Hinter Analystenerwartungen

Gewinnmitnahmen belasten: Sartorius-Aktie nach bestätigter Prognose und robustem Quartal zweistellig im Minus

23.04.26 16:34 Uhr

Sartorius bestätigt Prognose nach robustem Auftaktquartal - Gewinnmitnahmen belasten die Aktie | finanzen.net

Der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius hat im ersten Quartal Umsatz und operativen Gewinn gesteigert, blieb damit aber leicht hinter den Analystenerwartungen zurück.

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Die jüngste Erholung beim Labor- und Pharmazulieferer Sartorius hat sich auch zum Jahresbeginn fortgesetzt. Der Göttinger Konzern profitierte erneut von einer starken Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien. Konzernchef Michael Grosse sprach von einer guten Entwicklung in den ersten drei Monaten und hält deshalb an seinen Jahreszielen fest. An der Börse rutschten die Sartorius-Vorzüge aber deutlich ab.

Das im MDAX notierte Papier geriet am Donnerstag im Verlauf stärker unter Druck mit zuletzt minus 10,50 Prozent auf 211,40 Euro. Laut einem Händler zollt der Kurs damit seinem jüngst guten Lauf Tribut. Sartorius und seine Tochter hätten die Konsensschätzungen weitgehend getroffen, schrieb RBC-Experte Charles Weston.

Nach dem Ende März erreichten Zwischentief hatte der Kurs zeitweise mehr als ein Fünftel zugelegt. Auch Goldman Sachs sah das erste Quartal der Göttinger im Rahmen der Erwartungen. Die in Paris notierte Aktie der Tochter Sartorius Stedim Biotech, über die im Wesentlichen das Geschäft der Bioprozesssparte läuft, gab zuletzt fast 9 Prozent nach.

Im ersten Quartal sei der Konzernumsatz um 1,8 Prozent auf 899,1 Millionen Euro gestiegen, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Dabei hatte Sartorius mit erheblichen negativen Währungseffekten zu kämpfen, insbesondere durch den US-Dollar. Wechselkursbereinigt lag das Plus bei 7,5 Prozent. Der Anfang Juli 2025 übernommene Mikrogewebespezialist Mattek trug ebenfalls zum Zuwachs bei.

Neben der bereits stark laufenden Biotech-Sparte kommt inzwischen auch der lange schwächelnde Laborbereich wieder in Gang, auch hier vornehmlich dank der Verbrauchsmaterialien. Produkte wie etwa Einwegbeutel, Pipetten oder Filter werden nur kurz verwendet und müssen daher regelmäßig von den Kunden beschafft werden.

Bei größeren Investitionen aber hapert es laut dem Management noch: Das Geschäft mit Anlagen und Instrumenten sei weiterhin sehr volatil, "und noch etwas ruhiger, als wir es in Zukunft haben möchten", sagte Sartorius-Lenker Grosse. Im weiteren Jahresverlauf aber dürften hier zusätzliche größere Aufträge hereinkommen, zeigte er sich überzeugt. Entsprechend dürfte der größte Teil des Umsatzes in diesem Bereich erst zum Jahresende und vornehmlich 2027 und darüber hinaus realisiert werden.

Sartorius hatte in der Corona-Pandemie von einer starken Nachfrage etwa für die Produktion von Impfstoffen profitiert. Danach litt das Unternehmen aber unter dem Abflauen des Booms, denn viele Kunden saßen noch auf hohen Lagerbeständen. Diese sind inzwischen aber abgebaut, und der Konzern kehrte auf den Erholungspfad zurück. Auch die Belegschaft wächst wieder.

In den ersten drei Monaten 2026 stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 1,6 Prozent auf 267,3 Millionen Euro. Hiermit verfehlte der Konzern die Erwartungen, während er beim Umsatz mehr oder weniger eine Punktladung hinlegte. Die entsprechende Marge lag mit 29,7 Prozent einen Tick unter dem Vorjahr. Während Zölle und Investitionen in den Kapazitätsausbau zu einem leicht gesunkenen bereinigten Konzernergebnis führten, stieg unter dem Strich der Gewinn um 16 Prozent auf 56,2 Millionen Euro - Gründe dafür waren unter anderem gesunkene Kosten und eine niedrigere Steuerlast.

Sartorius-Chef Grosse fühlt sich mit seinen Prognosen für 2026 weiterhin gut aufgestellt, das er als Übergangsjahr sieht. Der Manager will den Umsatz in diesem Jahr währungsbereinigt um fünf bis neun Prozent hochtreiben. Die operative Marge (bereinigte Ebitda-Marge) soll sich auf leicht über 30 Prozent erhöhen, nach 29,7 Prozent im Vorjahr. Dabei dürfte das zweite Halbjahr in absoluten Zahlen stärker ausfallen als die erste Jahreshälfte.

Als Unsicherheitsfaktoren nannte Grosse zwar die Zölle und den Iran-Konflikt; doch die Auswirkungen habe Sartorius bisher recht gut auffangen können, etwa durch Anpassungen bei den Produktions- und Lieferketten und durch die Weitergabe gestiegener Kosten an Kunden.

Ab 2027 will der Manager, der im vergangenen Sommer das Ruder vom langjährigen Vorgänger Joachim Kreuzburg übernommen hatte, das Wachstum von Sartorius bei Umsatz und Margen beschleunigen. Die entsprechenden Mittelfristziele hatte der Konzern bereits auf seinem Kapitalmarkt im März verkündet. Dazu will das Unternehmen weiterhin gezielt investieren. Grosse setzt beim Kapazitätsausbau einerseits auf Felder, in denen Sartorius bereits stark ist, wie etwa Einweg-Technologien und Zellanalytik. Potenzial für Wachstum und Investitionen hat das Management aber auch unter anderem bei Zell- und Gentherapien und in der Prozessanalytik ausgemacht.

dpa-AFX

Bildquellen: T. Schneider / Shutterstock.com

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