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20.11.2018 17:06
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Finanzaffäre zieht Kreise - Frankreich will Ablösung von Ghosn

DRUCKEN

- von Laurence Frost

Paris (Reuters) - Nach der Festnahme von Renault-Chef Carlos Ghosn wegen des Verdachts der Veruntreuung von Firmengeldern in Japan fordert Hauptaktionär Frankreich schnelles Handeln.

"Carlos Ghosn ist nicht mehr in der Position, Renault zu führen", sagte Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire am Dienstag dem französischen Sender "Info radio". Übergangsweise solle ein neues Management die Führung übernehmen. "Renault wurde geschwächt, und das macht es umso notwendiger, schnell zu handeln", drängte Le Maire. Er habe die französischen Steuerbehörden gebeten, sich den Fall anzusehen, bisher hätten sie aber nichts Auffälliges entdeckt.

Der Verwaltungsrat von Renault wollte noch am Abend zusammenkommen, um über die Affäre zu beraten. Schon vor Beginn der Sitzung teilte der Autobauer mit, dass es auf eine interne Nachfolgelösung hinauslaufen wird: Der bislang für das operative Geschäft zuständige Vorstand Thierry Bolloré sei damit beauftragt worden, sich vorerst um alles zu kümmern. Bolloré galt schon bislang als Nummer zwei bei Renault hinter Ghosn.

Die bei Nissan bekannt gewordenen Ermittlungen zu Ghosns vermutlichen Rechtsverstößen greifen unterdessen auf die Firmenallianz von Renault, Nissan und Mitsubishi über, wie mehrere Insider Reuters sagten. Nissan habe den Verwaltungsrat des französischen Partners am Montag über Hinweise auf Fehlverhalten bei dem Gemeinschaftsunternehmen Renault-Nissan BV in den Niederlanden informiert, sagten drei mit dem Sachverhalt vertraute Personen. Über das Joint Venture überwacht und finanziert Renault die Aktivitäten der Auto-Allianz. Die Franzosen sind mit 43 Prozent an Nissan beteiligt, der japanische Partner wiederum hält 15 Prozent an Renault. Die Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.

SORGE UM BESTAND DER FIRMENALLIANZ

Ghosn war am Montag in Japan unter dem Verdacht der Veruntreuung von Firmengeldern festgenommen worden. Bei monatelangen Untersuchungen sei herausgekommen, dass der 64-jährige Verwaltungsratschef von Nissan Firmengelder für private Zwecke verwendet und über Jahre zu niedrige Angaben zu seinem Einkommen gemacht habe, erläuterte Nissan-Chef Hiroto Saikawa. Ghosn soll am Donnerstag seines Postens bei Nissan enthoben werden.

Für den französischen Staat, mit 15 Prozent an Renault beteiligt, hat der Erhalt des Firmenbündnisses oberste Priorität. Finanzminister Le Maire und sein japanischer Amtskollege Hiroshige Seko erklärten gemeinsam, sie teilten den Wunsch, die gewinnbringende Kooperation aufrecht zu erhalten. Auch Mitsubishi will nun prüfen, ob es Verdachtsmomente gegen Ghosn gibt. Der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge trifft sich der Verwaltungsrat nächste Woche, um über die Zukunft seines Vorsitzenden Ghosn zu entscheiden.

Der in Brasilien geborene Franzose mit libanesischen Wurzeln ist weltweit einer der einflussreichsten Automanager. Er gilt als Architekt der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi, die den weltgrößten Autoherstellern Volkswagen und Toyota den Rang ablaufen will. Das Bündnis könnte nach Befürchtung vieler zerbrechen, wenn Ghosn nicht mehr die Fäden in der Hand hält. "Ich glaube nicht, dass es auf der ganzen Welt nochmal jemanden gibt wie Ghosn, der Renault, Nissan und Mitsubishi führen kann", sagte Mitsubishi-Chef Osamu Masuko in Tokio. Auch ein Nissan-Manager, der namentlich nicht genannt werden wollte, äußerte gegenüber Reuters die Sorge, dass ohne eine zentrale Figur die Entscheidungsprozesse in der Allianz an Geschwindigkeit verlieren könnten.

Unter den Firmen knirschte es allerdings immer wieder. Denn Nissan hat einen viel höheren Absatz als Renault, ist aber mit seiner kleineren Kapitalbeteiligung der Juniorpartner. Unter dem Druck der französischen Regierung wollte Ghosn in diesem Jahr die Zusammenarbeit vertiefen, um mehr Kostenvorteile zu heben und französische Industrieinteressen zu sichern. Das kam in Tokio nicht gut an.

HÄUSER IN RIO, BEIRUT, PARIS UND AMSTERDAM

Details zu den Vorwürfen gegen Ghosn sind nicht bekannt. Nach Angaben von Nissan gab es einen Hinweisgeber. Der staatliche japanische Sender NHK berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, Nissan habe Milliarden Yen für den Kauf und die Renovierung von Häusern für Ghosn in Rio, Beirut, Paris und Amsterdam bezahlt. Nach japanischem Recht kann Ghosn bis zu 20 Tagen in Gewahrsam bleiben, bis er angeklagt wird. Dem Manager droht eine Haft von bis zu zehn Jahren.

An der Börse und in der Branche hatte die Nachricht von der Festnahme des Renault-Chefs eine Schockwelle ausgelöst. Die Aktien des Konzerns waren am Montag um mehr als zehn Prozent eingebrochen, am Dienstag verloren sie weitere knapp vier Prozent an Wert.

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