Akien von Shell, BP & Chevron im Blick: Brüchige Waffenruhe im Iran - Exxon warnt vor Gewinnrückgang

Die brüchige Waffenruhe im Iran-Konflikt sorgt erneut für Bewegung am Ölmarkt. Gleichzeitig signalisiert Exxon trotz hoher Ölpreise einen schwächeren Quartalsgewinn.
Werte in diesem Artikel
• Waffenruhe im Iran-Konflikt steht auf der Kippe, Ölpreise steigen wieder deutlich
• Exxon erwartet schwächeren Q1-Gewinn trotz hoher Ölpreise durch Sondereffekte
• Öl-Aktien stabilisieren sich nach Rücksetzer
Wackelige Waffenruhe treibt Ölpreise wieder nach oben
Die Lage am Ölmarkt bleibt hochdynamisch. Nachdem die Ankündigung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sowohl die Ölpreise als auch die Aktien der Öl-Konzerne zunächst einbrechen ließ, dreht die Stimmung nun wieder.
Laut dpa-AFX mehren sich die Zweifel an der Stabilität der Vereinbarung. Neue Drohungen aus Teheran und geopolitische Spannungen im Nahen Osten lassen eine Eskalation wieder wahrscheinlicher erscheinen. Entsprechend ziehen die Ölpreise wieder an. Auch die wichtige Straße von Hormus bleibt ein Unsicherheitsfaktor für den globalen Ölhandel.
Kriegsauswirkungen belasten Förderung und Produktion
Bereits zuvor hatte der Konflikt deutliche Spuren in der Branche hinterlassen. So musste Shell seine Förderprognose im Gasgeschäft senken, nachdem Anlagen in Katar durch einen iranischen Luftschlag beschädigt worden waren.
Auch Exxon Mobil berichtete von Produktionsausfällen, die auf den Krieg im Nahen Osten zurückzuführen sind. Zeitweise hatte die Hoffnung auf Entspannung durch die Waffenruhe die Ölpreise stark gedrückt, da die geopolitische Risikoprämie aus dem Markt wich. Nun kehrt diese Unsicherheit offenbar zurück.
Exxon signalisiert schwächeren Gewinn trotz hoher Ölpreise
Exxon selbst liefert allerdings ein differenziertes Bild: Zwar profitieren die Erlöse grundsätzlich von den gestiegenen Öl- und Gaspreisen infolge des Iran-Kriegs, dennoch dürfte der Gewinn im ersten Quartal unter dem Vorquartal liegen.
Laut Reuters belasten vor allem sogenannte Timing-Effekte aus Absicherungsgeschäften die Bilanz mit mehreren Milliarden Dollar. Diese entstehen, weil Gewinne aus physischen Lieferungen zeitlich verzögert verbucht werden. Analysten erwarten daher einen Rückgang des Quartalsgewinns auf rund 5 Milliarden US-Dollar nach 7,3 Milliarden US-Dollar im Vorquartal. Langfristig könnten sich diese Effekte jedoch wieder positiv auflösen.
Öl-Aktien stabilisieren sich nach Rücksetzer
An den Aktienmärkten zeigt sich die Unsicherheit ebenfalls. Nachdem Ölwerte im Zuge des Konflikts in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt hatten, brachte die Waffenruhe zunächst einen Dämpfer.
Im US-Handel zeigte sich die Exxon Mobil-Aktie 0,76 Prozent letztlich tiefer bei 155,04 US-Dollar, während Chevron um 1,38 Prozent auf 190,23 US-Dollar fiel. In Europa zeigten sich die Papiere von Shell und BP in London schlussendlich 1,4 Prozent stärker bei 34,48 GBP bzw. 3,16 Prozent höher bei 5,8 GBP.
Für Anleger bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll. Die Entwicklung der Ölpreise hängt derzeit weniger von klassischen Angebots- und Nachfragefaktoren ab als von geopolitischen Risiken. Solange die Lage im Nahen Osten angespannt bleibt und die Waffenruhe jederzeit kippen kann, dürfte die Volatilität bei Öl und entsprechenden Aktien hoch bleiben.
Bundesregierung prüft Verkauf von BP-Raffinerie in Gelsenkirchen
Das Bundeswirtschaftsministerium prüft nach einem Medienbericht den Verkauf einer BP-Raffinerie in Gelsenkirchen an einen US-Investor. Wie der "Spiegel" berichtet, nimmt das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) eine Investitionsprüfung vor. Der Staat kann unter bestimmten Voraussetzungen den Erwerb von Firmen durch nicht-europäische Investoren untersagen.
Ein Sprecher des Ministeriums sagte, aufgrund von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen der am Erwerb beteiligten Unternehmen könne das Ministerium keine Informationen zu etwaigen konkreten Investitionsprüfverfahren geben.
Der Mineralölkonzern BP hatte mitgeteilt, seine Raffinerie in Gelsenkirchen an den Raffineriebetreiber Klesch-Gruppe zu verkaufen. Der Verkauf solle nach einer Zustimmung der Behörden noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden. Die Raffinerie Gelsenkirchen ist eine der größten Deutschlands. Der aus zwei Standorten bestehende Komplex kann jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten. Hergestellt werden vor allem Kraftstoffe für den Straßen- und Luftverkehr.
Die Klesch-Gruppe des US-Amerikaners A. Gary Klesch betreibt in Europa bereits zwei Ölraffinerien, eine davon in Deutschland: Die Raffinerie Heide im schleswig-holsteinischen Kreis Dithmarschen. Hinter der auf Malta ansässigen Klesch-Gruppe stehe ein undurchsichtiges Firmenkonstrukt in der Steueroase Jersey, berichtete der "Spiegel".
Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Martina Köhler, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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