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22.08.2018 12:12
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Energieexperten: Stromkunden zahlen Millionen zu viel für Netzausbau

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Von Christian Grimm

BERLIN (Dow Jones)--Unternehmen und Verbraucher in Deutschland zahlen dem Forschungsinstitut Agora Energiewende zufolge hunderte Millionen Euro pro Jahr zu viel für den Bau neuer Stromleitungen. In einem neuen Gutachten beziffern die Energieexperten den ungerechtfertigten Aufschlag auf 360 Millionen bis 900 Millionen Euro pro Jahr. Die Stromkunden berappen das Geld automatisch über die Netzentgeltumlage mit ihrer Stromrechnung.

Grund für die Verschwendung sind laut Agora großzügige Regelungen für den Bau neuer Leitungen, die von der Bundesnetzagentur und Landesbehörden genehmigt würden. "Die Netzentgelte sind das nächste große Thema bei den Kosten der Energiewende", sagte Agora-Direktor Patrick Graichen bei der Vorstellung des Gutachtens. Er beklagte, dass es bisher keine Transparenz bei der Festlegung der Netzgebühren durch die Netzbetreiber gebe. "Wir wissen nicht, was da passiert. Im Moment können wir es nicht kontrollieren", monierte Graichen und sprach von einer Black Box.

Der Netzagentur warf er vor, Akten nur geschwärzt heraus zu geben. So könne nicht nachvollzogen werden, wie die Netzbetreiber die Netzentgelte genau kalkulieren. Der Gerichtsweg sei außerdem versperrt, weil sich die Verwaltungsgerichte nicht für zuständig erklärten und Zivilgerichte wegen fehlender Informationen nicht entscheiden könnten. Eine Klage wegen mangelnder Transparenz scheiterte vergangenes Jahr vor dem Bundesverfassungsgericht.

Die Kosten für den Netzausbau steigen

Bau und Erhalt von Stromleitungen sind in Deutschland staatlich reguliert. Die Netzagentur und die Landesbehörden schreiben Netzbetreibern, wie zum Beispiel den Stadtwerken, vor, wie viel Rendite sie mit den Kabeln verdienen dürfen. Im vergangenen Jahr summierten sich die Netzgebühren deutschlandweit auf 24 Milliarden Euro, schätzt Agora. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Wegen des durch die Energiewende nötigen Ausbaus des Stromnetzes werden Haushalte und Firmen in den kommenden Jahren mehr zahlen müssen.

Laut Agora machen die Netzgebühren bei Privatkunden mittlerweile etwa ein Viertel der Stromrechnung aus. Bei einem Durchschnittshaushalt seien das rund 250 Euro im Jahr. Großverbraucher wie Industriebetriebe sind hingegen weitgehend von der Zahlung der Umlage befreit.

Die Netzagentur widersprach der Darstellung, wonach beim Ausbau der Leitungen Geld verschwendet wird. "Das Bild, was da gezeichnet wurde, ist kein zutreffendes Bild", erklärte ein Sprecher. Die Projekte würden genau kontrolliert. Der Sprecher erklärte weiter, dass die Behörde gerne mehr Details über die Kosten des Netzausbaus veröffentlichen würde. Laufende Gerichtsverfahren mit den Netzbetreibern stünden dem aber im weg. "Sobald die Gerichte in unserem Sinne entscheiden, werden wir die Dinge vorlegen", kündigte er an. Die bisherige Praxis sei nicht zufriedenstellend.

Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

DJG/chg/sha

(END) Dow Jones Newswires

August 22, 2018 06:12 ET (10:12 GMT)

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