28.02.2018 14:20
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Bayer trennt sich für Monsanto komplett vom eigenen Saatgut

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Von Olaf Ridder

LEVERKUSEN (Dow Jones)--Um die 62,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto bei den Wettbewerbsbehörden durchzubringen, trennt sich Bayer faktisch komplett vom eigenen Saatgutgeschäft. Cropscience-Chef Liam Condon sagte auf der Bilanzpressekonferenz, dafür behalte Bayer den Pflanzenschutz, der 90 Prozent des Umsatzes der Agrarsparte ausmache.

Bayer hatte zuletzt auch noch den Verkauf der Gemüsesaaten angeboten, die in den Niederlanden unter der Marke Nunhems geführt werden, wie das Unternehmen jetzt bestätigte. Das Geschäft habe zuletzt ein Umsatzvolumen von 430 Millionen Euro gehabt, sagte Condon. Nach seinen Worten gab es großes Interesse an dem Geschäft bei Konkurrenten aber auch bei Finanzinvestoren.

Codon machte deutlich, dass das Gemüsesaaten-Geschäft als Ganzes verkauft wird. Die Kommission betrachte es als eigenständiges, zusammenhängendes Geschäft, von dem sich Bayer komplett trennen müsse.

Zu einem möglichen Käufer machte er keine Angaben. Reuters hatte jüngst aus Insiderkreisen erfahren, dass BASF möglicherweise auch hier den Zuschlag bekommt. Die Konkurrenten aus Ludwigshafen haben sich bereits im vergangenen Herbst ein großes Paket aus dem Agrargeschäft mit einem Umsatzvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro gesichert.

Nimmt man beide Pakete zusammen, so opfert Bayer gut 1,7 Milliarden Euro Umsatz, um den Monsanto-Deal umzusetzen. Im Kaufvertrag mit dem Konzern aus St. Louis hatte sich Bayer die Option einräumen lassen, ab einer Umsatzsumme von 1,6 Milliarden Euro aus dem Deal aussteigen zu können. Allerdings hätten die Leverkusener dann 2 Milliarden Euro Vertragsstrafe in die USA überweisen müssen.

Bayer rechnet mit grünem Licht aus Brüssel

Bayer geht davon aus, die Bedenken der EU-Kommission komplett ausgeräumt zu haben. Die gab es auch mit Blick auf das Digitalgeschäft. Brüssel fürchtet, dass der Wettbewerb in diesem noch jungen, aber zukunftsträchtigen Geschäft leiden könnte, bei dem Bayer Landwirte über eine App und Daten aus der Cloud gezielt bei ihren Anbauentscheidungen unterstützt. Hier habe Bayer der Kommission "eine sehr vernünftige Lösung" angeboten. Ob die EU sie akzeptiert, will sie bis zum 5. April entscheiden.

Bei der Finanzierung des Deals spielte Bayer die gute Entwicklung der einstigen Kunststofftochter Covestro in die Hände. Seit dem vergangenen März wurde die von 64 auf gut 14 Prozent reduziert. Dabei erlöste Bayer bislang 6,5 Milliarden Euro - 4 Milliarden mehr als eingeplant, wie Finanzvorstand Johannes Dietsch sagte. Ab April könnte Bayer weitere Aktien veräußern. Allerdings wird ein Teil davon - etwa 6,5 Prozent - gebraucht, um eine Wandelanleihe zu bedienen.

Die Aktienverkäufe haben dazu beigetragen, dass Bayer seine Nettoverschuldung binnen Jahresfrist bis auf 3,6 Milliarden Euro drücken konnte. "Damit sind wir gut für die anstehenden Finanzierungsaktivitäten gerüstet", sagte Finanzchef Dietsch. Für 2018 rechnet er sogar mit dem Aufbau einer Nettoliquidität.

Unklar ist noch, wie groß die Kapitalerhöhung ausfallen wird, die als Eigenkapitalanteil bei der Monsanto-Finanzierung benötigt wird. Dietsch will zwar auch einen Teil der unerwarteten Mehreinnahmen bei Covestro nutzen, dies soll aber in Abwägung mit der erwarteten Entwicklung im operativen Geschäft geschehen, das gegenwärtig unter dem starken Euro leidet. Der Finanzchef will dabei das Investment-Grade-Rating des Konzerns nicht gefährden.

Wann die Kapitalerhöhung kommt, hängt davon ab, wann Bayer von den maßgeblichen Wettbewerbsbehörden in Brüssel und Washington in hinreichender Weise signalisiert bekommt, dass der Deal genehmigt wird. In Europa sei der Genehmigungsprozess derzeit weiter als in den USA, sagte Konzernchef Werner Baumann. Reuters meldete am Mittwochmittag aus Insiderkreisen, in Brüssel sei die Genehmigung inzwischen sicher.

Kontakt zum Autor: olaf.ridder@wsj.com

DJG/rio/bam

(END) Dow Jones Newswires

February 28, 2018 08:21 ET (13:21 GMT)

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