17.09.2021 10:06

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APA ots news: Internationale Lieferschwierigkeiten kosten Österreichs Wirtschaft bisher eine drei viertel Milliarde Euro

Österreich zur Jahresmitte aber weniger stark betroffen als

Deutschland

Wien (APA-ots) - Im Zuge der COVID-19-Pandemie kam es seit Jahresbeginn

zu einem sprunghaften Anstieg der globalen Nachfrage bei

gleichzeitigen Veränderungen der Nachfragestruktur. Dies führte

weltweit zu Lieferverzögerungen, Materialknappheiten und

Preissteigerungen von bestimmten Rohstoffen und Zwischenprodukten. In

der Folge können in der heimischen Industrie aktuell bestehende

Aufträge trotz vorhandener freier Kapazitäten nicht im gewünschten

Ausmaß abgearbeitet werden. Laut Schätzung der Oesterreichischen

Nationalbank (OeNB) dämpfen diese Effekte die österreichische

Wirtschaftsleistung im zweiten und dritten Quartal 2021 um rund eine

drei viertel Milliarde Euro. Deutschland ist von den aktuellen

Materialengpässen mehr als doppelt so stark betroffen wie Österreich.

Die Schwierigkeiten werden bis ins Jahr 2022 andauern, danach ist mit

Aufholeffekten zu rechnen.

Folgen der COVID-19-Pandemie führen zu weltweiten

Lieferschwierigkeiten

Meldungen über Lieferkettenstörungen, Materialengpässe sowie

steigende Rohstoff- und Transportpreise nahmen in den letzten Wochen

prominente Plätze in den Wirtschaftsnachrichten ein. Die Ursachen

dieser Phänomene sind mannigfaltig und reichen von (1)

Einzelereignissen wie die sechstägige Blockade des Suezkanals, Hafen-

und Produktionsstillegungen aufgrund von Infektionen und

witterungsbedingten Produktionsausfällen, (2) einem starken

Nachfrageanstieg nach Ende der zweiten COVID-19-Infektionswelle

(insbesondere eine starke Nachfrage nach einzelnen Rohstoffen, wie

Holz und Elektronikartikel, v. a. Halbleiter und Chips) und (3) einer

geografischen Fehlallokation von Containern, die zu einem Anstieg der

Kosten für einen 12-Meter-Container von unter 2.000 USD im Sommer

2020 auf über 10.000 USD im September 2021 geführt haben, bis hin zu

(4) einem möglicherweise neu aufkommenden Superzyklus von im Zuge der

Klimawende benötigten Rohstoffen wie Kupfer und Stahl für den Bau

neuer Infrastruktur oder Aluminium, Nickel, Lithium und Kobalt zur

Produktion von Elektrofahrzeugen. Während für Deutschland zuletzt

eine Vielzahl an Abschätzungen der Auswirkungen veröffentlicht

wurden, lagen vergleichbare Schätzungen für Österreich bislang nicht

vor.

Lieferengpässe dämpften österreichische Wirtschaftsleistung bislang

um eine drei viertel Milliarde Euro

Die OeNB hat die Auswirkungen der Lieferschwierigkeiten und

Angebotsverknappungen auf das Wirtschaftswachstum mit zwei Modellen

geschätzt. Das erste Modell basiert auf dem Zusammenhang zwischen

Auftragseingängen und Industrieproduktion, die sich in den letzten

Monaten deutlich auseinanderentwickelt haben. Das zweite Modell

verwendet Informationen aus Unternehmensumfragen zu

Materialknappheiten in der Sachgüterindustrie, die zuletzt markant

angestiegen sind.

Für Österreich zeigen die Berechnungen, dass die Wirtschaftsleistung

aufgrund der Lieferengpässe im zweiten Quartal 2021 um 0,3 bis 0,4

Prozentpunkte und im dritten Quartal um 0,2 Prozentpunkte gedämpft

worden ist. Absolut betrachtet summiert sich der Verlust im zweiten

und dritten Quartal auf rund eine drei viertel Milliarde Euro.

Effekte in Deutschland doppelt so stark wie in Österreich

Den Schätzungen zufolge sind die Auswirkungen der Materialengpässe in

Deutschland rund doppelt so stark wie jene in Österreich. Dies

erklärt sich durch unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb der

Industrie - primär die höhere Relevanz der Automobilbranche in

Deutschland, die besonders unter Engpässen bei Halbleitern leidet -

und durch die unterschiedliche Position der deutschen und

österreichischen Industrie innerhalb globaler Lieferketten. Während

die österreichischen Unternehmen in der Automobilbranche als

Zulieferer agieren, werden in Deutschland die Autos endgefertigt.

Kleinere Lieferausfälle und Verzögerungen in frühen Stufen der

Produktionskette entfalten oft starke Effekte an deren Ende. Darüber

hinaus könnten die stärkeren Effekte in Deutschland zum Teil auch

durch den in Deutschland stärker ausgeprägten Fachkräftemangel

bedingt sein.

Ausblick für das Jahr 2021

Wie der wöchentliche BIP-Indikator der OeNB von Anfang September

zeigt, schwankte das BIP im August um das Vorkrisenniveau und

entwickelte sich somit wie von der OeNB vor Sommerbeginn erwartet.

Somit bleibt die Konjunkturprognose der OeNB für 2021 aufrecht. Trotz

der dämpfenden Effekte der Lieferengpässe erwartet die OeNB eine

Zunahme der Wirtschaftsleistung Österreichs von rund 4 Prozent im

Vergleich zum Vorjahr. Sollten die weltweiten Lieferschwierigkeiten

nicht wie erwartet ab dem vierten Quartal 2021 abnehmen, würde dies

eine - wenn auch nur geringe - Abwärtsrevision der Prognose für das

Jahr 2021 zur Folge haben.

Aktuelle Ausarbeitung der OeNB zu den wirtschaftlichen Folgen der

COVID-19-Pandemie:

www.oenb.at/Publikationen/corona

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank

Dr. Christian Gutlederer

Pressesprecher

(+43-1) 404 20-6900

christian.gutlederer@oenb.at

www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER

INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

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