finanzen.net
07.04.2020 07:17

Corona-Virus erhöht das Infektionsrisiko für Banken

Debatte zur Banken-Stärkung: Corona-Virus erhöht das Infektionsrisiko für Banken | Nachricht | finanzen.net
Debatte zur Banken-Stärkung
Folgen
Den deutschen Banken kommt in der Bekämpfung der Corona-Krise eine besondere Bedeutung zu: Sie sollen die ins Straucheln geratenen Unternehmen mit Krediten versorgen, die wiederum zum Großteil vom Staat garantiert sind.
Werbung
Weil die Geldhäuser - allen voran Deutsche Bank und Commerzbank - aber selbst schwach auf der Brust sind, machen sich mehreren Insidern zufolge einige Politiker in Berlin Gedanken, ob die Institute einem langen Sturm Stand halten können oder ob sie bei einem Andauern der Krise womöglich selbst Hilfe vom Staat brauchen. Die Commerzbank musste bereits während der Finanzkrise 2008/09 mit Staatsgeldern gestützt werden und gehört nun zu 15 Prozent dem Staat. Die Deutsche Bank hatte die Krise damals ohne staatliche Stützungsmaßnahmen überstanden, sie schreibt jedoch inzwischen wegen eines Konzernumbaus milliardenschwere Verluste.

Für den Moment konzentrieren sich die Hilfsaktionen der Regierung auf die Unternehmen, die durch den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stillstand in finanzielle Nöte kommen, wie mehrere mit den Diskussionen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Für Banken würden in der nahen Zukunft keine Stützungsmaßnahmen erwartet. Die Hoffnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei, dass die Hilfskredite durch die fast vollständige Risikoübernahme des Staates nicht reihenweise ausfallen und Banken nicht zusätzliche Probleme bekommen. In der Regierung gehe man im Moment davon aus, dass das Hilfspaket der deutschen Wirtschaft eine dreimonatige Atempause verschaffe.

Dennoch habe in den vergangenen Wochen eine Debatte darüber begonnen, was man tun könnte, um bei einem Anhalten der Krise auch Banken zu stärken, wie mehrere Insider sagten. Es solle vor allem vermieden werden, dass die Geldhäuser aus Sorge vor zu viel Risiko zu zurückhaltend bei der Kreditvergabe seien und damit die Wirtschaft erst recht abwürgten.

Die Deutsche Bank erklärte, sie sei finanziell stark und die derzeitigen Diskussionen mit der Regierung konzentrierten sich auf die Frage, wie die Geldhäuser die Unternehmen unterstützen könnten. Die Commerzbank verwies auf einen geringen Anteil an notleidenden Darlehen in ihrer Bilanz von 0,9 Prozent. Die Banken gehen in diese Krise mit einer im Vergleich zu früheren Jahren sehr niedrigen Risikovorsorge. Das Finanzministerium erklärte gegenüber Reuters, alle Corona-basierten Programme der deutschen Regierung seien explizit auf den Nicht-Bankensektor ausgerichtet. "Es ist nicht geplant, solche Programme auf andere Sektoren auszuweiten".

INSIDER - SCHUTZSCHILD FÜR BANKEN NACH US-VORBILD

Mögliche Optionen, über die gesprochen würden, seien unter anderem Staatsgarantien für Banken sowie eine Art staatliche Behörde, die Anteile an den Banken übernehme im Gegenzug für staatliche Kapitalspritzen, sagten mehrere Insider. Schon während der weltweiten Finanzkrise 2008/09 gab es in Deutschland den Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS), der zur Stützung illiquider Banken ins Leben gerufen wurde.

Ein anderes Szenario das diskutiert werde, sei, dass Berlin von den Banken verlange, Kapital des Staates anzunehmen und ihm im Gegenzug Anteile gebe, sagen mehrere Insider. Die Idee erinnere an das "Troubled Asset Relief Program" (TARP) der US-Regierung während der Finanzkrise, im Rahmen dessen fast 250 Milliarden Dollar in die dortigen Banken investiert wurden. Die staatlichen Anteile sind nach der Krise - meist mit Gewinn für den Steuerzahler - wieder verkauft worden. Das Finanzministerium erklärte, keine dieser Optionen stehe zur Debatte. "Nichts von all dem passiert", sagte ein Sprecher.

Nach Meinung von Experten hat die damalige Entscheidung in Washington für einen TARP das Finanzsystem gestützt. "Es hat die Stigmatisierung einzelner Banken vermieden", sagt FDP-Politiker und Bundestagsmitglied Florian Toncar, der im einflussreichen Finanzkommitee sitzt. Über Einzelheiten will er nicht sprechen.

Der Rat der Wirtschaftsweisen warnte Merkel Ende März vor einem Überspringen der Corona-Krise auf die Banken: "Wenn der Kampf gegen das Virus länger dauert, wird die Zahl der Insolvenzen steigen, was wiederum Banken in Nöte bringen könnte." Im Gespräch mit Reuters sagt der Vorsitzendes des Rats, Wirtschaftsprofessor Lars Feld, die Institute seien sicher, wenn man Firmenpleiten vermeiden könne. Staatliche Stützungsmaßnahmen für Banken werde es nur geben, wenn die derzeitigen Maßnahmen für Firmen gescheitert seien.

