finanzen.net
30.06.2020 10:06

DIHK: Keine schnelle Erholung in Sicht

Folgen
Werbung

Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht trotz der Lockerungen von Corona-Beschränkungen und angekündigter Unterstützungsmaßnahmen aus der Politik keine schnelle Erholung bei den deutschen Unternehmen. Eine aktuelle DIHK-Konjunktur-Blitzumfrage unter bundesweit rund 8.500 Unternehmen aller Branchen und Regionen ergab, dass die Hälfte der Betriebe frühestens im nächsten Jahr mit einer Rückkehr zur geschäftlichen Normalität rechnet. Nur ein Drittel erwartet eine Normalisierung schon in diesem Jahr.

"Der Weg zurück für die Wirtschaft wird lang und hart", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Dienstag. "So bedeutend Überbrückungshilfen und Konjunkturpakete auch sind. Nichts ist für Unternehmen so wichtig wie die Chance, selbst wieder am Markt Umsatz machen zu können."

Der DIHK bekräftigte seine Konjunkturprognose von vor gut einem Monat, nach der das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 10 Prozent einbricht. Auch werde der Weg aus dem Tal eher länger als kürzer. "Das V ist vom Tisch", erklärte Wansleben zu den diskutierten Erholungsszenarien für die deutsche Wirtschaft. Die Exporte würden in diesem Jahr voraussichtlich wegen der Corona-Einschränkungen im Welthandel um 15 Prozent einbrechen.

Tiefstwert des Konjunkturradars

Der DIHK-Konjunkturradar habe im Juni den tiefsten Punkt seit Beginn der Erhebungen 1985 erreicht und zeige eine "dramatische Situation", so das DIHK. Die Ergebnisse machten deutlich, dass der Weg zurück zur Normalität steinig werde. Lag der Saldo in der turnusmäßigen Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn noch bei plus 30 Punkten sei nun mit minus 27 Punkten ein "dramatischer Tiefstwert" erreicht, so der DIHK. Laut Umfrage bewerten die Unternehmen ihre Lage so negativ wie noch nie zuvor. Danach rechnen 77 Prozent für 2020 mit Umsatzeinbußen aufgrund der Pandemie. 21 Prozent erwarten sogar einen Rückgang ihrer Umsätze um mehr als die Hälfte.

Konkret berichten 60 Prozent der Unternehmen über weniger Nachfrage und 43 Prozent über stornierte Aufträge. Ein Drittel der Unternehmen plane weniger Investitionen, in der Industrie seien es sogar 55 Prozent. Außerdem kämpften mehr Unternehmen mit Finanzierungsproblemen, was zusätzlich Raum für Investitionen in neue Technologien, Produkte und Märkte einschränke, so der Verband. Mehr als 40 Prozent berichtete von Liquiditätsengpässen. Fast jedes zweite Unternehmen meldete einen Rückgang des Eigenkapitals.

"Das geht vor allem bei mittelständischen Unternehmen schnell an die Substanz, weil zur Finanzierung laufender Zahlungsverpflichtungen die Umsätze fehlen", berichtete der DIHK-Hauptgeschäftsführer. "Wir sollten den Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung deshalb unbedingt mittelstandsfreundlicher gestalten, damit auch zahlenmäßig mehr Unternehmen davon profitieren können. Außerdem läuft die Zeit davon. Wir sehen Bundesregierung und EU-Kommission hier erheblich unter Zugzwang."

Negative Einschätzungen quer durch die Bank

Dabei zögen sich die negativen Einschätzungen quer durch die Wirtschaft. Reisewirtschaft und Gastgewerbe seien weiterhin von Einschränkungen betroffen. Aber auch personenbezogene Dienstleister berichteten von äußerst schlecht laufenden Geschäften. Die Öffnungen machten hier zwar teilweise den Betrieb wieder möglich, aber die Umsätze reichten häufig für einen lohnenden Geschäftsbetrieb nicht aus. Hinzu kämen teilweise hohe Kosten für Hygienemaßnahmen

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage drängte der DIHK auf europaweite Konjunkturmaßnahmen, damit der Binnenmarkt wieder anspringt. Denn das nationale Konjunkturpaket könne nur einen Teil der Krise lösen. Wichtig sei, dass sich Europa schnellstmöglich auf ein wirksames Re-Start-Paket verständige, so Wansleben.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/apo

(END) Dow Jones Newswires

June 30, 2020 04:07 ET (08:07 GMT)

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht schwächer ins Wochenende -- US-Börsen im Feiertag -- Chefwechsel bei Commerzbank voraus -- Deutsche Bank: Interesse an Wirecard-Teilen -- QIAGEN, Rolls-Royce, Lufthansa, Vonovia im Fokus

UBI will sich nicht von Intesa kaufen lassen. Delivery Hero verdoppelt Bestellzahlen inmitten der Pandemie. Sanofi bricht Medikamentenstudie zur Behandlung von COVID-19 ab. Mercedes-Benz muss dreistellige Millionensumme abschreiben. Airbus-Chef: Könnten mit Hilfe des Bundes 2.000 Stellen retten. Gilead Sciences: Arznei Remdesivir erhält europäische Zulassung für COVID-19.

Umfrage

Wie gehen Sie angesichts der ausgesprochen volatilen Börsen in diesem Sommer mit Ihrem Depot um?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
Deutsche Bank AG514000
TeslaA1CX3T
Daimler AG710000
NEL ASAA0B733
Lufthansa AG823212
Deutsche Telekom AG555750
BioNTech SE (spons. ADRs)A2PSR2
Amazon906866
BASFBASF11
BayerBAY001
Allianz840400
Microsoft Corp.870747
Infineon AG623100
TUITUAG00