Japan Petroleum-Aktie sackt nach Gewinnwarnung ab - Papiere von Exxon, Chevron & Co. im Fokus

Steigende LNG-Kosten, gestoppte Förderprojekte im Irak und neue Risiken im Persischen Golf treffen einen der wichtigsten unabhängigen Energieproduzenten Japans.
Werte in diesem Artikel
• Japan Petroleum warnt vor Gewinnbelastungen
• Höhere Kosten durch ungeplante LNG-Spotkäufe und Produktionsunterbrechung
• Hohe Ölpreise und schwacher Yen können Belastungen wohl nicht ausgleichen
Mitten in einer ohnehin angespannten Lage an den globalen Energiemärkten hat Japan Petroleum Exploration eine deutliche Ergebnisbelastung in Aussicht gestellt. Hintergrund sind die weiter eskalierenden Spannungen im Nahen Osten, die Lieferketten unterbrechen, Beschaffungskosten erhöhen und Förderaktivitäten beeinträchtigen. Besonders betroffen sind LNG-Lieferungen aus der Golfregion, die kurzfristig durch teurere Spotkäufe ersetzt werden mussten, was laut Unternehmensangaben die Margen merklich unter Druck setzt.
LNG als Kostenfalle im Krisenumfeld
Besonders gravierend ist für Japan Petroleum Exploration derzeit die Lage am Markt für Flüssigerdgas. Nach eigenen Angaben beschafft das Unternehmen normalerweise Flüssigerdgas (LNG), das als Rohstoff für die Erdgasversorgung und als Brennstoff für die Stromerzeugung im Erdgaskraftwerk Fukushima genutzt wird, über Rahmenverträge und andere Vereinbarungen. Aufgrund der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus musste Japan Petroleum für zwei ursprünglich im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 geplante LNG-Lieferungen aus dem Persischen Golf Ersatzlieferungen auf Spotbasis aus anderen Fördergebieten beziehen. "Infolgedessen werden die Beschaffungskosten für das betreffende LNG voraussichtlich deutlich gegenüber dem Niveau vor der Eskalation der Spannungen im Nahen Osten steigen", heißt es in einer Pressemitteilung.
Produktionsstopp im Irak trifft die Förderseite
Parallel zu den steigenden Importkosten verliert das Unternehmen auch Einnahmen auf der Förderseite. Am Garraf-Ölfeld im Irak, an dem Japan Petroleum durch eine konsolidierte Tochtergesellschaft beteiligt ists, wurde die Produktion und Lieferungen aufgrund einer Erklärung höherer Gewalt durch die irakische Regierung ausgesetzt. Ein Termin für die Wiederaufnahme der Förderung ist derzeit nicht absehbar. Daher könne man derzeit keine Einnahmen aus dem Projekt erwarten, so das Unternehmen.
Höhere Ölpreise können Ausfälle wohl nicht kompensieren
Zwar würden die durch den Nahostkonflikt kräftig gestiegen Ölpreise und die aktuelle Yen-Schwäche zu höheren Einnahmen und Gewinnen beitragen, doch könnten die höhere Kosten durch die ungeplanten Spotkäufe und die Produktionsunterbrechung im Garraf-Ölfeld dennoch einen deutlichen Gewinnrückgang verursachen, warnt Japan Petroleum.
Derzeit würden die finanziellen Auswirkungen dieser Faktoren und ihre Auswirkungen auf die Gewinnprognose jedoch noch untersucht, neue Informationen will das Unternehmen am 13. Mai veröffentlichen.
An der Börse reagierten Investoren jedoch bereits jetzt mit Verkäufen: Die Aktie von Japan Petroleum Exploration sackte am Montag in Tokio um 7,67 Prozent auf 2.168 JPY ab.
Signalwirkung über Japan Petroleum hinaus
Der Fall von Japan Petroleum Exploration zeigt exemplarisch, wie sensibel selbst etablierte Energieunternehmen auf geopolitische Verwerfungen reagieren. Während viele Investoren steigende Rohölpreise reflexartig als Gewinnmotor für Förderunternehmen interpretieren, offenbart die aktuelle Entwicklung ein differenzierteres Bild: In integrierten Geschäftsmodellen können dieselben Krisen gleichzeitig Kosten erhöhen, Produktion stoppen und Lieferketten destabilisieren.
