Tesla-Werk in Grünheide steht still - Möglicher Anschlag auf Stromnetz

05.03.24 17:07 Uhr

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Frankfurt (Reuters) - Ein mutmaßlicher Brandanschlag von Umweltschützern auf die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide legt die Fabrik für mehrere Tage lahm.

"Wir rechnen nicht damit, dass wir die Produktion in dieser Woche wieder hochfahren können", sagte Werkleiter Andre Thierig am Dienstag. "Wir sind tief besorgt darüber, was hier passiert ist." Ein Brand an einem Hochspannungsmast in der Nähe des Werks in Brandenburg hatte am Morgen die Stromzufuhr unterbrochen. Eine Gruppe von Umweltaktivisten bekannte sich zu dem Sabotageakt, die Polizei ermittelt. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) verurteilte die Tat: "Ein solcher Anschlag auf unsere Strominfrastruktur ist eine schwere Straftat, die durch nichts zu rechtfertigen ist."

Die Tat zeige eine enorme kriminelle Energie, ergänzte sie. Politische Motive müssten in den jetzt laufenden Ermittlungen geprüft werden. Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) kündigte Konsequenzen an: "Sollten sich die ersten Erkenntnisse bestätigen, handelt es sich um einen perfiden Anschlag auf unsere Strominfrastruktur." Es seien Tausende von Menschen von der Grundversorgung abgeschnitten. Der Chef des US-Elektroautobauers, Elon Musk, schrieb auf seinem Kurznachrichtendienst X: "Dies sind entweder die dümmsten Öko-Terroristen der Welt oder sie sind Marionetten derjenigen, die keine guten Umweltziele haben."

In einem Schreiben im Internet bekannte sich die "Vulkangruppe Tesla abschalten!" zu der Tat. Die Polizei prüft den Text auf Echtheit. Der Verfassungsschutz Brandenburg stuft die Organisation als linksextremistisch ein. Sie hatte sich auch zu einem 2021 verübten Anschlag auf überirdisch verlegte Hochspannungskabel zur Baustelle der Tesla-Fabrik bekannt.

In den frühen Morgenstunden hatte es bei der örtlichen Polizei erste Hinweise auf ein Feuer an einem Hochspannungsmast gegeben: Um 05.15 Uhr sei ein Anruf über einen brennenden Strommast in Gosen-Neu Zittau eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Der Ortsteil befindet sich rund zehn Kilometer von der Gigafactory von Tesla entfernt. Es sei in mehreren Ortsteilen zu Stromausfällen gekommen. Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten das Feuer gelöscht. Der Stromversorger E.ON erklärte, die Schadenstelle sei gesichert, eine Reparatur werde vorbereitet.

SCHADEN IN MILLIONEN-HÖHE

Den wirtschaftlichen Schaden bezifferte Werkleiter Thierig in einer eigens einberufenen Pressekonferenz auf einen neunstelligen Euro-Betrag. Pro Tag könne das Unternehmen nun mehr als 1000 Fahrzeuge nicht produzieren.

Der Vorfall ist ein weiterer Rückschlag für das Unternehmen von Milliardär Musk in Europa. Tesla steht seit dem Bau des Werks, das 2022 eröffnet wurde, in der Kritik von Anwohnern, Gewerkschaften und Umweltschützern. Die IG Metall bemängelt etwa die Arbeitsbedingungen, Bürger und Umweltschützer prangern den ökologischen Schaden durch die Fabrik an. Vor zwei Wochen hatten sich Anwohner in einer Bürgerbefragung mehrheitlich gegen Erweiterungspläne für das Tesla-Werk ausgesprochen. Naturschützer und Bürgerinitiativen sind gegen die Erweiterung, auch weil ein Teil des Geländes im Wasserschutzgebiet liegt.

Die Aktivisten von Robin Wood, die unter anderem mit einer Waldbesetzung in der Nähe von Grünheide gegen die Tesla-Fabrik demonstrieren, wiesen eine Beteiligung an der Aktion zurück. Der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg bezeichnete den Vorfall als Mitglied des Bündnisses "Tesla den Hahn abdrehen" als schädlich für die Anliegen der verschiedenen Initiativen. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte, dass mehrere rote Linien überschritten worden seien und die Duldung der Waldbesetzer auf den Prüfstand gestellt werde.

Tesla will in dem Werk 500.000 E-Autos im Jahr produzieren. Im Januar waren erstmals rund 6000 Fahrzeuge pro Woche vom Band gelaufen. An der Börse sank die Aktie des Autobauers um rund fünf Prozent.

(Bericht von Philipp Krach, Nette Noestlinger, Rachel More und Christoph Steitz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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