10.08.2022 14:07

Anleger vor US-Inflationsdaten in Wartestellung

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Frankfurt (Reuters) - Vor den mit Spannung erwarteten US-Inflationsdaten ziehen Anleger die Köpfe ein.

Investoren erhofften sich aus den Teuerungsdaten Rückschlüsse auf künftige Zinsschritte und gingen lieber nicht ins Risiko. Der Dax konnte vor Veröffentlichung der Daten am Mittwoch zwar anfängliche Verluste wieder wettmachen. Mehr als 0,3 Prozent auf 13.581 Punkte wagten sich Dax-Anleger aber nicht vor. Der EuroStoxx50 zeigte sich mit 3714 Zählern weitgehend stabil. Die US-Futures deuteten auf einen etwas festeren Handelsstart an der Wall Street hin.

"Die wichtigste Frage für viele Händler und Anleger ist heute, ob die Inflation in den USA ihren Höhepunkt erreicht hat", sagte Naeem Aslam, Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Von Reuters befragte Ökonomen sehen die jährliche Gesamtinflation bei 8,7 Prozent. Damit läge die Teuerung in den USA zwar um ein Vielfaches höher als die von der Fed angestrebte Inflationsrate von zwei Prozent, aber unter dem zuvor erreichten 40-Jahres-Hoch von 9,1 Prozent.

"Sollte sich wirklich andeuten, dass der Inflations-Gipfel überschritten ist, dann hält das die Chance auf eine Zinsanhebung um 'nur' 50 Basispunkte am Leben", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Mehrheitlich gehen Börsianer aber von einer Zinserhöhung um erneut 0,75 Prozent aus, der sie bei der nächsten Fed-Sitzung eine fast 70-prozentige Wahrscheinlichkeit beimessen.

DOLLAR ETWAS SCHWÄCHER - ÖLPREIS GIBT NACH

Am Devisenmarkt gab der Dollar im Vorfeld der Inflationsdaten leicht nach. Der Dollar-Index notierte gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen mit einem Wert von 106,06 um 0,3 Prozent niedriger. "Ein starker Verbraucherpreisindex in dieser Woche könnte bedeuten, dass die Fed zu ihrem aggressiven Zinserhöhungskurs zurückkehrt, was den Dollar wieder stärken würde", sagte David Chao, Marktstratege bei Invesco.

Am Rohölmarkt drückten optimistische Nachrichten über das Weiterleiten von russischem Öl über die Druschba-Pipeline den Preis. Rohöl der Sorte Brent sowie WTI aus den USA verbilligten sich um jeweils fast zwei Prozent auf 94,52 und 88,87 Dollar pro Barrel. Die Ölströme nach Mitteleuropa über die Druschba-Pipeline würden nach Zahlung der Transitgebühr für die Nutzung des ukrainischen Abschnitts der Pipeline in Kürze wieder aufgenommen, kündigte der ungarische Energiekonzern MOL an. Analysten zufolge belasteten auch Befürchtungen hinsichtlich der Nachfrage die Preise. Die Rohölvorräte in den USA stiegen zudem stärker an als von Analysten erwartet, sagten Insider.

E.ON AUF ZICK-ZACK-KURS

Mit gemischten Gefühlen nahmen Anleger die Halbjahreszahlen von E.ON auf und bescherten dem Energiekonzern an der Börse einen Zick-Zack-Kurs zwischen minus zwei und plus einem Prozent. Bei den Ergebnissen habe sich eine Verbesserung im zweiten Quartal angedeutet, konstatierten die Analysten von Morningstar. Die Halbjahreszahlen fielen einem Händler zufolge etwas besser aus als erwartet. Zudem bestätigte der Energiekonzern seine Prognose für das Gesamtjahr. Ob die Kosten der Energiewende allerdings kompensiert werden können, bleibe abzuwarten, gab Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets zu Bedenken.

Evotec-Aktien rauschten rund 13 Prozent nach unten. Einem Händler zufolge stufte Morgan Stanley die Titel auf "Underweight" von "Overweight" herab. Ein kräftiges Ergebnisplus katapultierte dagegen die Anteilsscheine von Heidelberger Druck in der Spitze um 20 Prozent nach oben. Neben dem operativen Ergebnis habe auch der Auftragseingang und der Umsatz Schätzungen im Vorfeld übertroffen, sagte ein Händler. Der Maschinenbauer profitiere von einer besseren Auslastung der Kapazitäten sowie von gesenkten Kosten, teilten die Analysten von Baader Helvea mit.

Mit den vorgelegten Quartalszahlen konnte auch Ahold Delhaize bei Anlegern punkten. Die Aktien des niederländischen Supermarktkonzerns stiegen an der Börse in Amsterdam um rund acht Prozent. Die Analysten von Jefferies bescheinigten dem Konzern ein starkes Quartal mit einem überraschend guten Ergebnis. Die angekündigte Verschiebung des geplanten Börsengangs der Online-Verkaufsplattform Bol.com wegen der ungünstigen Marktbedingungen sei nicht überraschend gekommen.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Redigiert von Olaf Brenner.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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