Waffenruhe in Nahost hängt am seidenen Faden: DAX im Abwärtssog - Unter 24.000er-Marke geschlossen

Nach einem lethargischen Wochenauftakt waren am Dienstag Verluste am deutschen Aktienmarkt zu sehen. Die angespannte Lage in Nahost drückte auf die Risikobereitschaft der Anleger.
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Der DAX gab zum Sitzungsstart 1,24 Prozent auf 24.048,25 Punkte nach. Im weiteren Verlauf rutschte das Börsenbarometer weiter in die Verlustzone und sank dabei sogar unter die psychologisch wichtige 24.000er-Hürde. Zum Feierabend notierte er 1,62 Prozent im Minus bei 23.954,93 Zählern.
Feuerpause wackelt weiter - Friedensverhandlungen festgefahren
Die Kriegssorgen rund um den Iran ließen die Anleger auch am Dienstag nicht los, insbesondere vor dem Hintergrund weiterhin steigender Ölpreise.
Die US-Regierung verschärft den ökonomischen Druck auf den Iran weiter. Sie verhängte Sanktionen gegen mehrere Personen und Unternehmen. Zudem hängt die seit fast fünf Wochen dauernde Waffenruhe mit dem Iran nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump nur noch am seidenen Faden. Grund dafür sei der "dämliche Vorschlag" aus Teheran zur Beendigung des Krieges, sagte er in Washington. "Sie ist so schwach wie nie, nachdem ich diesen Mist gelesen habe."
"Zwischen den USA und dem Iran gibt es weiterhin keine Fortschritte. Die Situation scheint festgefahren", schrieb Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Die Hängepartie könne sich noch einige Zeit fortsetzen. "Für jegliche Form der Entwarnung ist es weiterhin zu früh. Dieses Thema wird die Börsen und die Weltwirtschaft noch lange begleiten".
Inflationssorgen treiben Anleger um
Die Entwicklungen im Nahost-Konflikt bestimmen damit weiter die Richtung am Aktienmarkt. Dabei achten die Anleger insbesondere auf die Auswirkungen auf den Rohölmarkt. Sollte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent dauerhaft über der viel beachteten Marke von 100 US-Dollar liegen, droht ein deutlicher Anstieg der Inflation. Dies wiederum könnte die Notenbanken zu höheren Leitzinsen zwingen und die Aktienmärkte belasten.
Der Inflationsdruck in den USA hat sich im April verstärkt, primär getrieben durch die kriegsbedingt gestiegenen Energiekosten infolge des Konflikts mit dem Iran. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent und lagen um 3,8 (Vormonat: 3,3) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten mit einem monatlichen Preisanstieg von 0,6 Prozent und einer Jahresteuerung von 3,8 Prozent gerechnet.
Die durch den Iran-Krieg bedingten höheren Energiepreise könnten sich in den kommenden Monaten auf viele andere Waren auswirken. So treiben beispielsweise höhere Benzinpreise die Transportkosten in die Höhe, was wiederum zu einem Anstieg der Preise für Lebensmittel und Kleidung führen könnte.
Ökonomen befürchten, dass die steigende Inflation die Verdienste der Arbeitnehmer weiter schmälern wird, was zu einer geringeren Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen führen könnte. Als Reaktion auf die Auswirkungen des Krieges erklärte Präsident Donald Trump, er befürworte die Aussetzung der Bundessteuer auf Benzin.
Analysten mit verhaltender Zuversicht
Greil sieht derweil Gründe, warum Trump an einem baldigen Ende des Kriegs interessiert sein dürfte. So steige generell der Druck am Markt, zu einer Einigung zu kommen. Zudem gebe es Munitionsengpässe, und wegen des Krieges fehle Geld für Aufgaben im Inland.
Auch die Börsenstatistik-Experten von Index Radar blicken nicht allzu pessimistisch in die nahe Zukunft. Hohe Ölpreise, geopolitische Spannungen, wieder anziehende Inflationserwartungen und eine US-Notenbank, die sich maximale Flexibilität offen hält, ergeben zwar kein Umfeld, das normalerweise für Rekordstände in Aktienindizes wie dem DAX bekannt sei. Doch Liquidität, Technologiefantasie und robuste Unternehmensgewinne wirkten weiterhin wie ein belastbares Gegengewicht.
Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen äußerte sich ebenfalls recht zuversichtlich: "Bislang üben sich die Anleger lediglich in Zurückhaltung, eine Rückkehr in den Krisenmodus ist noch nicht zu beobachten, zumal US-Präsident Trump eine Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Iran bekräftigte." Stand heute würden damit die kriegsbedingten Schwankungen zwischen Risk-on und Risk-off anhalten, bis ein Friedensabkommen in Kraft trete.
Ablaufende Berichtssaison bleibt im Fokus
Ansonsten müssen die Anleger in der neuen Woche auch eine Fülle weiterer Unternehmenszahlen verarbeiten. Sowohl im DAX als auch in den Nebenwerteindizes stehen für diese Woche zahlreiche Bilanzvorlagen auf der Agenda.
DAX-Rekord zuletzt im Januar
Der Abstand zum Rekordniveau bleibt am deutschen Aktienmarkt bestehen. Am 13. Januar hatte der DAX bei 25.507,79 Punkten ein Allzeithoch markiert. Letztlich war er an diesem Tag bei 25.420,66 Zählern aus dem Handel gegangen, was zudem einen Rekord auf Schlusskursbasis bedeutete.
Benedict Kurschat, Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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