KI-Angst drückt Software-Aktien wie Okta, Palantir & Microsoft - auch Infineon, SAP & Co. im Blick

Der Softwaresektor taumelt nach heftigen Kursverlusten am Abgrund einer wichtigen Chartmarke. Analysten sehen noch weiteres Abwärtspotenzial.
Werte in diesem Artikel
• Software-Aktien stehen unter Druck: Chartanalyse zeigt großes Risiko auf
• Käuferstreik bei Anlegern - weitere Abwärtspotenzial
• Software-Aktien im Fokus
Prekäre Lage: Software-Aktien stehen unter Druck
Der Softwaresektor befindet sich in einer kritischen Phase: Am Donnerstag verzeichnete der maßgebliche Branchen-ETF iShares Expanded Tech-Software (IGV) mit einem Minus von 4,89 Prozent den schwersten Tagesverlust seit Februar. Besonders hart traf es Branchengrößen wie Okta und Snowflake deren Kurse um jeweils mehr als 10 Prozent einbrachen: So schloss die Okta-Aktie NASDAQ-Handel 10,89 Prozent tiefer bei 67,76 US-Dollar ab, während es für die von Microsoft um 0,34 Prozent abwärts ging auf 373,07 US-Dollar. Für Palantir ging es unterdessen um 7,3 Prozent runter auf 130,49 US-Dollar. Die Aktie konnte sich nur kurzzeitig vom Tagestief erholen, nachdem US-Präsident Trump das Unternehmen in einem Truth Social-Beitrag für seine Kriegsführungsfähigkeiten gelobt hatte.
Im NYSE-Handel verloren die Anteilsscheine von Snowflake 11,83 Prozent auf 132,24 US-Dollar, während es für ServiceNow um 7,86 Prozent abwärts ging auf 89,81 US-Dollar.
Aus charttechnischer Sicht ist die Lage prekär. Jonathan Krinsky, Stratege bei BTIG, warnt laut MarketWatch davor, dass der IGV nun zum siebten Mal seit Jahresbeginn die psychologisch wichtige Unterstützungsmarke bei 77 US-Dollar testet. In der technischen Analyse gilt das Gesetz, dass ein Unterstützungsniveau mit jedem weiteren Test instabiler wird. Krinsky befürchtet daher einen endgültigen Durchbruch nach unten, der den ETF auf 70 oder sogar 65 US-Dollar drücken könnte - was einem weiteren Abwärtspotenzial von rund 15 Prozent entspräche.
"Käuferstreik" und KI-Angst
"Tatsächlich gibt es im Softwarebereich schlicht einen Käuferstreik", erklärt Kirk Materne, Analyst bei Evercore. Er ergänzt, dass sich Anleger nicht mehr nur selektiv von einzelnen Firmen trennen, sondern den gesamten Softwarebereich meiden oder aktiv leerverkaufen (Short-Positionen). Ein Haupttreiber dieser Skepsis sei die Sorge vor neuen KI-Innovationen von Konkurrenten wie Anthropic. Investoren fürchten, dass neue generative KI-Tools die traditionellen Geschäftsmodelle etablierter Softwarehäuser grundlegend infrage stellen oder gar ersetzen könnten.
Zusätzlich durchläuft die Branche einen schmerzhaften Identitätswechsel: Softwareaktien wandeln sich von einstigen Wachstumstreibern (Momentum) hin zu Substanzwerten (Value). Da viele Unternehmen diesen Übergang noch nicht akzeptieren oder kommunizieren, bleibt der Markt skeptisch, so MarketWatch. Interessanterweise korreliert die Schwäche der Softwaretitel mit einer extremen Stärke bei Halbleiteraktien, was die interne Zersplitterung des Technologiesektors weiter verdeutlicht.
Auch David Sambur von Apollo Global Management zeichnete in der CNBC-Sendung "Money Movers" kürzlich ein düsteres Bild für die Zukunft von Software-Aktien. Nach Einschätzung des Experten stehe der Sektor erst am Anfang einer tiefgreifenden Korrektur.
Sambur identifizierte dabei vier kritische Kernbereiche, die derzeit von Investoren neu bewertet werden: das grundlegende Einkommensmodell, das Profil der Bruttomargen, die teils hohen Bewertungen sowie eine sich rasant wandelnde Wettbewerbslandschaft. Insbesondere der Druck durch KI-Vorreiter wie OpenAI und Anthropic verändere die Spielregeln massiv. Der Experte sieht ein großes Risiko darin, dass künstliche Intelligenz die Markteintrittsbarrieren und Wettbewerbskosten senkt, was den Konkurrenzkampf erheblich verschärft. Solange diese Unsicherheiten bezüglich der langfristigen Rentabilität von Software-Unternehmen bestehen, sieht Sambur keine fundamentale Trendwende für die Branche.
Software-Aktie mit unterschiedlichen Vorzeichen
Am Freitag zeigten sich die Papiere aus der Software-Branche auf rotem Terrain. Während die Okta-Aktie im NASDAQ-Handel letztlich um 7,13 Prozent auf 62,93 US-Dollar fiel, zeigte sich die Microsoft-Aktie um 0,59 Prozent tiefer bei 370,87 US-Dollar. Für Palantir ging es derweil um 1,82 Prozent nach unten auf 128,11 US-Dollar. Im NYSE-Handel notierten die Anteilsscheine von Snowflake 8,42 Prozent tiefer bei 121,11 US-Dollar, während es für ServiceNow um 7,59 Prozent abwärts ging auf 82,99 US-Dollar.
Und auch im heimischen Software-Sektor zeigten sich die Papiere in den vergangenen Wochen teils klar volatil. Nachdem es für die SAP-Aktie am Donnerstag noch klar abwärts ging, zeigte sich das Papier via XETRA letztlich nur noch mit einem leichten Minus von 0,09 Prozent bei 139,38 Euro. Die Anteilsscheine von Infineon notierten derweil 1,03 Prozent stärker bei 42,83 Euro. Für ATOSS und Bechtle ging es derweil 0,81 Prozent auf 73,90 Euro nach unten bzw. 2,55 Prozent nach oben auf 29,78 Euro.
Evelyn Schmal, Martina Köhler, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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