finanzen.net
14.06.2018 16:57
Bewerten
(0)

EZB will Zinsen frühestens im Herbst 2019 anheben

DRUCKEN

- von Frank Siebelt

Frankfurt/Riga (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wichtige Weichen für eine Normalisierung ihrer seit Jahren extrem lockeren Geldpolitik gestellt.

Sie kündigte am Donnerstag in Riga an, die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Zudem stellten die Währungshüter in ungewöhnlich deutlichen Worten klar, dass die Leitzinsen frühestens im Herbst 2019 angehoben werden - ein Tick später als manche Experten erwartet hatten. Die Kluft zur US-Notenbank dürfte damit noch größer werden, weil jenseits des Atlantiks die Fed das Tempo bei ihren Zinserhöhungen angesichts des dortigen Wirtschaftsbooms sogar noch erhöhen will.

Die Aussicht auf weiterhin niedrige Zinsen in Europa gab dem Dax kräftig Auftrieb. Der deutsche Leitindex sprang erstmals seit Mai wieder über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten. Dagegen ließ der Euro Federn und gab zeitweise bis zu 1,5 Prozent auf 1,1617 Dollar nach.

EZB-Chef Mario Draghi verwies nach der Zinssitzung auf einen soliden und breitgefächerten Wirtschaftsaufschwung, trotz einiger Rückschläge in den vergangenen Monaten. Zudem ziehe die Inflation - wie von der Notenbank angestrebt - an. Die EZB peilt knapp zwei Prozent als idealen Wert für die Wirtschaft an, verfehlt diesen aber seit Jahren. Die hauseigenen Ökonomen der EZB hoben zumindest ihre Vorhersagen für dieses und nächstes Jahr an. Allerdings dürfte die Inflation auch 2020 mit 1,7 Prozent noch etwas unter der Zielmarke bleiben.

ÖKONOMEN: EZB SORGT FÜR KLARE VERHÄLTNISSE

Ökonomen begrüßten die Beschlüsse: "Die Neuigkeit ist die unerwartete Klarheit. Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB so derart weit aus dem Fenster lehnt", erklärte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Es müsse jetzt schon einen dramatischen Einbruch beim Wirtschaftwachstum geben, damit sie von dieser recht klaren Festlegung wieder abrücke und die Käufe verlängere. "Die Inflation spricht für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik", sagte Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank.

Momentan erwerben die Währungshüter noch Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 30 Milliarden Euro pro Monat. Von Oktober an bis Ende 2018 sollen es nur noch 15 Milliarden sein. Damit ist Gesamtprogramm inzwischen auf knapp 2,6 Billionen Euro angelegt. Es war in den vergangenen Jahren die wichtigste Waffe der EZB im Kampf gegen die niedrige Inflation. Im Mai kletterte die Teuerung bereits auf 1,9 Prozent und liegt damit - zumindest kurzfristig - wieder im Zielbereich der Notenbank.

Über Zinserhöhungen sprachen die Euro-Wächter auf dem Treffen in der lettischen Hauptstadt laut Draghi nicht. Die Leitzinsen sollen noch bis mindestens einschließlich Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau bleiben - dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Die EZB hatte zum letzten Mal 2011 ihre Sätze angehoben, bevor sie wegen der Staatsschuldenkrise zu einer extrem lockeren Geldpolitik umschwenkte. Die Beschlüsse zum Zinsausblick seien einstimmig gefallen, betonte Draghi.

Volkswirten zufolge rückt an den Börsen nun die Zinswende in den Fokus. "Der Markt wird ab jetzt vor allem über das Datum der ersten Zinserhöhung spekulieren", sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert. Diese könne entgegen der Verlautbarung der EZB früher kommen, wenn sich ein Inflationsdruck aufbaue. "Sie könnte aber auch später erfolgen, wenn die gegenwärtige leichte Konjunkturschwäche länger andauert."

ITALIEN KEIN GROSSES THEMA

Im Unterschied zur EZB hat die Fed in den USA ihre Geldpolitik bereits deutlich stärker gestrafft. Am Mittwoch erhöhte sie ihren Leitzins um einen weiteren Viertelpunkt auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit zehn Jahren. Die Fed begann bereits Ende 2015 damit, die Zinsen anzuheben und hat damit jetzt einen größeren Handlungsspielraum.

Die jüngsten Marktturbulenzen in Italien spielten laut Draghi im EZB-Rat keine große Rolle. "Die Diskussion war nicht von Bedeutung", so der Italiener. Im Gegensatz zu den Jahren 2011 und 2012, als mehrere Länder ins Visier von Investoren gerieten, habe es diesmal keine Ansteckungseffekte gegeben: "Es war ein ziemlich regional begrenzter Vorfall." Befürchtungen, die Regierung in Rom aus populistischer 5-Sterne-Bewegung und rechter Lega könnte mit massiven Ausgabensteigerungen eine Schuldenkrise auslösen, hatten an den Anleihenmärkten für Nervosität gesorgt.

Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Fünf deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten!

Das Gute liegt oft so nah. Heimische Internet-Unternehmen rollen den Markt auf. Im neuen Anlegermagazin erwartet Sie ein Special über deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten.
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht schwächer ins Wochenende -- Dow Jones schließt im Plus -- Daimler senkt Gewinnprognose -- Erster EZB-Zinsschritt 2019 wegen Italien-Streit später erwartet -- Apple kündigt weitere Keynote an

Hersteller sollen Google für Apps zahlen. Chinas Wachstum fällt unerwartet stark. Akorn legt Berufung im Prozess gegen Fresenius ein. Porsche: Verfolgen derzeit keinen Börsengang. EU sieht schwere Verstöße Italiens gegen Haushaltsregeln. Software AG übertrifft Erwartungen und bestätigt Jahresprognose. American Express steigert Quartalsgewinn um 22 Prozent.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die weltweit größten Smartphone-Hersteller
Der Worldwide Quarterly Mobile Phone Tracker
So viel erhalten Bundesliga-Clubs durch Trikotsponsoring
Das Trikotsponsoring der Bundesliga 2018/2019
In diesen Städten leben die Superreichen
Welche Stadt ist besonders beliebt?
Automobilneuheiten-Messe
Neue Studien und Serienfahrzeuge
Best Global Brands 2018
Die Top 20 der wertvollsten Marken weltweit
mehr Top Rankings

Umfrage

Glauben Sie, dass Angela Merkel Anfang Dezember auf dem Parteitag der CDU als Parteichefin wiedergewählt wird?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Daimler AG710000
Aurora Cannabis IncA12GS7
Deutsche Bank AG514000
Wirecard AG747206
Amazon906866
Deutsche Telekom AG555750
BASFBASF11
BVB (Borussia Dortmund)549309
Apple Inc.865985
Lufthansa AG823212
EVOTEC AG566480
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
CommerzbankCBK100
Steinhoff International N.V.A14XB9
SAP SE716460