14.06.2018 18:11
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Aussicht auf niedrige Zinsen treibt Aktien und drückt Euro

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Frankfurt (Reuters) - Die Absage der Europäischen Zentralbank (EZB) an eine baldige Zinserhöhung versetzt Aktienanleger in Kauflaune und schickt den Euro auf Talfahrt.

Die Gemeinschaftswährung verbilligte sich am Donnerstag um bis zu 1,5 Prozent auf 1,1617 Dollar und steuerte damit auf den größten Tagesverlust seit zwei Jahren zu. Weil sich dadurch die Wettbewerbschancen heimischer Firmen auf dem Weltmarkt verbessern, erhielten Dax und EuroStoxx50 zusätzlichen Schub. Sie gewannen jeweils etwa eineinhalb Prozent auf 13.107,10 und 3532,57 Punkte. An der Wall Street ging es ebenfalls aufwärts. Der Technologie-Index Nasdaq markierte mit 7761,39 Zählern den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch.

Die EZB halbiert das Volumen ihrer vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihekäufe ab Oktober auf 15 Milliarden Euro monatlich und stellt sie zum Jahresende ein. "Notenbank-Chef Mario Draghi ist den Hardlinern innerhalb des EZB-Rates entgegengekommen", urteilte Thomas Romig, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. Er habe sich aber auch die Option offen gehalten, die Konjunktur bei Bedarf mit zusätzlichen Geldspritzen zu stützen.

Draghi betonte außerdem, dass die Zinsen "über den Sommer 2019 hinweg" auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. "Er beugt damit Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung vor", sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Die Währungshüter wollen damit eine Aufwertung des Euro verhindern." Die EZB habe zudem deutlich gemacht, dass eine Zinserhöhung im Herbst 2019 keine ausgemachte Sache sei, betonte Jan Holthusen, Chef-Anleiheanalyst der DZ Bank. "Sie macht damit deutlich, dass sie es mit Zinserhöhungen auch weiterhin nicht eilig hat." Investoren griffen daraufhin wieder bei Staatsanleihen zu und drückten die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf 0,423 von 0,476 Prozent.

In den USA hatte die Notenbank Fed am Mittwochabend den Leitzins erneut um einen Viertel Prozentpunkt auf 1,75 bis zwei Prozent angehoben und für 2018 zwei weitere Schritte signalisiert. Zuletzt gab es vor dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise 2008 eine Zwei vor dem Komma.

EZB-ENTSCHEID SETZT FINANZWERTEN ZU UND HILFT AUTOBAUERN

Die Aussicht auf längerfristig niedrige Zinsen in Europa und damit schwindende Spekulationen auf höhere Einnahmen aus dem klassischen Kreditgeschäft machte den heimischen Finanzwerten zu schaffen. Der Index für die Banken der Euro-Zone verlor gegen den Trend 0,1 Prozent. Im Dax war die Commerzbank mit einem Kursminus von 1,9 Prozent das Schlusslicht. Karen Ward, Chef-Anlagestrategin der Vermögensverwaltung der Bank JPMorgan, warnte dagegen vor überzogenem Pessimismus. "Wenn niedrige Zinsen die Konjunktur stützen - nicht zuletzt durch einen niedrigeren Wechselkurs - hilft das der Kreditnachfrage."

Profiteure des EZB-Entscheids waren dagegen Automobilwerte und Versorger, deren Aktien üblicherweise sensibel auf Zinsspekulationen reagieren. Die Indizes für diese beiden Sektoren gewannen jeweils etwa zwei Prozent. Derjenige für die Investitionsgüterbranche erreichte sogar ein Rekordhoch von 873,03 Punkten.

An der Wall Street stiegen die Titel von Twenty First Century Fox auf ein Rekordhoch von 44,62 Dollar. Der US-Kabelkonzern Comcast will mit einer 65 Milliarden Dollar schweren Offerte für das Film- und Fernsehgeschäft der Medienfirma den Unterhaltungskonzern Disney ausstechen. Fox-Aktionäre könnten nun auf ein nachgebessertes Disney-Angebot hoffen, prognostizierten die Analysten des Research-Hauses Pivotal. Die Aktien von Comcast und Disney lagen 2,9 und 1,9 Prozent im Plus.

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