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17.02.2019 16:00
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Strom-Fresser Digitalisierung: Hotspot digitale Abwärme

Euro am Sonntag-Meinung: Strom-Fresser Digitalisierung: Hotspot digitale Abwärme | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Meinung
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Die Digitalisierung ist extrem ressourcenhungrig. Rechenkapazitäten und deren Strombedarf bedeuten große technische wie ökologische Herausforderungen.
€uro am Sonntag
von Jens Struckmeier, Gastautor für €uro am Sonntag

Frankfurt ist Deutschlands digitale Hauptstadt. Bis zu 6,5 Terabit rauschen pro Sekunde allein durch den Datenknoten der Firma De-Cix in Frankfurt am Main. Täglich werden 43.200 Terabyte an Daten bewegt, das entspricht einer Datenmenge von 18.432 000 Stunden Film - ein weltweiter Rekord. Zumindest noch, denn global verfügen immer mehr Geräte im Büro, in der Industrie oder zu Hause über eine Verbindung zum Internet, die rund um die Uhr besteht. So soll laut Cisco der IP-Traffic aller Rechenzentren sprunghaft von 6,8 Zettabyte 2016 auf 20,6 im Jahr 2021 ansteigen. Die rasant wachsenden Datenmengen bedeuten vor allem eines: einen enormen Energieverbrauch.


Laut Borderstep betrug 2017 der Stromverbrauch der Rechenzentren in Deutschland 13,2 Milliarden Kilowattstunden (kWh), etwa so viel wie der Jahresverbrauch von ganz Berlin - ein Anstieg um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für die kommenden Jahre erwarten Experten eine Vervielfachung. Bei ­einem Strompreis von 12,58 Cent pro kWh - so hoch wie sonst nirgendwo auf der Welt - eine echte Herausforderung für den Standort Deutschland. In Schweden bezahlen Betreiber nur drei bis fünf Cent je kWh. Um die Abwärme der Server bei uns im vergleichsweise warmen Deutschland wegzukühlen, muss zudem bis zu 80 Prozent Strom zusätzlich für die Kühlung aufgewendet werden.


Trotz dieser offensichtlichen Standortnachteile soll Frankfurt in Kürze London als Stadt mit den meisten Rechenzentren ablösen. Die mittige Lage in Deutschland und Europa, der Flughafen sowie die räumliche Nähe zur Börse und den besonderen Sicherheitsanforderungen des Wertpapierhandels sind einige Gründe für den Boom. So würden weite Datenwege zu Verzögerungen bei den Ausführungsgeschwindigkeiten (Latenzen) führen.

Gerade bei zeitkritischen Finanzgeschäften ein echtes Problem. Zudem legen immer mehr Firmen aus Angst vor Industriespionage Wert darauf, dass ihre Daten nicht auf ausländischen Servern gespeichert werden. Entsprechend stehen sieben der zehn größten deutschen Rechenzentren am Main. Der Energiehunger vieler dieser großen Rechenzentren entspricht rechnerisch dem von ganzen Kleinstädten. Bereits heute verbrauchen alle zusammen ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs der Stadt und sind somit der größte Abnehmer des lokalen Energieversorgers Mainova - noch vor dem Flughafen.

Klimaschutz: Die Industrie und die Politik sind gefordert

Aus wirtschaftlichen wie auch ökologischen Gründen stehen neue energie­effiziente Konzepte im Fokus der Betreiber von Rechenzentren. Seit April 2018 zeigt ein Konzept in den ehemaligen Serverräumen der europäischen Zen­tralbank im Frankfurter Eurotheum, wie sich Rechenzentren ressourcenschonend im vergleichsweise warmen Frankfurt betreiben lassen. Die neu installierten Racks werden mit Heißwasser gekühlt, das nicht einfach abgeleitet wird: Durch die Server auf 60 Grad aufgeheizt, wird das Wasser im 31-stöckigen Hochhaus unter anderem zur Beheizung der Büroräume und des Vier-Sterne-Hotels genutzt. Durch dieses Verfahren sollen jährlich bis zu 170.000 Euro Energiekosten und 560 Tonnen CO2 eingespart werden können.

Der Datenhunger wird auch in den kommenden Jahren rasant zunehmen. Damit dies nicht auch für den Stromverbrauch und die CO2-Emissionen gilt, sind alle Betreiber gefordert, ihre Rechenzentren effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Nur so lassen sich die ehrgeizigen wie notwendigen Klimaschutzziele Frankfurts, den Energiebedarf bis 2050 um 50 Prozent zu reduzieren, realisieren.

Für die Rechenzentren ist das heute ein noch fast unerreichbar scheinender Weg. Schließlich konnte die durchschnittliche Energieeffizienz der deutschen Rechenzentrumsinfrastruktur seit 2010 lediglich um 13 Prozent verbessert werden. Die Politik sollte daher dringend durch Anreize, aber auch Vorgaben, die Industrie unterstützen, um sicherzustellen, dass Deutschland einerseits ein attraktiver Standort für Betreiber bleibt, aber andererseits auch energiebewusst in die Zukunft geht.

Kurzvita

Jens Struckmeier
CTO Cloud & Heat Technologies
Der Autor ist Gründer von Cloud & Heat Technologies und besitzt als promovierter Physiker sowie als ehemaliger geschäftsführender ­Gesellschafter der ­nAmbition GmbH ausgeprägtes Know-how in industrieller Geräte­entwicklung, Produkt­management und ­Unternehmensführung. Cloud & Heat Technologies betreibt energieeffiziente Rechenzentren durch Nutzung der Abwärme zum Heizen von Gebäuden.






_________________________

Bildquellen: Rene Schuebel/Cloud&Heat Technologies GmbH
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