18.10.2020 15:31

Hamburg droht zum Corona-Risikogebiet zu werden

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HAMBURG (dpa-AFX) - Hamburg droht zu einem Corona-Risikogebiet zu werden. Am Wochenende stieg die Zahl der registrierten Neuinfektionen um 293 auf insgesamt 9908, davon 131 am Samstag und 162 am Sonntag, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Der 7-Tage-Wert pro 100 000 Einwohner erhöhte sich dadurch von 44,0 auf 49,8 - und erreichte damit knapp den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche. Bei einem Überschreiten dieses Werts sind weitere Verschärfungen der Corona-Regeln vorgesehen.

Hamburgs rot-grüner Senat hatte wegen der seit Wochen deutlich steigenden Infektionszahlen bereits am Samstag die Corona-Regeln erheblich verschärft. So gilt seither eine Sperrstunde. Um 23.00 Uhr müssen alle Gaststätten der Hansestadt schließen und dürfen erst wieder um 5.00 Uhr am Folgetag öffnen. In diesem Zeitraum darf auch kein Alkohol mehr verkauft werden. Zudem wurde unter anderem die Zahl der Teilnehmer an Privat- und Familienfeiern weiter eingeschränkt.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte noch am Samstag via Twitter an die Menschen appelliert, sich an die Regeln zu halten. "Im Interesse der Kinder in den Kitas & Schulen, der Familien, der älteren Generation, zur Aufrechterhaltung unserer Wirtschaft, zum Schutz unser aller Gesundheit bitte ich Sie dringend: Beachten Sie die Coronaregeln, schützen Sie sich selbst und ihre Mitmenschen!"

Nach Angaben der Polizei wurden bei Kontrollen der Sperrstunde fast 150 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Insgesamt blieb die Nacht jedoch vergleichsweise ruhig, wie eine Sprecherin berichtete. Mehr als 300 Örtlichkeiten wurden ihren Angaben nach in der Nacht zu Sonntag kontrolliert. Vier Betriebe mussten geschlossen werden - darunter ein Gastronomiebetrieb in Ottensen. Auch eine Feier in einem Kleingartenverein in Bergedorf wurde abgebrochen.

Den größten Verstoß stellten Beamte im "Club 25" auf der Reeperbahn fest. Hier waren ihnen zunächst gegen 1.20 Uhr etwa 30 Menschen vor dem Eingang aufgefallen. Kurz darauf trafen sie auf eine Party mit rund 90 Menschen im Kellerbereich des Gebäudes, wie die Sprecherin sagte. Die Feiernden müssen jetzt mit Bußgeldern rechnen.

Wenn am Montag nach zwei Wochen Herbstferien in Hamburg wieder die Schule beginnt, müssen Berufsschüler, die Oberstufenschüler an den allgemeinbildenden Schulen und ihre Lehrer auch im Unterricht einen Mund-Nase-Schutz tragen. Für alle anderen Schüler bleibt es bei einer Maskenpflicht "in den Fluren, Pausen, auf Wegen durch das Schulgelände und in der Kantine", wie Schulsenator Ties Rabe sagte.

Der SPD-Politiker schloss aber nicht aus, dass es bei massiv steigenden Infektionszahlen weitere Einschränkungen geben wird. "Sollte sich das Infektionsgeschehen dramatisch verschlimmern, werden wir die Maskenpflicht an Schulen Schritt für Schritt und behutsam ausweiten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Voraussetzung sei, dass der 7-Tage-Wert massiv über 50 steigt.

Bislang sind Hamburgs Schulen von Corona-Ausbrüchen weitgehend verschont geblieben. Zwei Tage vor Ferienbeginn seien 180 Menschen in Quarantäne gewesen, davon 160 Schülerinnen und Schüler sowie 20 Lehrkräfte und andere schulische Beschäftigte - bei insgesamt rund 255 000 Schülerinnen und Schülern sowie gut 25 000 Schulmitarbeitern.

Damit das möglichst auch so bleibt, sollen von Montag an zudem alle Klassenräume regelmäßig gelüftet werden. "Die Lüftungsregeln werden nach den Herbstferien deutlich verschärft, damit die Schulen auch im Herbst ein sicherer Ort bleiben", sagte Rabe. Alle 20 Minuten muss für mindestens fünf Minuten gelüftet werden - auch bei niedrigen Temperaturen.

"Natürlich ist es arschkalt, wenn man dann im Winter fünf Minuten durchlüften muss. Aber wenn es die einzige Lösung ist, dann müssen wir das akzeptieren", sagte der Vorsitzende der SchülerInnenkammer Hamburg, Henry Behrens. Er empfahl, im Zweifel in Jacke und Schal am Unterricht teilzunehmen.

Seit Beginn der Pandemie infizierten sich in Hamburg 9908 Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2. Rund 7700 gelten nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) als genesen, 100 mehr als am Vortag. Bislang starben nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) 241 Menschen an Covid-19. Diese Zahl ist seit dem 2. Oktober unverändert. Das RKI zählte für Hamburg insgesamt 280 Tote, 2 mehr als am Vortag.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde lässt alle gestorbenen Corona-Patienten obduzieren. Das Institut für Rechtsmedizin zählt auf dieser Grundlage dann sämtliche Fälle, in denen jemand an Covid-19 gestorben ist. Das RKI zählt alle Personen, die im Zusammenhang mit einer Sars-CoV-2-Infektion gestorben sind./klm/DP/edh

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