31.07.2021 09:36

Forschung: Private Vorbilder und Normen wichtig gegen Impfmüdigkeit

Werbung

MANNHEIM/KOBLENZ/LANDAU (dpa-AFX) - Im Ringen um steigende Impfzahlen und sinkende Neuinfektionen könnte nach Ansicht von Wissenschaftlern aus Landau und Mannheim bereits der Blick in die Nachbarschaft, ins Fußballteam oder den Freundeskreis ein Ansporn sein. Denn nach einer neuen Studie entscheidet in der Pandemie weniger die eigene Persönlichkeit oder die gefühlte Angst als vielmehr das Verhalten anderer, ob eine Maske getragen oder ein Impftermin wahrgenommen wird.

Forscher der Universitäten Koblenz-Landau und Mannheim haben nach eigenen Angaben herausgefunden, dass soziale Normen den stärksten Einfluss darauf haben, ob sich Menschen an Regeln halten oder nicht. "Ausschlaggebend ist, wie ich das Verhalten nahestehender Personen wahrnehme, weniger die eigene Persönlichkeit oder die subjektive Bedrohung", bilanzieren Selma Rudert (Koblenz-Landau) und ihr Kollege Stefan Janke (Mannheim) in einer Studie. Die Untersuchung wurde in der psychologischen Fachzeitschrift "Group Processes and Intergroup Relations" des US-Wissenschaftsverlags Sage Publications veröffentlicht.

"Soziale Normen sind relativ mächtig", sagte Janke zudem der dpa. "Ich ziehe sie aus meinem direkten Umfeld, ich schaue sie mir im Verein ab, bei Freunden und Verwandten. Das sind die Champions meiner lokalen Community, die als Vorbilder taugen."

Untersucht wurden Verhaltensweisen kurz nach dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres. Geprüft worden sei unter anderem, ob sich Menschen an die Abstandsregeln und das Vermeiden von direktem physischen Kontakt hielten und andere Menschen während der Krise unterstützen, berichteten die Forscherin und der Forscher. Dazu gehörten beispielsweise Nachbarschaftshilfen oder das Nähen von Masken, andererseits sogenannte Hamsterkäufe oder das Missachten geltender Regeln.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass insbesondere soziale Normen vorhersagen, ob Menschen sich an die geltenden Vorschriften und Empfehlungen halten", fasst Sozialpsychologin Rudert die Ergebnisse der Studie zusammen. Soziale Normen entstehen dabei vor allem durch Verhaltensweisen, die Menschen bei Nahestehenden wahrnehmen, etwa in der Familie oder im Freundeskreis, wie sie erklärt. "Geht eine Person davon aus, dass ihre Familienmitglieder oder Freunde sich an die Abstandsregeln halten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Person sich künftig ebenso verhält."

Insbesondere in Zeiten von Unsicherheit und Krise fühlten sich Menschen durch soziale Normen sicherer und erfüllten ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit. "Die meisten Menschen sind bestrebt, sich korrekt und angebracht zu verhalten. Das Verhalten anderer ist typischerweise informativ dafür, was als "korrekt" gilt", sagt Janke.

Die Daten geben nach Angaben des Mannheimer Wissenschaftlers zwar keinen direkten Aufschluss über die aktuelle Corona-Kampagne und die Impfmüdigkeit, weil sie während des ersten Lockdowns erhoben wurden. "Wir glauben dennoch, dass die Ergebnisse übertragbar sind", sagte er.

Die Debatte über Impfen oder Lockerungen zum Beispiel? Sollte weniger an die Vernunft appellieren oder auch nicht die Bedrohung durch das Virus hervorheben, empfehlen Janke und Rudert. Vielmehr sollten nach dem Motto "Tue Gutes und rede darüber" Vorbilder herausgestellt werden. Impfpflaster-Selfies auf Instagram seien ein sehr gutes Beispiel. Prominente dagegen könnten zwar helfen, die Akzeptanz zu steigern. "Aber sie haben den Nachteil, dass sie in einer völlig anderen Welt leben und man sich selten ausreichend mit ihnen identifizieren kann", sagte Janke.

Bislang haben über 62 Prozent der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz laut RKI mindestens eine erste Impfung bekommen. Als vollständig geimpft gelten den Daten zufolge über 51 Prozent./mov/DP/zb

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

DAX geht unter 15.500 Punkten ins Wochenende -- US-Börsen schließen schwächer -- Cerberus: Interesse an Commerzbank-Staatsanteil -- Vonovia, Deutsche Wohnen, Biotest im Fokus

Drägerwerk: Aussicht auf höhere Dividende. Weiter verschärft: Daimler Truck leidet unter Halbleiter-Engpässen. Tesla-Chef Musk kommt zum Tag der offenen Tür nach Deutschland. Deutsche Bank-Aktie: Sewing entschuldigt sich für scharfe Kritik in Analysten-Studie. HOCHTIEF-Tochter CIMIC erhält Auftrag für Western Sydney Airport. Stimmung der US-Verbraucher hellt sich im September auf. E.ON-Chef setzt auf Netze als Treiber der Energiewende.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Jobs werden künftig Roboter übernehmen
Billiger als der Mensch.
Bei diesen Unternehmen gibt es in Deutschland das höchste Gehalt
Bei diesen Unternehmen gibt es in Deutschland das höchste Gehalt
Rohstoffe: Die Gewinner und Verlierer im August 2021
Welcher Rohstoff macht das Rennen?
Die 30 weltgrößten Unternehmen
Es gibt hunderte milliardenschwere Unternehmen. Die Top 30.
Jobs mit Zukunft und hohem Gehalt
Hier wird man auch künftig noch gut bezahlt
mehr Top Rankings

Umfrage

Wenn morgen Bundestagswahl wäre, wen würden Sie wählen?

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln