Globale Marktstrategien

Bank of America: Stimmung unter Fondsmanagern trübt sich spürbar ein

25.04.26 22:43 Uhr

Bank of America: Pessimismus unter Fondsmanagern nimmt drastisch zu | finanzen.net

Die aktuelle Fondsmanager-Umfrage der Bank of America zeigt eine deutliche Abkühlung der Wachstumserwartungen bei gleichzeitig reaktivierten Inflationssorgen.

Werte in diesem Artikel

• 10 Prozent gehen von harter Landung aus
• 44 Prozent sehen Geopolitik als größtes Risiko
• Midterms als möglicher Katalysator

Das Ende der breiten Euphorie

Der April 2026 markiert einen deutlichen Wendepunkt in der Stimmung der globalen Portfoliomanager, die mittlerweile den pessimistischsten Stand seit fast einem Jahr erreicht hat. Die Umfrage unter 193 Experten, die ein Vermögen von 563 Milliarden US-Dollar verwalten und von Bank of America durchgeführt wurde, verdeutlicht, dass die Erwartungen der Profis derzeit schneller abkühlen, als die wirtschaftlichen Fundamentaldaten tatsächlich einbrechen. Obwohl die Sorgen vor einer Stagflation - also schwachem Wachstum gepaart mit einer hartnäckigen Inflation - massiv zugenommen haben, bleibt eine tiefe Rezession für die Mehrheit der Befragten unwahrscheinlich, wie Charu Chanana, Chief Investment Strategist bei SAXO, die Umfrage kommentiert. Tatsächlich prognostizieren sieben von zehn Befragten weiterhin keine Rezession, und weniger als zehn Prozent der Teilnehmer rechnen mit einer harten Landung der Wirtschaft im laufenden Jahr.

Geopolitik als primärer Taktgeber

Geopolitische Spannungen haben sich zum dominierenden Risiko entwickelt, wobei der Markt insbesondere den Ölpreis als entscheidenden Übertragungskanal für Inflation, Renditen und die allgemeine Marktstimmung betrachtet. Während viele Marktteilnehmer auf ein Ende aktueller Konflikte bis April 2026 hoffen, bleibt die Skepsis hinsichtlich der vollständigen Normalisierung wichtiger Handelswege wie der Straße von Hormus groß. 44 Prozent der befragten Fondsmanager benannten geopolitische Spannungen als größtes "tail risk".

Diese Unsicherheit spiegelt sich direkt in den Rohstoffmärkten wider, wo Wetten auf steigende Ölpreise mittlerweile zu den am stärksten überlaufenen Positionen gehören. 24 Prozent der Befragten bezeichnen "long oil" und "long global semiconductors" als die am meisten überlaufenen Trades. Interessanterweise hat Gold seine Rolle als primäre Absicherung gegen geopolitische Krisen im Vergleich zu den Vormonaten eingebüßt, da Öl in der Wahrnehmung der Manager wesentlich enger mit der realwirtschaftlichen Inflations- und Wachstumsdynamik verknüpft ist, so SAXO.

Defensive Positionierung ohne Anzeichen von Panik

Obwohl die Risikobereitschaft spürbar nachgelassen hat, zeigen die stabilen Cash-Bestände von 4,3 Prozent, dass noch keine fluchtartige Bewegung in extrem sichere Häfen stattgefunden hat. Die globale Aktienallokation wurde zwar im Vergleich zum Vormonat drastisch reduziert, verbleibt jedoch im Durchschnitt in einer leichten Übergewichtung. Besonders deutlich zeigt sich die aktuelle Verunsicherung in Europa, wo die Positionierung aufgrund der Energie-Abhängigkeit massiv von einem deutlichen Übergewicht auf ein minimales Niveau zusammengeschmolzen ist, wie MarketWatch herausarbeitet. Im Gegensatz dazu bleiben Schwellenländer die am stärksten favorisierte Region, während der japanische Aktienmarkt einen der deutlichsten Stimmungsumschwünge verkraften musste und nun von den Anlegern untergewichtet wird.

Strukturelle Trends und politische Signale

Abseits der kurzfristigen Volatilität zeichnet sich unter den Fondsmanagern eine fortlaufende Skepsis gegenüber der langfristigen Stärke des US-Dollars ab. Dies wird, wie MarketWatch schreibt, vor allem mit Sorgen um die Unabhängigkeit der Federal Reserve sowie einer tendenziell lockeren Geldpolitik begründet. Gleichzeitig richten sich die Augen der Investoren verstärkt auf die US-Zwischenwahlen, wobei bereits mehr als ein Drittel der Befragten einen deutlichen Sieg der Demokraten in beiden Kammern erwartet, wie SAXO betont. Diese politische Komponente ergänzt das Bild einer selektiven Marktphase, in der Qualität, Preismacht und die Resilienz der Bilanzen höher gewichtet werden als reine Marktgewinne. Letztlich bietet dieses defensivere Umfeld jedoch auch Potenzial: Da die Erwartungen bereits niedrig sind, könnten positive Nachrichten bei den Energiepreisen oder Unternehmensgewinnen eine überproportionale Marktreaktion auslösen.

Markus Maier, Redaktion finanzen.net

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