Helium-Engpass durch Iran-Krieg: Warum Chip-Aktien jetzt in den Fokus rücken

Der Iran-Krieg belastet die Lieferketten der Halbleiterindustrie. Warum der Helium-Engpass für Chip-Aktien jetzt zum neuen Risikofaktor wird.
Werte in diesem Artikel
• Heliumpreise haben sich am Spotmarkt teils mehr als verdoppelt
• Chip- und Halbleiterwerte wie Samsung, SK hynix und TSMC von Engpass betroffen
• Anleger sollten neben Chipwerten auch mögliche Profiteure der Knappheit beobachten
Die durch den Iran-Krieg verursachte Verknappung von Ressourcen setzt der globalen Wirtschaft weiter zu. Während vor allem der vielzitierte Ölpreis für lange Gesichter in der Industrie sorgt, bremst ein weiteres Gut die Produktion in der Chip-Branche.
Helium-Angebot um ein Drittel eingebrochen
Für gewöhnlich macht Helium keine Schlagzeilen. Doch der militärische Konflikt im Nahen Osten macht das Edelgas zu einem Belastungsfaktor für die Halbleiterindustrie. Barron's zufolge ist durch die Kämpfe rund ein Drittel des weltweiten Angebots ausgefallen. Besonders betroffen ist Katar, einer der wichtigsten Lieferanten des Gases, wo Störungen an zentralen Anlagen die Exporte belasten.
Wie stark die Verknappung die Branche bereits trifft, zeigt ein Blick nach Japan. Einem Bericht von Bloomberg zufolge brachen die japanischen Heliumimporte aus Katar im März um über 80 Prozent auf rund 8.800 Kilogramm ein. Zudem ist der Spotpreis, der für gewöhnlich bei rund 500 US-Dollar je tausend Kubikfuß liegt, auf etwa 1.000 bis 1.200 US-Dollar gestiegen, so Barron's.
Warum die Halbleiterindustrie unter der Verknappung leidet
Für Chiphersteller ist Helium ein schwer zu ersetzendes Gut. Das Gas wird in der Produktion gebraucht, um bei der Bearbeitung von Siliziumwafern stabile Temperaturen sicherzustellen. Damit betrifft der Engpass nicht irgendeinen Nebenbereich, sondern einen zentralen Teil der globalen Halbleiterfertigung.
Besonders Samsung Electronics und SK hynix stehen laut Barron's im Fokus, weil südkoreanische Chipkonzerne bislang einen großen Teil ihres Heliums aus Katar bezogen haben. Gleiches gilt auch bei TSMC. Für die Konzerne geht es deshalb nicht nur um höhere Einkaufspreise, sondern um die Absicherung laufender Produktionsprozesse.
Noch droht offenbar kein akuter Produktionsstopp: TSMC soll über Vorräte für rund sechs Monate verfügen, Samsung und SK hynix laut Reuters über Bestände für etwa vier bis sechs Monate.
Das können Anleger aus der Helium-Knappheit ableiten
Für Chipaktien ist die aktuelle Verknappung zunächst vor allem ein zusätzlicher Risikofaktor. Reuters berichtet unter Berufung auf den Branchenverband SEMI, dass die weltweiten Halbleiterumsätze in diesem Jahr auf eine Billion US-Dollar steigen könnten. SEMI-Chef Ajit Manocha sagte gegenüber der Nachrichtenagentur: "Dieses Jahr ist wahrscheinlich gesichert."
Trotzdem dürfte der Markt bei Werten wie Samsung, SK hynix und TSMC künftig genauer auf Lagerbestände, Lieferverträge und Margen achten. Je länger die Störung der Lieferkette anhält, desto stärker kann aus einem Kostenproblem ein Produktionsrisiko werden.
Anleger könnten deshalb aber auch einen Blick auf mögliche Profiteure der Knappheit wagen. ExxonMobil zum Beispiel produziert etwa 20 Prozent des weltweit verfügbaren Heliums und dürfte von dem Engpass profitieren. Auch Air Liquide, Air Products & Chemicals und Linde dürften Barron's zufolge unter die Lupe genommen werden.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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