VW-Aktie dennoch höher: Gewinneinbruch größer als erwartet - Jahresprognose bleibt dennoch

Der Volkswagen-Konzern hat im ersten Quartal belastet von schwachen Geschäften in China und Zollkosten sowohl weniger umgesetzt als auch verdient.
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Der Volkswagen-Konzern ist im ersten Quartal in einem schwierigen Umfeld bei der Profitabilität weiter unter Druck geraten. Vor allem Kosten für die US-Einfuhrzölle belasteten. Die operative Marge lag bei 3,3 Prozent, rund 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert, wie der DAX-Konzern am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 3,7 Prozent gerechnet.
Im XETRA-Handel bewegte sich die VW-Aktie schließlich 0,87 Prozent höher bei 86,22 Euro. Analyst Jose Asumendi von der US-Großbank JPMorgan verwies auf einen starken Barmittelzufluss - auf diesen hätten viele Anleger ihr Augenmerk gerichtet - und er sei deutlich besser ausgefallen als von ihm erwartet, schrieb der Fachmann.
Bei der operativen Marge hingegen habe VW die Erwartungen verfehlt, schrieb Goldman Sachs-Experte Christian Frenes. Das sei der Markengruppe rund um AUDI und der Lkw-Holding Traton sowie Sonderkosten geschuldet. Die Markterwartungen an den Gewinn je Aktie dürften auch wegen des schwachen Geschäfts in China nun sinken.
Schon im letzten Quartal 2025 hatte Finanzchef Arno Antlitz die Zügel bei den Geldausgaben angezogen, um den sogenannten Cashflow zu verbessern. Im ersten Quartal lag der Netto-Cashflow im Konzernbereich Automobile - also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - bei knapp 2 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren noch 0,8 Milliarden abgeflossen.
Laut Antlitz erzielte Europas größter Autobauer vor Sondereffekten eine operative Marge von 4,3 Prozent. Darin sind Umbaukosten von 0,8 Milliarden Euro ausgeklammert, darunter 0,5 Milliarden für das Produktionsende des Elektroautos ID.4 in den USA. Der restliche Betrag sind Kosten für Sparprogramme in der Gruppe mit den Massenmarken des Konzerns und bei der Nutzfahrzeugholding Traton.
Auch die bereinigte Rendite sieht Antlitz laut Mitteilung auf einem weiterhin viel zu niedrigen Niveau. Der Konzern müht sich derzeit, ein weiteres großes Sparprogramm aufzulegen. Dadurch sollen die Kosten noch einmal deutlich sinken, um im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern bestehen zu können und Belastungen an anderer Stelle entgegenzuwirken.
Das operative Ergebnis ging zu Jahresbeginn insgesamt um gut 14 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro zurück, der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich rutschte das Ergebnis nach Steuern um gut 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ab.
"Kriege, geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, verschärfte Regulatorik und ein harter Wettbewerb sorgen für Gegenwind", sagte Konzernchef Oliver Blume laut Mitteilung. Laut einer Präsentation kosteten allein die US-Einfuhrzölle den Konzern weitere 0,6 Milliarden Euro. Sie hatten schon im vergangenen Jahr Milliarden verschlungen.
Der VW-Konzern leidet insgesamt unter schwachen Verkaufszahlen vor allem in China und den USA. Weltweit drückte das die Zahl der Auslieferungen im Konzern in den Monaten Januar bis März auf nur noch 2,05 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken, 4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vor allem in China und Nordamerika gingen die Auslieferungen zurück. Zuwächse in Europa konnten das nicht ausgleichen.
Belastet wurde das Konzernergebnis auch durch die schwachen Zahlen des Sportwagenbauers Porsche, die dieser am Vorabend vorgelegt hat. Von Januar bis März ging dort der Gewinn nach Steuern um fast ein Viertel zurück. Auch die Lkw-Tochter TRATON mit den Marken MAN und Scania hatte wegen hoher Sondereffekte bereits einen deutlichen Gewinneinbruch gemeldet.
Israelischer Rüstungskonzern könnte VW-Werk übernehmen
Der israelische Rüstungskonzern Rafael möchte das Osnabrücker Volkswagen-Werk übernehmen. "Es gibt Gespräche zwischen Rafael und Volkswagen", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst der Deutschen Presse-Agentur. Ernst war bis 2025 in führender Funktion für den Panzerfaust-Hersteller Dynamit Nobel Defence (DND) tätig, dann wechselte er in den Bundestag. DND ist die Deutschlandtochter von Rafael, sie würde nach aktuellem Stand auch den Volkswagen-Standort übernehmen. Informierte Kreise bestätigten die Information, über die auch die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet hatte.
In Osnabrück sollen künftig wohl keine Panzerfäuste hergestellt werden, sondern Komponenten rund um das Flugabwehr-System "Iron Dome", das Rafael in Israel fertigt. Das könnten schwere Lastwagen und Abschussvorrichtungen sein, vermutet der frühere Rüstungsmanager Ernst. DND ließ eine Anfrage unbeantwortet. Volkswagen teilte mit, man prüfe weiterhin tragfähige Perspektiven für den Standort Osnabrück nach dem Auslauf der aktuellen Fertigung im Jahr 2027. Man stehe "im Austausch mit unterschiedlichen Marktakteuren".
Der Panzer- und Munitionsfabrikant
Rheinmetall hatte zunächst ebenfalls Interesse an dem Standort bekundet, später aber abgewunken.Israelisches Know-how in Deutschland
Ernst wertet die mögliche Übernahme des VW (Volkswagen (VW) vz)-Standorts durch Rafael und DND positiv. "Das ist eine Win-win-Situation", sagt der Christdemokrat. "Wir hätten israelisches Know-how in Deutschland und der israelische Staatskonzern hat eine Produktion, die nicht bedroht ist vom Krieg." Gut sei zudem, dass wohl zumindest ein Teil der Osnabrücker Belegschaft übernommen werden könne.
DND hat seinen Firmensitz in Burbach (Nordrhein-Westfalen). Die Folgen des Ukraine-Krieges gaben der Firma einen starken Wachstumsschub, die Nachfrage nach Panzerfäusten schnellte nach Beginn des russischen Angriffs in die Höhe. 2024 kam die Firma mit rund 400 Mitarbeitern eigenen Angaben zufolge auf einen Umsatz von 146 Millionen Euro und damit zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Gewinn verdoppelte sich auf 6,5 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen sind bislang nicht veröffentlicht.
Inzwischen hat die Firma ihr Produkt-Portfolio erweitert und baut einen Standort in Kiel, wo Militärfunkgeräte gefertigt und die dafür nötige Software entwickelt werden sollen.
VW hatte das Osnabrücker Werk 2009 vom insolventen Auftragsfertiger Karmann übernommen. Volkswagen gehörte lange zu den wichtigsten Kunden des Cabriospezialisten. In der Fabrik arbeiten derzeit rund 2.300 Menschen. Im kommenden Jahr läuft die Produktion des T-Roc-Cabriomodells aus. Einen Folgeauftrag aus dem VW-Konzern gibt es bislang nicht.
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WOLFSBURG (dpa-AFX)
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