Eine zentrale Herausforderung sei, das Übergreifen der Corona-Krise auf die Finanzbranche zu minimieren und deren Fähigkeit zu erhalten, die Realwirtschaft zu unterstützen, sagte der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Felix Hufeld, in einem Interview der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Wir werden viele Belastungen und Risiken für die Finanzindustrie erst nach und nach in Wellen in vollem Umfang sehen. Aber die Gefahr einer systemischen Krise sehe ich nicht."

"KURZFRISTIG HAT CORONA KEINE DRAMATISCHEN AUSWIRKUNGEN"

Eine der Deutschen Bank nahe stehende Person sagte, dass derzeit nicht über staatliche Hilfen für das Institut gesprochen werde und dass das Geschäft im ersten Quartal überraschend gut gelaufen sei. Allerdings könne sich die Frage stellen, falls sich die Krise länger hinziehe und sich die Wirtschaft weiter verschlechtere. Commerzbank-Vorstand Roland Boekhout sagte zu Reuters: "Die Corona-Krise ist keine Finanzkrise. Die Banken stehen gut da".

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" vor Kurzem gesagt, sein Institut könne die Corona-Krise überstehen. "Ich habe keine Sorgen, dass Corona unsere Bank fundamental angreift. Wir haben eine Eigenkapitalquote von mehr als 13 Prozent, haben 200 Milliarden Euro Liquidität, haben ein sauberes Kreditbuch und sind gut ins Jahr gestartet. Kurzfristig sehe ich für unser Haus keine dramatischen Auswirkungen."

von John O'Donnell und Tom Sims

Frankfurt, 06. April (Reuters)

Werbung

Aktuelle Zertifikate von

NameTypWKNHebel
Mini Future Long auf Deutsche BankJC22A9
Open End Turbo Put Optionsschein auf Deutsche BankJM6PV5
Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie hier: JC22A9, JM6PV5. Beachten Sie auch die weiteren Hinweise** zu dieser Werbung.
Bildquellen: hans engbers / Shutterstock.com

Nachrichten zu Deutsche Bank AG

  • Relevant
    +
  • Alle
    +
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Deutsche Bank AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
08.07.2020Deutsche Bank UnderweightMorgan Stanley
07.07.2020Deutsche Bank UnderperformRBC Capital Markets
06.07.2020Deutsche Bank NeutralGoldman Sachs Group Inc.
01.07.2020Deutsche Bank ReduceKepler Cheuvreux
24.06.2020Deutsche Bank HaltenDZ BANK
08.04.2020Deutsche Bank kaufenDZ BANK
28.06.2019Deutsche Bank kaufenDZ BANK
24.10.2018Deutsche Bank buyequinet AG
30.08.2018Deutsche Bank buyequinet AG
24.05.2018Deutsche Bank kaufenDZ BANK
06.07.2020Deutsche Bank NeutralGoldman Sachs Group Inc.
24.06.2020Deutsche Bank HaltenDZ BANK
19.06.2020Deutsche Bank NeutralJP Morgan Chase & Co.
17.06.2020Deutsche Bank NeutralUBS AG
16.06.2020Deutsche Bank NeutralJP Morgan Chase & Co.
08.07.2020Deutsche Bank UnderweightMorgan Stanley
07.07.2020Deutsche Bank UnderperformRBC Capital Markets
01.07.2020Deutsche Bank ReduceKepler Cheuvreux
24.06.2020Deutsche Bank SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
22.06.2020Deutsche Bank ReduceKepler Cheuvreux

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Deutsche Bank AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX schließt knapp unter 12.800er-Marke -- Dow rettet Mini-Plus -- Analog will Maxim übernehmen -- Pepsi schlägt Erwartungen -- Evonik besser als erwartet -- BASF, Deutsche Bank, Tesla im Fokus

VW-Tochter Sitech und Zulieferer Brose planen Gemeinschaftsfirma. KION-Aktie legt trotz Gewinneinbruch zu. Merck KGaA bestellt Garijo zu stellvertrendem CEO. Google will 10 Milliarden Dollar in Indien investieren. EZB wich laut Studie schon vor Corona-Krise von Anleihekauf-Regeln ab. OPEC könnte Ölförderung ausweiten. Corona-Impfung von Pfizer/BioNTech soll beschleunigt zugelassen werden. Daimler will mehr Jobs streichen.

Umfrage

Der Mieterbund hat einen bundesweiten Mietenstopp gefordert. Was halten Sie davon?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
TeslaA1CX3T
BioNTech SE (spons. ADRs)A2PSR2
NEL ASAA0B733
Wirecard AG747206
Ballard Power Inc.A0RENB
Deutsche Bank AG514000
Amazon906866
Daimler AG710000
NIOA2N4PB
BYD Co. Ltd.A0M4W9
BayerBAY001
Apple Inc.865985
Infineon AG623100
Lufthansa AG823212
CommerzbankCBK100