Die jüngste Warnung ist deshalb weniger als isoliertes Unternehmensproblem zu verstehen, sondern als Indikator für eine Phase erhöhter Unsicherheit auf den globalen Energiemärkten. Daher dürften am Montag auch die Aktien von Shell, BP, Chevron und Exxon Mobil in das Blickfeld der Investoren rücken. Auch Exxon hatte bereits einen schwächeren Gewinn trotz hoher Ölpreise signalisiert.
Große Ölkonzerne investieren wegen Iran-Unruhen in weit entfernte Bohrstellen
Exxon Mobil, Chevron und andere Energieunternehmen beschleunigen ihre Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen - weit entfernt von den Gefahren des Krieges im Nahen Osten.
Exxon hat kürzlich einen möglichen Plan skizziert, bis zu 24 Milliarden US-Dollar in die Tiefsee-Ölfelder Nigerias zu pumpen. Chevron baut derweil seine Präsenz in Venezuela aus. BP hat Anteile an Ölfeldern vor der Küste Namibias erworben. TotalEnergies hat ein Explorationsabkommen mit der Türkei unterzeichnet. Große Ölkonzerne könnten in den kommenden Jahren gemeinsam einen Wert von 120 Milliarden Dollar aus ihren Explorationsprojekten schaffen. Dies hat das Energieforschungs- und Beratungsunternehmen Wood Mackenzie am Donnerstag geschätzt.
Die Angriffe im Iran auf die Energieinfrastruktur sowie ein Schifffahrtsengpass in der Golfregion haben einen weltweiten Wettlauf um Öl ausgelöst. Zudem haben sie einige westliche Ölkonzerne Milliarden Dollar an Umsatz gekostet. Der Anstieg der Energiepreise beschert der Ölindustrie jedoch einen Geldsegen. Dieser dürfte ihr helfen, in Gebiete vorzudringen, die zuvor unerreichbar waren oder vor Jahren aufgegeben wurden. Dies erfolgt, nachdem viele Bohrunternehmen ihre Ausgaben für die Exploration gekürzt hatten, um den Aktionären mehr Barmittel zurückzugeben.
Exxon hat in der vergangenen Woche einen Schritt in Richtung Bohrungen vor der griechischen Küste unternommen. In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen vorläufige Explorationsvereinbarungen mit dem Irak, der Türkei und Gabun unterzeichnet. In Trinidad und Tobago führt Exxon seismische Untersuchungen durch, um in den tiefen Gewässern des Landes nach Öl und Gas zu suchen.
Chevron plant noch in diesem Jahr Explorationsarbeiten vor Ägypten im Mittelmeer und hat kürzlich bedeutende Ölfunde im Golf von Mexiko bestätigt. Anfang dieses Jahres erhielt das Unternehmen vier Offshore-Konzessionen nahe Griechenland sowie einen Block in Libyen.
Aktien im Fokus
Die Aktien von BP und Shell zeigten sich in London vor dem Wochenende zuletzt 7,36 Prozent schwächer bei 5,41 Pfund beziehungsweise 5,57 Prozent leichter bei 31,96 Pfund, während Exxon Mobil-Aktien den Freitagshandel an der NYSE bei 146,44 US-Dollar um 3,65 Prozent tiefer beendet hatten und Chevron-Papiere bei 185,24 US-Dollar mit einem Abschlag von 2,21 Prozent aus dem Handel gegangen waren.
In der neuen Handelswoche geht es für die Energieunternehmen aufwärts: BP legt zeitweise um 3,09 Prozent zu auf 5,58 Pfund, während Shell 2,39 Prozent auf 32,73 Pfund gewinnt. Exxon Mobil-Aktien legen im NYSE-Handel zeitweise 1,69 Prozent auf 148,91 US-Dollar zu, während Chevron 0,69 Prozent auf 184,41 US-Dollar gewinnen.
Carolin Ludwig, Julia Walter, Martina Köhler, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net mit Material von Dow Jones Newswires
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