ASCS

Konkurrenzkampf im Logistik-Sektor - Kann Amazon für FedEx und UPS wirklich zur Gefahr werden?

17.05.26 16:20 Uhr

NASDAQ-Aktie Amazon greift NYSE-Titel FedEx und UPS an - aber wie groß ist die Gefahr wirklich? | finanzen.net

Amazon hat angekündigt, seine neue Plattform "Amazon Supply Chain Services" (ASCS) für externe Unternehmenskunden zu öffnen. Für FedEx und UPS ein Grund zur Sorge?

Werte in diesem Artikel

• Amazon erweitert sein Geschäftsmodell und öffnet sein Logistiknetzwerk für andere Unternehmen
• Logistik-Markt wurde bislang von FedEx und UPS dominiert
• Experten sehen große Herausforderungen für Amazon

Amazon bringt seine über Jahre aufgebaute Logistikinfrastruktur nun direkt gegen etablierte Paket- und Frachtkonzerne in Stellung. Konzernangeben zufolge richtet sich Amazon Supply Chain Services nun nicht mehr nur an Händler auf dem eigenen Marktplatz. Künftig sollen auch Unternehmen aus Bereichen wie Gesundheitswesen, Industrie, Einzelhandel oder Automobilbranche die Infrastruktur des Konzerns nutzen können. Dazu gehören Lagerhaltung, Transport, Zollabwicklung, Frachtmanagement und Zustellung auf der letzten Meile. Zu den ersten Kunden zählen unter anderem Procter & Gamble, American Eagle Outfitters und 3M.

Amazon setzt auf das bekannte AWS-Muster

Amazons Logistik-Pläne weisen Parallelen zur Entwicklung von Amazon Web Services auf. MarketWatch etwa schreibt, Analyst Colin Sebastian sehe in ASCS ein mögliches "AWS of Logistics". Der Baird-Analyst glaube daher, dass sich das Projekt zu einem 25-Milliarden-Dollar-Geschäft entwickeln könnte.

Auch 24/7 Wall St. beschreibt die Strategie als typisches Amazon-Muster: Der Konzern entwickle zunächst Infrastruktur für das eigene Geschäft und öffne diese anschließend für externe Kunden. Ähnliche Schritte habe es zuvor bereits bei Cloud-Diensten, Krediten für Händler und im Arzneimittelvertrieb gegeben. Ob sich die Logistik jedoch ähnlich disruptiv entwickeln wird wie AWS, bleibt offen.

Warum die Konkurrenz nervös reagiert

Die neue Offensive trifft jedenfalls einen sensiblen Punkt. Amazon war über Jahre selbst ein bedeutender Kunde von FedEx und UPS. Nun wird der Konzern zum direkten Wettbewerber.

24/7 Wall St. verweist darauf, dass Amazon inzwischen auf eine hohe Netzdichte und enorme Kapazitäten zurückgreifen kann. Das könne dem Unternehmen ermöglichen, Preise günstiger zu gestalten als die Konkurrenz. Zudem genieße Amazon bei vielen Unternehmenskunden bereits Vertrauen durch das Cloudgeschäft AWS.

UPS hat die Risiken bereits thematisiert. Laut 24/7 Wall St. sagte CEO Carol Tomé, dass "nach Abschluss des Auslaufs des Amazon-Geschäfts das Jahr 2026 einen Wendepunkt darstellen wird". Der Konzern habe bereits rund 48.000 Stellen gestrichen und 93 Standorte geschlossen.

Es gibt auch Zweifel am Amazon-Modell

Doch trotz dieser Eskalation im Wettbewerb mit den bisherigen Marktführern sehen Analysten die Lage nicht eindeutig. MarketWatch zitiert den William-Blair-Analysten Dylan Carden mit Zweifeln daran, ob Amazon tatsächlich schnell große Marktanteile gewinnen kann. Er wies darauf hin, dass ein früheres, ähnliches Angebot namens "Supply Chain by Amazon", das bereits 2023 gestartet wurde, bislang keine breite Akzeptanz gefunden habe.

Auch 24/7 Wall St. verweist auf strukturelle Vorteile der etablierten Anbieter. FedEx und UPS verfügten über jahrzehntelang gewachsene Kundenbeziehungen sowie maßgeschneiderte Integrationen mit Unternehmenskunden, die sich nicht einfach ersetzen ließen. Zudem seien internationale Luftfrachtnetzwerke wie FedEx Express oder UPS Worldport extrem kapitalintensiv und schwer zu kopieren.

Hinzu kommt ein möglicher Interessenkonflikt: Viele Unternehmen könnten laut 24/7 Wall St. davor zurückschrecken, ihre gesamte Lieferkette einem direkten Wettbewerber im Onlinehandel anzuvertrauen. Das habe sich bereits in anderen Bereichen wie Amazon Pharmacy gezeigt.

Was das für Privatanleger bedeutet

Für Anleger dürfte die Entwicklung vor allem eines zeigen: Der Wettbewerb im Logistiksektor verschärft sich deutlich. Entscheidend wird laut 24/7 Wall St. für FedEx oder UPS sein, ob größere Unternehmenskunden tatsächlich Verträge zu Amazon verlagern und wie die etablierten Anbieter auf den Preisdruck reagieren. Bei Amazon wiederum wird relevant sein, ob sich aus dem neuen Angebot ein profitables Zusatzgeschäft entwickelt oder ob hohe Investitionen zunächst die Margen belasten.

Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net

In eigener Sache

Übrigens: 3M und andere US-Aktien sind bei finanzen.net ZERO sogar bis 23 Uhr handelbar (ohne Ordergebühren, zzgl. Spreads). Jetzt kostenlos Depot eröffnen und Neukunden-Bonus sichern!

Bildquellen: Joe Ravi / Shutterstock.com, Ken Wolter / Shutterstock.com

Nachrichten zu Amazon

Analysen zu Amazon

DatumRatingAnalyst
27.05.2026Amazon BuyUBS AG
04.05.2026Amazon KaufenDZ BANK
04.05.2026Amazon BuyJefferies & Company Inc.
30.04.2026Amazon BuyUBS AG
30.04.2026Amazon BuyUBS AG
DatumRatingAnalyst
27.05.2026Amazon BuyUBS AG
04.05.2026Amazon KaufenDZ BANK
04.05.2026Amazon BuyJefferies & Company Inc.
30.04.2026Amazon BuyUBS AG
30.04.2026Amazon BuyUBS AG
DatumRatingAnalyst
26.09.2018Amazon HoldMorningstar
30.07.2018Amazon neutralJMP Securities LLC
13.06.2018Amazon HoldMorningstar
02.05.2018Amazon HoldMorningstar
02.02.2018Amazon neutralJMP Securities LLC
DatumRatingAnalyst
11.04.2017Whole Foods Market SellStandpoint Research
23.03.2017Whole Foods Market SellUBS AG
14.08.2015Whole Foods Market SellPivotal Research Group
04.02.2009Amazon.com sellStanford Financial Group, Inc.
26.11.2008Amazon.com ErsteinschätzungStanford Financial Group, Inc.

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Amazon nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen