16.08.2022 15:37

Erneut Explosionen auf der Krim - Russland spricht von Sabotage

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(Neu: Ministerium, Einzelheiten)

- von Natalia Zinets

Kiew (Reuters) - Im Ukraine-Krieg haben erneut mehrere Explosionen die von Russland annektierte Halbinsel Krim erschüttert.

Die Regierung in Moskau sprach von einem Sabotage-Akt. Bei den Detonationen in einem Munitionsdepot im Norden der Krim am Dienstagmorgen habe es zwei Verletzte gegeben, teilte das Verteidigungsministerium mit. Nach Darstellung des Ministeriums wurden ein militärisches Lagerhaus sowie zivile Infrastruktur wie ein Stromverteiler durch den Sabotage-Akt beschädigt. Der Zugverkehr in dem Gebiet sei eingestellt worden, rund 2000 Anwohner hätten evakuiert werden müssen. In der nahegelegenen Ortschaft Dschankoj sei zudem ein elektrisches Umspannwerk in Brand geraten.

Vergangene Woche war bei mehreren Detonationen ein russischer Militärstützpunkt auf der Krim schwer beschädigt worden. Die Ukraine hat bislang nicht erklärt, ob sie dafür verantwortlich ist. Sollten die Explosionen auf Beschuss der ukrainischen Streitkräfte zurückgehen, wäre dies ein Beweis dafür, dass das Land über Raketen mit größerer Reichweite verfügt, um auch Ziele weit hinter den Frontlinien anzugreifen. Nach den Explosionen vergangene Woche sprach die russische Regierung von einem Unfall als Ursache. Russland nutzt die 2014 annektierte Krim als Basis für seine Schwarzmeerflotte und als Hauptnachschubroute für seine Invasionstruppen im Süden der Ukraine. Die ukrainische Regierung hat zuletzt das Ziel ausgegeben, auch die Halbinsel zurückerobern zu wollen.

Satellitenbildern zufolge wurden auf dem Stützpunkt vergangene Woche mehrere russische Kampfflugzeuge zerstört oder beschädigt. Informationen des britischen Geheimdienstes zufolge wirkt sich dies zunehmend auf den Einsatz der russischen Schwarzmeerflotte aus. Nach britischen Angaben vom Dienstag hat Russland Mühe, von See aus das Schwarze Meer zu kontrollieren. Patrouillenfahrten seien auf die Gewässer um die Krim beschränkt, teilte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf die Geheimdienste mit. Die Schwarzmeerflotte setze zur Unterstützung der Bodenoffensiven Langstreckenraketen ein, verhalte sich aber eher defensiv. Die Einschränkungen der Flotte unterliefen Russlands Strategie, hieß es in dem Bulletin.

"DASS DIE WELT VERLOREN HAT"

Angesichts von anhaltendem Beschuss am Atomkraftwerk Saporischschja forderte die Ukraine unterdessen weitere Sanktionen gegen Russland und warnte vor einem Super-GAU. "Wenn durch Russlands Handeln eine Katastrophe geschieht, könnten die Konsequenzen die treffen, die im Moment ruhig sind", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner nächtlichen Video-Botschaft. "Wenn die Welt jetzt keine Stärke und Entschlossenheit zeigt, um ein Atomkraftwerk zu verteidigen, heißt das, dass die Welt verloren hat." Russland und die Ukraine machen sich gegenseitig für den Beschuss an Europas größtem Atomkraftwerk verantwortlich.

Selenskyj hat die russischen Streitkräfte bereits davor gewarnt, sollten sie das AKW in der jetzt russisch kontrollierten Stadt Enerhodar angreifen oder als Basis für weitere Offensiven nutzen, würde der Ort zu einem "speziellen Ziel" werden. Der russische Vertreter in Enerhodar, Wladimir Rogow, sagte am Montag, es habe in der Nähe des Kraftwerks und in Wohngebieten binnen zwei Stunden rund 25 Artillerie-Einschläge von Geschossen der US-Haubitze M777 gegeben. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte den Pressedienst der russischen Verwaltung in Enerhodar damit, dass ukrainische Streitkräfte das Feuer nahe des AKW eröffnet hätten.

Die Verwaltung von Nikopol, das auf der anderen Uferseite des Flusses Dnipro gegenüber von Enerhodar liegt und von der Ukraine kontrolliert wird, behauptete das Gegenteil. Es seien russische Angriffe gewesen, die darauf abgezielt hätten, die Ukraine dafür verantwortlich zu machen. "Die Russen denken, sie können die Welt zu ihren Bedingungen zwingen, in dem sie Saporischschja beschießen", schrieb der ukrainische Stabschef im Präsidialamt, Andrij Jermak, auf Twitter. Unabhängig überprüfen ließen sich die Darstellungen nicht. Das AKW wird seit März von den russischen Streitkräften kontrolliert, wird aber nach wie vor von ukrainischen Technikern betrieben.

Die russische Regierung hat sich mehrfach bereiterklärt, Inspekteuren der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA in Saporischschja Zugang zu gewähren. Die Vereinten Nationen haben versichert, einen solchen Besuch logistisch und auch sicherheitstechnisch realisieren zu können. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte am Montag mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres über das weitere Vorgehen gesprochen. Russland sieht eine Reise der IAEA-Inspekteure von der ukrainischen Hauptstadt Kiew aus nach Saporischschja kritisch. "Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, durch Kiew zu fahren - es bedeutet, dass sie durch die Frontlinie zum Atomkraftwerk gelangen", zitierte die Nachrichtenagentur RIA den russischen stellvertretenden Leiter der Abteilung für nukleare Sicherheit und Rüstungskontrolle, Igor Wischnewezki.

(Reuters-Büros. Bearbeitet von Alexander Ratz. Redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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