Exporte boomen

Chinas Automarkt bricht im April nach Ölpreis-Schock ein - Warum die BYD-Aktie dennoch profitiert

11.05.26 16:44 Uhr

China-Automarkt bricht ein - doch im Ausland explodieren die Verkäufe - So reagiert die BYD-Aktie | finanzen.net

Während Chinas Automarkt im Inland an Schwung verliert, erzielen die Hersteller im Exportgeschäft neue Rekorde. Elektro- und Hybridfahrzeuge treiben das internationale Wachstum an.

• Inlandsverkäufe brechen um über 21 Prozent ein
• Autoexporte steigen um mehr als 80 Prozent
• Deutsche Hersteller geraten zunehmend unter Druck

Der chinesische Automarkt sieht sich derzeit mit einer zweigeteilten Dynamik konfrontiert. Während die Inlandsnachfrage im April drastisch einbrach, verzeichneten die Fahrzeughersteller der Volksrepublik im Ausland ein explosives Wachstum.

Drastischer Rückgang der Inlandsverkäufe

Nach Daten des Branchenverbands PCA (China Passenger Car Association) sackten die Autoverkäufe im April im Jahresvergleich um 21,5 bis 21,6 Prozent auf 1,4 Millionen Auslieferungen ab. Dies markiert den siebten Monat in Folge mit sinkenden Verkaufszahlen im Inland und stellt den schwächsten April-Wert seit den Covid-Lockdowns im Jahr 2022 dar. Seit Jahresbeginn sind die Verkäufe damit um insgesamt 18,5 Prozent gefallen. Experten führen dies auf die schwache Wirtschaftslage zurück; der Anteil der Autoausgaben am privaten Konsum fiel im ersten Quartal auf den niedrigsten Stand seit mindestens fünf Jahren.

Verbrenner unter Druck - Elektroautos verlieren an Schwung

Besonders hart traf es die klassischen Verbrennungsmotoren, deren Verkäufe infolge des Ölpreisanstiegs - ausgelöst durch den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran - um rund ein Drittel einbrachen. Doch auch die sogenannten New Energy Vehicles (NEV), die reine Elektroautos und Hybride umfassen, konnten trotz der hohen Spritpreise nicht profitieren. Ihre Verkäufe gaben um fast 7 Prozent nach, was unter anderem auf zusammengestrichene staatliche Förderungen zurückgeführt wird. Dennoch machten NEVs im April bereits 60,6 Prozent des gesamten Inlandsmarktes aus.

Export als strategischer Rettungsanker

Während der heimische Markt gesättigt scheint, erzielen chinesische Autobauer in Übersee Rekordwerte. Die Fahrzeugexporte aus China stiegen im April um 80,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Elektro- und Hybridmodellen betrug das Plus sogar 111,8 Prozent. Marktführer wie BYD forcieren diesen Fokus auf das Exportgeschäft bereits seit Längerem, um die schleppende Inlandsnachfrage zu kompensieren. Der globale Anstieg der Treibstoffpreise befeuerte dabei zusätzlich die Nachfrage nach chinesischen Elektroalternativen im Ausland.

Harte Bedingungen für deutsche und lokale Hersteller

Die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und Porsche kämpfen massiv mit diesen veränderten Bedingungen. Während sie früher in China Milliardengewinne erzielten, leiden sie heute unter der Kaufzurückhaltung wohlhabender Kunden und einem intensiven Wettbewerb. Vor allem Volkswagen müht sich, mit der harten Preiskonkurrenz lokaler Anbieter Schritt zu halten. Aber auch heimische Rivalen stehen unter Druck und versuchen, durch vertikale Integration und aggressive Rabatte Marktanteile im schrumpfenden Inlandsmarkt zu verteidigen oder den Sprung in den Export zu schaffen.

Hersteller-Aktien reagieren

Eine kritische Studie zu europäischen Autobauern der Bank of America (BofA) hat am Montag die Branche belastet. "Chinas Expansion in Europa beschleunigt sich", schrieb Analyst Horst Schneider und verwies auf Ölpreis-Risiken und das Thema Treibstoffeffizienz, das die Nachfrage zunehmend verändere: "Gesamtbetriebskostenvorteile von Elektrofahrzeugen verstärken den Druck auf den Massenmarkt." Chinesische Autobauer expandierten derzeit rasch in Europa und produzierten vor Ort, wobei sie ungenutzte Kapazitäten nutzten, um den Preisdruck zu verstärken.

Im Vormittagshandel büßte im französischen CAC 40 die von "Buy" auf "Neutral" gesenkte Aktie von Renault 2,55 Prozent auf 27,87 Euro ein. Stellantis, von "Neutral" auf "Underperform" abgestuft, verloren 2,81 Prozent auf 6,339 Euro. In Mailand gaben Ferrari 3,33 Prozent auf 279,85 Euro ab.

