Heißgelaufene Rally?

Infineon-Aktie dreht ins Minus: Analyst bestätigt Kaufempfehlung - so reagieren ASML, AMD & Co.

27.04.26 20:18 Uhr

Chip-Aktien am Limit? Infineon erhält Kaufempfehlung - ASML, NASDAQ-Wert AMD, AIXTRON & Co. im Fokus | finanzen.net

Die Infineon-Aktie hat in den vergangenen Tagen deutliche Gewinne verzeichnet. Positive Analystenstimmen und ein freundlicher Technologietrend stützen die Kursentwicklung.

Werte in diesem Artikel

• Jefferies bestätigt "Buy" für Infineon mit 52-Euro-Kursziel
• Aktie steigt weiter und notiert bereits über dem Analystenziel
• Halbleitersektor insgesamt stark gelaufen - erste Überhitzungssignale?

Jefferies bleibt bullish - Infineon zieht weiter davon

Die Dynamik bleibt intakt: Nachdem die Aktie von Infineon in der vergangenen Woche erstmals seit dem Jahr 2000 die Marke von 50 Euro überschritten hat, setzte sich die Rally nur kurzfristig fort. Zum Wochenstart stand via XETRA letztlich ein Minus von 1,02 Prozent auf 53,60 Euro auf der Kurstafel.

Rückenwind kommt von der Analystenseite. Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung auf "Buy" bestätigt, das Kursziel liegt bei 52 Euro. Laut dpa-AFX betont Analyst Janardan Menon, Infineon habe "seine Führungsstellung bei Chips für die Autobranche im vergangenen Jahr weiter ausgebaut". Besonders relevant: Die Dominanz bei Mikrocontrollern für softwaredefinierte Fahrzeuge gilt als struktureller Wachstumstreiber. Der seit 2018 laufende Aufwärtstrend in diesem Segment dürfte sich fortsetzen und sowohl Umsatz als auch Gewinne weiter antreiben.

Bemerkenswert ist jedoch die aktuelle Diskrepanz: Der Markt hat das Jefferies-Kursziel bereits überholt. Die Bewertung läuft damit schneller als die Analystenanpassungen.

Branchenrally bleibt breit abgestützt - erste Risse sichtbar

Die Bewegung bei Infineon ist kein Einzelfall. Laut dpa-AFX wurde die jüngste Aufwärtswelle durch starke Signale aus den USA und Europa ausgelöst. Vor allem Texas Instruments überzeugte mit einem "grundsoliden Quartalsbericht", während STMicroelectronics mit einer Umsatzprognose über den Erwartungen überraschte.

Entsprechend uneinheitlich zeigten sich die aktuellen Kursbewegungen: Die Aktie von AMD rutscht an der NASDAQ um 3,64 Prozent auf 335,14 US-Dollar ab, nachdem sie am Freitag um 13,91 Prozent gestiegen war. Auch Branchenkollege QUALCOMM gewann - getrieben durch die Zahlen von Texas Instruments und Intel - vor dem Wochenende bereits deutlich. Im US-Handel am Montag gewinnt das Papier zeitweise 0,64 Prozent zu auf 149,81 US-Dollar. Hintergrund des erneuten Kurssprungs sind durch Medienberichte getriebene Fantasien einer Zusammenarbeit mit KI-Plattformbetreiber OpenAI. STMicroelectronics verlor im Pariser Handel unterdessen 2,28 Prozent auf 42,38 Euro. Der Halbleiter-Ausrüster AIXTRON notierte schließlich 5,15 Prozent tiefer bei 44,17 Euro. ASML verlor im Amsterdamer Handel letztlich 2,96 Prozent auf 1.212,60 Euro, während sich BE Semiconductor Industries 1,04 Prozent tiefer bei 248 Euro zeigte.

Die strukturelle Story bleibt klar: Datenzentren, Cloud und Automotive treiben den Sektor gleichzeitig an. Besonders die Nachfrage rund um KI-Infrastruktur sorgt weiterhin für eine breite Gewinnexpansion in der Chip-Branche.

Bewertung läuft voraus - Markt preist Perfektion ein

Genau hier liegt das Risiko. Laut Barron's befindet sich der Halbleitersektor in einer außergewöhnlichen Rally. Der Branchen-ETF SOXX ist demnach seit Ende März um rund 50 Prozent gestiegen und handelt inzwischen bei etwa dem 25-Fachen der erwarteten Gewinne, deutlich über dem langjährigen Schnitt.

Steve Sosnick, Marktstratege bei Interactive Brokers, warnt laut Barron's: "Ein großes Risiko ist jetzt, dass die Erwartungen zu hoch werden." Gleichzeitig bleibt der zyklische Charakter der Branche bestehen. Historisch folgen auf solche Phasen oft scharfe Korrekturen.

Infineon als relativer Gewinner - aber Timing wird entscheidend

Infineon bleibt innerhalb dieses Umfelds einer der strukturell stärksten Werte, insbesondere durch die klare Positionierung im Automotive-Segment. Die operative Story ist intakt, die Nachfragebasis breit und weniger hypegetrieben als bei reinen KI-Playern.

Kurzfristig ist die Lage jedoch komplexer: Die Aktie läuft bereits über das aktuelle Analystenziel hinaus und profitiert von einer sektorweiten Euphorie, die zunehmend in Richtung Überbewertung tendiert.

Die logische Konsequenz: Stärke nutzen, aber nicht blind hinterherlaufen - selektive Gewinnmitnahmen im Sektor dürften wahrscheinlicher werden, während Rücksetzer bei Infineon eher als Einstiegschance zu werten sein könnten.

Benedict Kurschat, Bettina Schneider, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images

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