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10.08.2021 14:42

Firmenpleiten sinken deutlich - Keine Trendwende in Sicht

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Berlin (Reuters) - Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist im Mai massiv gesunken.

Die Unternehmensinsolvenzen fielen binnen Jahresfrist um 25,8 Prozent auf 1116, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag erklärte. Grund für den rückläufigen Trend in den vergangenen Monaten trotz der Corona-Krise war die lange Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, mit der die Politik eine Pleitewelle verhindern will. Hinweise auf die künftige Entwicklung geben die beantragten Regelinsolvenzverfahren, wo sich zuletzt eine Stagnation abzeichnete. Auch im Juli lag hier die Zahl nahe den Werten des Vormonats (minus 0,1 Prozent) und des Vorjahresmonats (plus 0,4 Prozent).

"Der weiterhin sehr deutliche Rückgang der Unternehmensinsolvenzen lässt sich nicht auf die staatlichen Interventionen während der Pandemie reduzieren, sondern offenbart auch langfristige Trends", erläuterte Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbands der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID). Der langfristige Trend rückläufiger Gewerbeanmeldungen, der fast parallel zu den langjährig sinkenden Insolvenzzahlen verlaufe, sei ein deutliches Beispiel dafür. "Nach den Erfahrungen der Praxis ist auch in den Monaten Juni und Juli 2021 mit einem sehr niedrigen Insolvenzaufkommen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu rechnen", betonte Niering.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte jüngst in einer Studie erklärt, die Zahl der Firmenpleiten sei im Juli auf ein Rekordtief von 639 Personen- und Kapitalgesellschaften gefallen. Das seien gut 25 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen im Mai gab es laut Statistikamt am Bau mit 180 und im Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) mit 168 Verfahren. Im Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen wurden 133 Insolvenzen gemeldet. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger bezifferten die Amtsgerichte für Mai auf rund sieben Milliarden Euro, nach knapp 3,1 Milliarden Euro vor einem Jahr. Hintergrund ist hier, dass größere Firmen Insolvenz beantragt haben als im Mai 2020.

Bis Ende 2020 hatte der Staat die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen ausgesetzt. Bis Ende April 2021 galt dies auch noch für Firmen, bei denen die Auszahlung der seit November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfen noch ausstand. Seit Mai ist die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens wieder vollumfänglich in Kraft. Für den Monat sei unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeit bei den Gerichten aber noch keine Zunahme der Insolvenzen erkennbar, erklärten die Statistiker. "Dies wird sich voraussichtlich erst in späteren Berichtsmonaten zeigen."

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen hingegen kletterte im Mai erneut deutlich - und zwar um rund 42 Prozent zum Vorjahr auf 6159. Grund für den starken Anstieg ist ein Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von sogenannten Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre. Diese Neuregelung gilt seit dem 1. Oktober 2020. Viele überschuldete Privatpersonen haben deshalb ihren Insolvenzantrag zunächst zurückgehalten, um von der Neuregelung zu profitieren.

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