wieder erholt haben. Vanguard betont zugleich ausdrücklich, dass vergangene Wertentwicklungen keine verlässliche Aussage über zukünftige Ergebnisse erlauben.
Panikverkäufe können langfristig zum Problem werden
Ein Kursrückgang kann dazu verleiten, Aktien zu verkaufen und das Kapital vorübergehend in liquide Mittel umzuschichten. Damit wird allerdings aus einem zwischenzeitlichen Buchverlust ein realisierter Verlust. Gleichzeitig besteht das Risiko, bei einer schnellen Erholung nicht mehr investiert zu sein.
Aus historischen Berechnungen von Vanguard geht hervor, dass Anleger, die nach schwachen Marktphasen vorübergehend in Cash wechselten, häufiger schlechter abschnitten als Anleger, die in einem ausgewogenen Portfolio investiert blieben. Mit zunehmender Dauer außerhalb des Marktes nahm dabei auch das Risiko einer schwächeren Wertentwicklung zu. Die Daten liefern keine Garantie für zukünftige Entwicklungen, verdeutlichen aber das Risiko, das mit dem Versuch verbunden ist, kurzfristige Marktbewegungen vorherzusagen.
Breite Streuung kann Turbulenzen abfedern
Auf mögliche Börsenturbulenzen zu reagieren bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, Aktien vollständig zu verkaufen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Risiken bereits bei der Zusammenstellung des Portfolios zu berücksichtigen. Eine breite Streuung über verschiedene Regionen und Branchen kann verhindern, dass die Entwicklung eines einzelnen Marktsegments das gesamte Depot bestimmt.
Vanguard sieht Diversifikation entsprechend als einen wichtigen Baustein für den Umgang mit volatilen Märkten. Sie kann Verluste zwar nicht verhindern und beseitigt auch das grundsätzliche Verlustrisiko einer Kapitalanlage nicht. Unterschiedlich entwickelte Anlagebereiche können jedoch dazu beitragen, Schwankungen des Gesamtportfolios abzumildern. Gleichzeitig sollte die Zusammensetzung des Portfolios zu Anlagehorizont und Risikotoleranz passen.
Historische Warnsignale richtig einordnen
Bewertungskennzahlen und andere Crash-Signale können Hinweise darauf liefern, wie ambitioniert ein Markt bewertet ist. Sie sind jedoch nicht mit einer verlässlichen Prognose für den nächsten Kurssturz gleichzusetzen. Die langfristige Forschung zum CAPE zeigt gerade diese Unterscheidung: Die Kennzahl besitzt Aussagekraft für langfristige Renditezusammenhänge, ein hoher Wert bedeutet aber nicht, dass unmittelbar eine Korrektur folgen muss.
Für langfristig orientierte Anleger ergibt sich daraus vor allem eine Frage der Strategie. Statt Entscheidungen allein von kurzfristigen Warnsignalen abhängig zu machen, sprechen die historischen Daten dafür, den eigenen Anlagehorizont, die Risikotragfähigkeit und die Diversifikation des Portfolios in den Mittelpunkt zu stellen. Marktphasen mit starken Schwankungen lassen sich damit nicht vermeiden. Das Risiko, durch einen schlecht getimten Ausstieg eine anschließende Erholung zu verpassen, lässt sich jedoch reduzieren.
Jonas Vogt, Redaktion finanzen.net
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