Marvell-Aktie erholen sich von Fall: Starker Ausblick reicht nach Rally von 130 Prozent nicht

Marvell schlägt Erwartungen beim Gewinn, hebt die Jahresziele an und fällt trotzdem. Nach 130 Prozent seit Jahresbeginn reicht das dem Markt nicht.
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Marvell Technology übertrifft im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 die Gewinnerwartungen, gibt einen Ausblick oberhalb der Analystenschätzungen heraus und verliert trotzdem 4,59 Prozent an der Börse. Schlussendlich ging es am Donnerstag via NASDAQ aber wieder 3,09 Prozent auf 204,83 US-Dollar aufwärts. Das Muster ist aus der laufenden Chipsektor-Rally bekannt: Wer mit einem Kursplus von über 130 Prozent seit Jahresbeginn in den Zahlen-Abend geht, darf sich nicht mit einem guten Ergebnis begnügen. Der Markt erwartet ein außergewöhnliches.
Beat auf dem Papier
Marvell meldet für das per Anfang Mai abgeschlossene Quartal einen Umsatz von 2,42 Milliarden US-Dollar, 28 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Gewinn je Aktie liegt bei 0,80 US-Dollar und übertrifft damit die Konsensprognose von 0,79 US-Dollar um rund sieben Prozent. Doch beim Umsatz bleibt Marvell mit einem Abstand von rund 1,3 Prozent minimal unter dem präzisierten Konsens einiger Analysten, was nach einer Kursvervielfachung von über 130 Prozent seit Jahresbeginn ausreicht, um Gewinnmitnahmen zu provozieren. Die Toleranz für kleine Verfehlungen ist bei diesem Bewertungsniveau gering.
Ausblick angehoben, die Messlatte wächst mit
Für das laufende zweite Quartal stellt das Management einen Umsatz von 2,70 Milliarden US-Dollar in Aussicht, deutlich über der Analystenschätzung von 2,60 Milliarden US-Dollar. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie liegt die Guidance mit 0,93 US-Dollar über der Erwartung von 0,90 US-Dollar. Das Jahresziel für das Geschäftsjahr 2027 hebt Marvell auf 11,5 Milliarden US-Dollar an, 500 Millionen mehr als noch im Vorquartal kommuniziert. Für das Folgejahr nennt das Management 16,5 Milliarden US-Dollar, 1,5 Milliarden mehr als bisher und merklich über dem Analystenkonsens von 15,3 Milliarden US-Dollar. Treiber ist die Nachfrage nach maßgeschneiderten KI-Chips für Hyperscaler: Marvell beliefert unter anderem Microsoft und Amazon und befindet sich Berichten zufolge in Gesprächen über Eigenentwicklungen für Google.
Bewertung und Bruttomarge lassen wenig Spielraum
Die Aktie kostet nach der Rally das 64-fache der erwarteten Gewinne, was kaum Spielraum für Ausführungsrisiken lässt. Für das zweite Quartal gibt Marvell eine bereinigte Bruttomarge von 58,25 bis 59,25 Prozent aus, was auf anhaltenden Margendruck hindeutet. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2026 hatte Marvell noch eine bereinigte Bruttomarge von 59,5 Prozent erreicht. Erschwerend kommt hinzu, dass der Analystenkonsens beim Kursziel deutlich unter dem aktuellen Handelsniveau liegt, ein Zeichen dafür, dass ein Großteil des KI-Wachstums bereits eingepreist ist. Auffällig bleibt zudem eine Reihe von Insiderverkäufen: Führungskräfte trennten sich am 20. Mai zum Kurs von 186,80 US-Dollar von Anteilen, ohne dass offene Käufe bekannt wurden.
Den nächsten belastbaren Datenpunkt liefert Marvell am 27. August, wenn das Unternehmen seine Ergebnisse zum zweiten Quartal vorlegt. Im August trägt das Wachstumstempo die Beweislast.
Benedict Kurschat, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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