finanzen.net
14.02.2020 07:29

EZB-Abteilungsleiterin: Inflationsziel von 1% wäre nicht gut

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung der für die geldpolitische Strategie zuständigen Mitarbeiterin im Rahmen ihrer Strategiediskussion bestrebt sein, geldpolitischen Handlungsspielraum zu bewahren. Wie sie in einer Veranstaltung des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) in Frankfurt deutlich machte, spricht dies gegen eine Senkung des Inflationsziels von gegenwärtig knapp 2 Prozent.

"Es geht darum, zu überlegen, wie kann der Spielraum der Geldpolitik aufrecht erhalten werden", sagte Katrin Assenmacher, Leiter der Abteilung für geldpolitische Strategie, in einer Diskussion mit Bankern.

Sie fügte hinzu: "Wenn wir sagen, wir sind mit einem Inflationsziel von 1 Prozent zufrieden, wir haben einen natürlichen Realzins, der sehr niedrig ist, vielleicht bei null über die nächsten paar Jahre, oder sogar noch darunter, dann heißt das weiterhin, dass wir keine Möglichkeit haben, die Geldpolitik für die Preisstabilisierung ausreichend einzusetzen - und ich denke nicht, dass das eine gute Situation ist."

Hintergrund ist die Diskussion, die die EZB intern, aber auch mit Wissenschaftlern und Politikern über ihre geldpolitische Strategie führen will. Dabei sollen sowohl die Inflationsmessung, als auch das Inflationsziel und sämtliche geldpolitischen Instrumente auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen geprüft werden.

Zumindest in der Finanzindustrie, die unter dem aktuellen Niedrigzinsumfeld leidet, herrscht die Meinung, dass die EZB ihre Instrumente nun ausgeschöpft hat. BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig sagte: "Der BdB begrüßt, dass die EZB ihre geldpolitische Strategie und die Negativzinsen überprüfen will." Die EZB hat ihre Leitzinsen schon vor längerem auf null gesenkt und den Satz für Überschusseinlagen der Banken bei der EZB auf minus 0,50 Prozent.

Zudem hat sie ihre Bilanz immens vergrößert und zudem im November damit begonnen, die Bilanz über Anleihekäufe unbefristet auszuweiten. Sie sagt außerdem zu, ihre Zinsen so lange wie nötig auf dem aktuellen, oder einem noch niedrigeren Niveau zu halten - dies vor dem Hintergrund von rund 1 Prozent Wirtschaftswachstum und einer Inflationsrate von um die 1 Prozent. Assenmacher sagte: "Wir wissen, dass im Falle einer neuerlichen Rezession der Spielraum eingeschränkt ist."

Gegenwärtig vermischen sich zwei Diskussionen. Die eine geht der Frage nach: Was kann die EZB im Falle eines neuen makroökonomischen Schocks noch tun? Die andere dreht sich um die Frage: Wie soll die EZB mit der Tatsache umgehen, dass das allgemeine Inflations- und Zinsniveau seit Jahrzehnten sinkt? In Deutschland ist immer mal wieder die Meinung zu hören, die EZB müsse sich den Realitäten anpassen und das unrealistisch hohe Inflationsziel von knapp 2 Prozent aufgeben.

Katrin Assenmacher findet das nicht. "Die übliche Argumentation ist: Um den Spielraum der Geldpolitik zu erhöhen, sollte man ein höheres Inflationsziel haben, um genügend Spielraum für den Realzins zu generieren", sagte sie.

Dahinter steht folgende Überlegung: Weil der Realzins der Nominalzins abzüglich der erwarteten Inflation ist, und ein höheres Inflationsziel die Inflationserwartungen wohl steigen ließe, läge der Realzins bei unverändertem Nominal- bzw. Leitzins niedriger als vorher. Die Zentralbank müsste ihren Leitzins, um den Realzins unter den realen Gleichgewichtszins zu senken - dann wirkt er wachstums- und inflationsfördernd -, weniger stark senken.

"Wir wissen, wir werden weiterhin nahe an der Nullzinsgrenze sein. Und das liegt an dem natürlichen Zins, der sehr niedrig ist, das liegt an der demografischen Entwicklung, das liegt an der Produktivität, und wir werden uns mit dieser Situation irgendwie auseinandersetzen müssen", sagte Assenmacher.

Die Strategiediskussion wird nach Aussage der EZB noch bis Jahresende dauern.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/raz

(END) Dow Jones Newswires

February 14, 2020 01:30 ET (06:30 GMT)

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