22.11.2021 21:20

EZB/Villeroy de Galhau will große Flexibilität nach PEPP-Ende

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FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau die große Flexibilität des Pandemiekaufprogramms PEPP auch über dessen avisiertes Ende im März 2022 hinaus soweit wie möglich erhalten. Als eine leicht umzusetzende Option nennt das EZB-Ratsmitglied im Interview der Börsen-Zeitung dabei die Möglichkeit, statt eines monatlichen Kaufvolumens ein Gesamtvolumen festzusetzen. Andere Elemente der PEPP-Flexibilität könne die EZB auf anderen Wegen in ihrem "virtuellen Werkzeugkasten" bewahren.

Im EZB-Rat werden gegenwärtig die Weichen für die Zukunft der Geldpolitik gestellt werden. Für die Sitzung Mitte Dezember hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde wichtige Entscheidungen angekündigt. Als nahezu ausgemacht gilt, dass das 1.850 Milliarden Euro umfassende PEPP-Programm im März 2022 beendet wird. Unklar ist aber, wie es danach weitergeht - ob etwa das parallele Anleihekaufprogramm APP aufgestockt wird. Umstritten im EZB-Rat ist vor allem die Frage, ob und wie die PEPP-Flexibilität erhalten werden soll. Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der den Rat zum Jahresende verlässt, hat sich dazu stets kritisch geäußert.

"Flexibilität ist mindestens genauso wichtig wie Volumina", sagt dagegen Villeroy de Galhau. Ein wesentliches Element dieser Flexibilität sei es, dass es kein festes Kaufvolumen pro Monat gibt. "Diese Flexibilität könnte leicht auf das APP übertragen werden", so Villeroy de Galhau. Derzeit kauft das Eurosystem im Rahmen des APP Anleihen für 20 Milliarden Euro pro Monat - vor allem Staatsanleihen. Eine Erhöhung der APP-Nettokäufe bei einem Ende von PEPP sei "zum jetzigen Zeitpunkt eine Möglichkeit, aber noch keine Notwendigkeit", sagte der Notenbanker.

Die anderen Elemente der PEPP-Flexibilität seien jene über Asset-Klassen und Länder hinweg, so Villeroy de Galhau. Das sei zwar für das APP nicht relevant. "Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie wir solche Elemente der Flexibilität in anderen Formen in Zukunft als Teil unseres 'virtuellen Werkzeugkastens' bewahren können."

Angesichts der unerwartet hartnäckig hohen Inflation im Euroraum sieht Villeroy de Galhau die EZB aktuell vor einer besonderen Gratwanderung. "Wir müssen gleichzeitig geduldig und wachsam sein", sagt er. "Wir dürfen nicht überreagieren und die Geldpolitik vorzeitig straffen." Der aktuelle Inflationsanstieg sei vorübergehend. Zugleich müsse die EZB aber genau aufpassen und gegensteuern, falls sich die inflationären Kräfte verfestigen sollten. "Wenn sich die Situation ändert, sollten wir nicht zögern zu handeln."

Grundsätzlich steuert die EZB laut Villeroy de Galhau nach dem avisierten PEPP-Ende im März 2022 auf eine weitere allmähliche Normalisierung ihrer Geldpolitik zu - wobei Zeitpunkt und Tempo aber offen und abhängig von der Inflationsentwicklung sind. Über die "generelle Ausrichtung unserer Geldpolitik" gebe es "einen breiten Konsens".

Laut Villeroy de Galhau geht es jetzt um zwei Schritte: "Erstens: Wir müssen aus unseren bewährten Kriseninstrumenten aussteigen." Das gelte für das PEPP und für das derzeitige TLTRO-Programm. "Danach werden wir in einem zweiten Schritt damit beginnen, unsere geldpolitische Akkomodierung allmählich anzupassen", so der Franzose.

Dann werde der EZB-Rat über das parallele Anleihekaufprogramm APP und die Leitzinsen entscheiden. Überlegungen seines EZB-Ratskollegen Robert Holzmann über ein Ende aller Anleihekäufe im September nannte Villeroy de Galhau indes "verfrüht".

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab

(END) Dow Jones Newswires

November 22, 2021 15:21 ET (20:21 GMT)

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