Bilanz präsentiert

Netflix-Aktie nach Bilanzvorlage von Gewinnausblick stark belastet - Mitgründer Hastings geht

17.04.26 22:03 Uhr

Netflix-Aktie bricht an der NASDAQ wegen enttäuschter Gewinnprognose ein | finanzen.net

Der Streaming-Marktführer Netflix hat am Donnerstag die mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen für das erste Quartal präsentiert. So fiel die Bilanz aus.

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Beim Gewinn je Aktie (EPS) verzeichnete das Unternehmen einen Wert von 1,23 US-Dollar. Damit schlug der Konzern die durchschnittlichen Analystenschätzungen, die im Vorfeld bei 0,762 US-Dollar je Aktie gelegen hatten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem Netflix noch einen Gewinn von 0,660 US-Dollar je Aktie eingenommen hatte, steigerte sich das Ergebnis somit.

Beim Umsatz übertraf der Konzern die Markterwartungen der Experten. Während die Analysten im Schnitt mit Erlösen in Höhe von 12,18 Milliarden US-Dollar gerechnet hatten, belief sich der tatsächliche Umsatz im abgelaufenen Jahresviertel auf 12,25 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, als noch 10,38 Milliarden US-Dollar in den Büchern standen, entspricht dies einer Steigerung. Damit erfüllte Netflix das prognostizierte Wachstumsziel der Experten.

Mit Blick auf das gesamte Fiskaljahr bleiben die Prognosen der Marktbeobachter weiterhin ein wichtiger Gradmesser für die Anleger. Für das laufende Jahr rechnen Analysten derzeit mit einem durchschnittlichen Gewinn je Aktie von 3,19 US-Dollar, nachdem im Vorjahr 2,53 US-Dollar je Aktie erzielt worden waren. Beim Jahresumsatz gehen 48 Analysten derweil von einem Anstieg auf durchschnittlich 51,35 Milliarden US-Dollar aus, was ein deutliches Plus im Vergleich zu den 45,27 Milliarden US-Dollar des Vorjahres bedeuten würde.

Netflix: Mehr KI bei Produktion von Filmen und Serien

Netflix geht davon aus, bei der Produktion von Filmen und Serien künftig mehr Künstliche Intelligenz einzusetzen. KI werde zwar nichts daran ändern, dass es großartige Künstler brauche, um großartige Kunst zu machen, sagte Co-Chef Ted Sarandos nach Vorlage frischer Quartalszahlen. Aber die Technologie könne diesen Künstlern bessere Werkzeuge bieten, um ihre Visionen zu verwirklichen.

Schon heute werde KI-Software bei Netflix unter anderem bei der Planung von Aufnahmen und für Spezialeffekte eingesetzt - aber man kratze dabei nur an der Oberfläche, betonte Sarandos. Netflix hatte Anfang März die von Hollywood-Star Ben Affleck gegründete Firma InterPositive gekauft, die auf KI-Werkzeuge für Filmemacher spezialisiert ist. Außerdem kommt Künstliche Intelligenz inzwischen auch bei den Programm-Empfehlungen zum Einsatz, die Nutzer auf der Netflix-Plattform zu sehen bekommen.

Der Einsatz von KI ist gerade ein heißes Thema in Hollywood. Studios sehen großes Potenzial für Kosteneinsparungen, Kreative fürchten, dass Menschen nach und nach aus dem Geschäft herausgedrängt werden könnten.

Gewinnprognose enttäuscht Wall Street

Im vergangenen Quartal hatte Netflix die Entscheidung getroffen, den rund 83 Milliarden Dollar schweren Übernahmeplan für das Studio- und Streaming-Geschäft des Hollywood-Urgesteins Warner Brothers aufzugeben. Grund war, dass der Rivale Paramount mehr als 110 Milliarden Dollar für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery samt der Fernsehsender wie etwa CNN bot. Netflix gab sich geschlagen statt nachzulegen. Sarandos sieht das als Zeichen dafür, dass Netflix diszipliniert bei den Ausgaben ist.

An der Wall Street wurde davon ausgegangen, dass der Verzicht auf die Warner-Übernahme die Finanzen von Netflix erheblich entlasten werde. Analysten rechneten für das laufende Quartal im Schnitt mit einer Gewinnprognose von 84 US-Cent pro Aktie. Netflix stellte jedoch lediglich 78 Cent Gewinn pro Aktie in Aussicht.