Hierzulande stiegen Mercedes um 0,18 Prozent auf 50,22 Euro und BMW sank um 0,93 Prozent auf 81,06 Euro. Den VW-Vorzugsaktien gelang der Sprung ins Plus. Sie legten zuletzt um 0,64 Prozent auf 88,18 Euro zu. Für diese Aktie bekräftigte Schneider seine Kaufempfehlung, senkte aber sein Kursziel von 112 auf 99 Euro. Dabei wies er auf steigende Risiken durch China hin sowie darauf, dass die Annahmen über eine Erholung zunehmend hinterfragt würden. Im MDAX gewannen Porsche 4,14 Prozent auf 44,50 Euro.

Chinas Branchenprimus BYD, der seine Exportbemühungen massiv intensiviert hat, profitiert unterdessen von den Neuigkeiten und legte in Hongkong letztlich 1,61 Prozent auf 88,20 HKD zu.

Zulieferer geben ebenso nach

Mit Ausnahme von Schaeffler schwächelten zudem die meisten Zulieferer deutlich. Für Schaeffler ging es indes im MDAX um 4,78 Prozent auf 9,20 Euro hoch. Die Quirin Privatbank hob nach den vor rund einer Woche vorgelegten Quartalszahlen ihr Kursziel für die Aktie von 8,70 auf 9,80 Euro an und bekräftigte ihre Kaufempfehlung. Wichtiger als die reine Optik des über den Erwartungen liegenden ersten Quartals sei, dass die operativen Treiber für die mittelfristigen Ziele für 2028 sichtbar an Fahrt gewönnen, schrieb Daniel Kukalj. Dabei hob er insbesondere den Geschäftsbereich E-Mobilität positiv hervor.

BofA: Chinesische Premium-Hersteller können durch Preisvorteil Kunden locken

BofA-Analyst Schneider schrieb unterdessen zu Renault, dass diesem Autobauer die Kurstreiber ausgingen und zu Stellantis, dass schon "zu viel" Erholung vorweggenommen worden sei, obwohl eine Wende zum Besseren noch nicht sicher sei.

Mit Blick auf die deutschen Premium-Hersteller geht Schneider davon aus, dass chinesische Premium-Hersteller zwar durchaus auch europäische Kunden gewinnen könnten, "allerdings vor allem dann, wenn sie einen deutlichen Preisvorteil bieten". Eine bessere Ausstattung allein dürfte im Wettbewerb mit BMW, Mercedes, Audi, Porsche und Volvo auf deren Heimatmärkten indes kaum ausreichen. Für diese etablierten Hersteller bestehe daher das eigentliche Problem vor allem darin, dass sie Marktanteile auf ihrem weltweit größten Absatzmarkt China verlören.

Claudia Stephan, Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

In eigener Sache

Übrigens: Tesla und andere US-Aktien sind bei finanzen.net ZERO sogar bis 23 Uhr handelbar (ohne Ordergebühren, zzgl. Spreads). Jetzt kostenlos Depot eröffnen und Neukunden-Bonus sichern!

Bildquellen: Philip Lange / Shutterstock.com, Robert Way / Shutterstock.com

Nachrichten zu Mercedes-Benz Group (ex Daimler)

Analysen zu Mercedes-Benz Group (ex Daimler)

DatumRatingAnalyst
02.06.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) OverweightJP Morgan Chase & Co.
21.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) OverweightJP Morgan Chase & Co.
21.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Sector PerformRBC Capital Markets
15.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) NeutralUBS AG
12.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Sector PerformRBC Capital Markets
DatumRatingAnalyst
02.06.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) OverweightJP Morgan Chase & Co.
21.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) OverweightJP Morgan Chase & Co.
08.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) OverweightJP Morgan Chase & Co.
05.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) BuyDeutsche Bank AG
29.04.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) BuyGoldman Sachs Group Inc.
DatumRatingAnalyst
21.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Sector PerformRBC Capital Markets
15.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) NeutralUBS AG
12.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Sector PerformRBC Capital Markets
06.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) HoldJefferies & Company Inc.
04.05.2026Mercedes-Benz Group (ex Daimler) Market-PerformBernstein Research
DatumRatingAnalyst
18.02.2025Mercedes-Benz Group (ex Daimler) UnderweightBarclays Capital
13.01.2025Mercedes-Benz Group (ex Daimler) UnderweightBarclays Capital
03.12.2024Mercedes-Benz Group (ex Daimler) UnderweightBarclays Capital
17.12.2021Daimler HoldHSBC
18.02.2021Daimler SellWarburg Research

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Mercedes-Benz Group (ex Daimler) nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen