EZB/Lane: Dynamik bei Dienstleistungspreisen muss sinken

17.06.24 11:44 Uhr

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Das Vertrauen der Europäischen Zentralbank (EZB) in einen Rückgang der Inflation auf 2 Prozent bis Ende 2025 beruht nach Aussage von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane auch auf der Erwartung langsamer steigender Dienstleistungspreise. "Die Dreimonatsraten müssen zurückkommen", sagte Lane bei einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Reuters. Lane sieht offenbar gut Chancen, dass es dazu kommen wird.

Er verwies darauf, dass sich viele preistreibende Ereignisse etwa bei Versicherern und Tourismusunternehmen auf den Jahresbeginn konzentrierten. "Im vergangenen Jahren hat sich das Momentum im zweiten Halbjahr deutlich verringert", sagte er. Lane sagte aber auch, dass die Dienstleistungspreisinflation aus Sicht der EZB nicht auf 2 Prozent fallen müsse.

Der EZB-Chefvolkswirt äußerte sich außerdem zuversichtlich, dass die Lohndynamik im nächsten Jahr nachlassen wird. "Nächstes Jahr werden die Abschlüsse viel näher an ihrem längerfristigen Niveau von 3 bis 3,5 Prozent liegen", sagte er. Die von der EZB befragten Unternehmen hätten in der jüngsten Umfrage angegeben, im nächsten Jahr weniger Geld für Lohnerhöhungen zu haben als in diesem. "Das ist sehr wichtig für uns", sagte er.

Lane betonte die Datenabhängigkeit der EZB-Geldpolitik. "Wenn die Inflation höher bleibt als von uns erwartet oder das Wachstum höher ist, dann werden wir uns langsamer bewegen", sagte er mit Blick auf mögliche Zinssenkungen. Die EZB geht nach seinen Worten davon aus, dass ihre Geldpolitik weiterhin restriktiv ist und vorerst bleiben wird und die Inflation weiterhin bremsen wird. "Wir denken nicht, dass unsere Geldpolitik ihre maximale Wirkung mit Blick auf die Inflation schon erreicht hat", sagte er.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/mgo

(END) Dow Jones Newswires

June 17, 2024 05:44 ET (09:44 GMT)