Auch das starke Abschneiden im vergangenen Vierteljahr zählte wenig. Da steigerte Netflix den Umsatz im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar (10,4 Mrd Euro). Unterm Strich stieg der Gewinn um fast 83 Prozent auf 5,28 Milliarden Dollar. Pro Aktie gerechnet verdiente Netflix 1,23 Dollar - und übertraf damit deutlich die durchschnittliche Analystenprognose von 76 Cent pro Aktie. Nutzerzahlen veröffentlicht Netflix nur noch gelegentlich.

Langjähriger Chef verlässt Verwaltungsrat

Bei der Vorlage der Quartalszahlen gab Netflix auch bekannt, dass der Mitgründer und langjährige Chef Reed Hastings den Verwaltungsrat verlassen werde. Der 65-Jährige werde sich bei Ablauf seines Mandats im Juni nicht mehr zur Wiederwahl stellen, hieß es. Vom Chefposten bei Netflix hatte sich Hastings bereits vor mehreren Jahren verabschiedet und bestimmte danach nur noch vom Aufsichtsgremium aus die Strategie mit. Sarandos betonte nach einer entsprechenden Analystenfrage, Hastings Abgang gehe nicht auf Differenzen rund um die Warner-Übernahmepläne zurück.

So bewegt sich die Netflix-Aktie

Eine enttäuschende Gewinnprognose hat die Aktien von Netflix am Freitag stark unter Druck gesetzt. Im NASDAQ-Handel brach die Netflix-Aktie letztlich um 9,72 Prozent auf 97,31 US-Dollar ein. Seit Ende Februar waren sie bis zum Handelsschluss am Donnerstag um mehr als 40 Prozent gestiegen, seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 15 Prozent zu Buche. Vom Rekordhoch Ende Juni vergangenen Jahres bei 134,12 US-Dollar sind die Netflix-Aktien aber dennoch ein Fünftel entfernt.

Netflix stellte für das laufende Quartal lediglich einen operativen Gewinn von 79 US-Cent je Aktie in Aussicht, während Analysten im Schnitt mit einer Prognose von 84 Cent gerechnet hatten. Nachdem sich Netflix aus dem Bieterkampf um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers zurückgezogen hatte, hätten einige Investoren auf größere Aktienrückkäufe und ein höheres Margenziel im Gesamtjahr gehofft, schrieb Citigroup-Analyst Jason Bazinet. Stattdessen habe Netflix die Jahresprognose beibehalten, keine Änderung an der Strategie zur Nutzung der Finanzmittel signalisiert und obendrein mit dem Ausblick aufs laufende Quartal enttäuscht.

Aus Sicht von Markus Leistner von der DZ Bank wiegt außerdem der Abschied des Mitgründers und Verwaltungsratsvorsitzenden Reed Hastings schwer. Der 65-Jährige will sich nach Ablauf seines Mandats im Juni nicht mehr zu Wiederwahl stellen. Damit werde das Ende einer 29-jährigen Ära eingeläutet, kommentierte Leistner. Er lobte allerdings die Zahlen zum abgelaufenen Quartal. Netflix habe mit einem hohen Gewinn überzeugt, auch die Anhebung der Prognose für den freien Barmittelzufluss sei positiv. Ein deutlicher Kursrückgang sei daher eine Einstiegschance.

JPMorgan-Experte Doug Anmuth sprach ebenfalls von einer Kaufgelegenheit angesichts der Kursschwäche. Sein positiver Blick auf Netflix habe sich nicht geändert. Zwar könne er die Enttäuschung wegen der unveränderten Prognose für 2026 verstehen, allerdings sei der Jahresauftakt stark gewesen. Auch bei James Heaney vom Analysehaus Jefferies schrillen in der Folge nicht die Alarmglocken. Nach dem zuletzt guten Lauf der Netflix-Aktie seien die Erwartungen unter anderem an die Marge übertrieben optimistisch gewesen. Fundamental habe sich die Situation für den Streaming-Riesen nicht verschlechtert.

Barclays-Analyst Kannan Venkateshwar warnte jedoch, dass das Risiko zu hoher Erwartungen an Netflix mehr als nur ein kurzfristiges Problem sein könnte. Seit sich das Unternehmen nur noch gelegentlich zu konkreten Abonnentenzahlen äußere, sei die Beurteilung ohnehin schwieriger geworden. Venkateshwar zeigte sich zudem von der Umsatzprognose fürs laufende Quartal irritiert. Ein etwas langsameres Wachstum sei mit Blick auf die jüngsten Preiserhöhungen etwas überraschend - zumal Netflix im Auftaktquartal im asiatisch-pazifischen Markt stark zugelegt habe.

Benedict Kurschat, Claudia Stephan, Martina Köhler, Melanie Schürmann, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

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Bildquellen: Netflix, XanderSt / Shutterstock.com

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