Großplatzierung

KNDS wirft Millionen RENK-Aktien auf den Markt - Rheinmetall, HENSOLDT & Co. im Blick

20.05.26 20:15 Uhr

Paukenschlag bei RENK: Großaktionär KNDS verkauft kräftig ab - So reagiert die Aktie | finanzen.net

Der Panzerbauer KNDS will sich von einem Teil seiner Beteiligung am Getriebespezialisten RENK trennen. Die Reaktion der Anleger erfolgt prompt.

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Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS reduziert seine Beteiligung am Getriebehersteller RENK signifikant. Wie KNDS in einer offiziellen Pressemitteilung bekanntgab, plant das Unternehmen den Verkauf von 5.800.000 Aktien des Augsburger Unternehmens. Dies entspricht einem Anteil von rund 5,80 Prozent des gesamten Grundkapitals von RENK. Mit den Einnahmen wolle das Unternehmen seine Finanzkraft im Vorfeld des geplanten eigenen Börsengangs stärken, teilte eine KNDS-Sprecherin am Mittwoch schriftlich auf Anfrage mit.

Fokus auf qualifizierte Investoren

Die Veräußerung der Wertpapiere erfolgt im Rahmen einer beschleunigten Platzierung (Accelerated Bookbuilding). Dieses strukturierte Verfahren startete laut KNDS unmittelbar nach der Veröffentlichung der Ankündigung und richtet sich ausschließlich an qualifizierte Anleger sowie internationale institutionelle Investoren. Die finalen Bedingungen der Platzierung, zu denen insbesondere der endgültige Verkaufspreis gehört, werden nach dem Ende des Bookbuilding-Prozesses bekannt gegeben. Die Abwicklung (Settlement) der Transaktion ist für den Zeitraum um den 22. Mai 2026 vorgesehen.

Lock-up-Frist für verbleibende Anteile

Vor dem Start der Platzierung hielt KNDS rund 15,83 Prozent am ausgegebenen Stammkapital von RENK, was etwa 15,83 Millionen Aktien entspricht. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion wird die Beteiligung des Panzerbauers auf voraussichtlich rund 10 Prozent sinken. In der Pressemitteilung betont KNDS, dass das Unternehmen auch weiterhin ein langfristiger Anteilseigner von RENK bleiben wird. Um diese Absicht zu untermauern, hat sich der Konzern zu einer Haltefrist (Lock-up-Vereinbarung) verpflichtet: Die verbleibenden Aktien dürfen für einen Zeitraum von 180 Tagen ab dem Abrechnungs- und Lieferdatum der Platzierung nicht veräußert werden.

Geschäftliche Beziehung nicht betroffen

Die Einnahmen der Platzierung sollen in die Verbesserung der eigenen Kapitalstruktur fließen, hieß es. Die geschäftliche Beziehung zwischen beiden Unternehmen ist von der Reduzierung nicht betroffen: KNDS unterstrich, dass der Konzern an der langfristigen Zusammenarbeit mit den Augsburgern festhalte und sprach auch dem RENK-Management volle Unterstützung zu. KNDS stellt mit weltweit mehr als 11.000 Beschäftigten unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2 her, für den RENK das Getriebe baut.

KNDS war im Zuge des Börsengangs von RENK beim Augsburger Getriebespezialisten eingestiegen. Damit wurde der Rüstungskonzern zweiter Großaktionär neben dem damaligen Mehrheitseigner, dem Finanzinvestor Triton. Mit diesem wurde seinerzeit vereinbart, dass KNDS später weitere RENK-Anteile erwerben dürfte und die Beteiligung auf bis zu 25 Prozent plus eine Aktie ausbauen könnte. Diese Option konnte KNDS aber nicht komplett einlösen, weil es zu einem Streit mit Triton kam.

Letztendlich übertrug der Investor im vergangenen Jahr nur so viele Anteile, dass KNDS seither mit den knapp 16 Prozent größter Anteilseigner bei RENK war. Im August 2025 stieg Triton dann komplett bei RENK aus. Damit endete ein fünfjähriges Engagement, nachdem die deutsch-schwedische Private-Equity-Gesellschaft den Großgetriebehersteller im Jahr 2020 vom Autobauer Volkswagen erworben hatte.

KNDS stellt mit weltweit mehr als 11.000 Beschäftigten unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2 her, für den Renk das Getriebe baut. Die geschäftliche Beziehung zwischen beiden Unternehmen ist von der Anteils-Reduzierung nicht betroffen: KNDS unterstrich, dass der Konzern an der langfristigen Zusammenarbeit mit den Augsburgern festhalte und sprach auch dem Renk-Management volle Unterstützung zu. Auch vertraue man in die Zukunftsaussichten des Konzerns. Dabei spiegelt der Zeitpunkt der Platzierung "unseren Wunsch wider, unsere Strategie hinsichtlich des Geschäftsumfangs zu präzisieren", ergänzte die Sprecherin mit Blick auf den geplanten KNDS-Börsengang.

Spekulationen zufolge strebt KNDS noch im Juni dieses Jahres eine Notierung in Paris und Frankfurt an. Doch der Börsengang ist zum Politikum geworden. Presseberichten zufolge prüft die Bundesregierung derzeit einen Anteilkauf von 30 bis 40 Prozent, um nationale Sicherheitsinteressen zu wahren. Deshalb soll Berlin darauf gedrängt haben, den IPO bis in den Herbst zu verschieben. Das "Handelsblatt" berichtete allerdings unlängst, dass in der Bundesregierung weiter keine Einigkeit darüber besteht, mit welchem Anteil der Bund einsteigt und welchen Preis er dafür zahlen will - noch wie Deutschland gegenüber dem bereits beteiligten Frankreich Augenhöhe herstellen kann.

Der KNDS-Konzern war aus dem Zusammenschluss des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Waffenhersteller Nexter hervorgegangen. Aktuell ist er zur Hälfte im Besitz des französischen Staates. Die übrigen 50 Prozent liegen bei der Wegmann-Familienholding, die ihren Anteil verkaufen will.

Betroffene Aktien reagieren

Die Nachricht über den anstehenden Paketverkauf wirkte sich umgehend auf den Börsenhandel der im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse notierten RENK-Aktie aus. Die Titel wurden auf XETRA letztlich 3,33 Prozent stärker bei 47,81 Euro gehandelt.

Der übrige Rüstungssektor reagierte positiv. Rheinmetall gewannen 2,2 Prozent auf 1.233,60 Euro, HENSOLDT stiegen um 10,27 Prozent auf 87,80 Euro und TKMS zogen 5,39 Prozent auf 80,10 Euro an.

Claudia Stephan, Thomas Zoller, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

Bildquellen: RENK Group AG

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