Später Doppelschlag: Dortmund besiegt Stuttgart im Topspiel - BVB-Aktie steigt

Im Topspiel des 28. Bundesliga-Spieltags zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund behalten die Schwarz-Gelben letztlich die Oberhand.
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Karim Adeyemi und Julian Brandt haben Borussia Dortmund in einem lange chancenarmen Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga zum Sieg beim VfB Stuttgart geführt. In der Nachspielzeit trafen die beiden eingewechselten Offensivspieler zum 2:0 (0:0). Bei den ersten richtigen Torchancen der Dortmunder (90.+4 und 90.+6) schlug das Team von Trainer Niko Kovac am Ende doch noch zu.
Im Duell des Tabellenzweiten mit dem Dritten hatten die Spitzenteams den 60.000 Zuschauern zuvor alles andere als ein Offensivspektakel geboten. Die Dortmunder hatten sich weitestgehend auf die Defensive konzentriert, steuern aber zunehmend auf die nächste Vizemeisterschaft zu. Sie bauten zudem den Vorsprung auf den VfB in der Tabelle auf elf Punkte aus. Sieben Pflichtspiel-Begegnungen in Serie waren die Westfalen zuvor nicht gegen die Stuttgarter erfolgreich gewesen.
VfB verpasst Punkte für angestrebte Königsklassen-Teilnahme
Angesichts eines dominanten Auftritts ist die Niederlage für die drittplatzierten Stuttgarter auf dem erhofften Weg in die Champions League eine verpasste Gelegenheit. Auch der zuletzt so treffsichere Nationalstürmer Deniz Undav, dessen Rolle bei Bundestrainer Julian Nagelsmann die Schlagzeilen und Gesprächsthemen beherrscht hatte, blieb diesmal ohne Treffer und wurde selten in Szene gesetzt.
Die Gastgeber bestimmten von Anfang an und über weite Strecken das Geschehen, taten sich aber in der Offensive schwer, sich vielversprechende Torgelegenheiten zu erarbeiten. In der ersten Hälfte brauchte die Mannschaft von Trainer Hoeneß knapp 20 Minuten, um erstmals gefährlich zu werden.
Nach einem Ballverlust von Ramy Bensebaini schloss Taktgeber Angelo Stiller nicht zwingend genug ab, um BVB-Keeper Gregor Kobel zu überwinden. Chris Führichs Versuch wurde anschließend geblockt. Führich war über die linke Seite in der ersten Hälfte ein Aktivposten, aber auch er belohnte sein Team für die nicht. Sein Freistoß aus aussichtsreicher Position eine Viertelstunde später flog ebenso über das Tor wie ein Abschluss nach einer Ecke kurz vor der Pause.
BVB setzt sich in der ersten Hälfte offensiv nicht in Szene
Vor der Länderspielpause hatten sich die Dortmunder nach der furiosen Aufholjagd zum knappen 3:2 gegen den Hamburger SV von Sportdirektor Sebastian Kehl getrennt. Nachfolger Ole Book musste in der MHP Arena verfolgen, wie von den Gästen in der Offensive mit dem früheren Stuttgarter Torjäger Serhou Guirassy so gut wie gar nichts zu sehen war. In der Defensive wurden die Ballaktionen des früheren Stuttgarter Verteidigers Waldemar Anton von den VfB-Fans mit lauten Pfiffen bedacht.
Nach dem Seitenwechsel blieb der VfB die Mannschaft, die dem Tor näher kam. Zehn Minuten nach der Pause hätte Lorenz Assignon die Schwaben in Führung bringen können. Doch der Rechtsverteidiger nutzte es nicht entschlossen genug, dass er im Strafraum recht allein gelassen abziehen konnte und scheiterte an Kobel (55.). Bei Distanzschüssen von Stiller und Jamie Leweling musste der BVB-Torhüter nicht eingreifen. Bei den späten Gegentoren von Adeyemi und Brandt war er machtlos.
Emotionen auf dem Siedepunkt: Wortgefechte nach Topspiel
Nach dem furiosen Ende und dem späten 2:0 von Borussia Dortmund beim VfB Stuttgart kochten die Emotionen hoch. Auch die Trainer Niko Kovac und Sebastian Hoeneß lieferten sich nach dem Abpfiff des Spitzenspiels der Fußball-Bundesliga ein kleines Wortgefecht.
"Das ist mittlerweile ein Duell, das ja sehr viele Emotionen beinhaltet. Das waren fast immer extrem heiß geführte Spiele", erklärte VfB-Trainer Hoeneß. "Das hat sich natürlich entladen in den Szenen am Ende. Das haben wir dann mal ganz kurz ausdiskutiert", sagte er bei Sky. Worum es in dem Wortgefecht genauer ging, behielt Hoeneß für sich. "Das geht niemanden was an, zumindest meine Meinung", erklärte der 43-Jährige. Sein Trainer-Kollege Kovac meinte bei Sky, es habe "eine kleine Meinungsverschiedenheit" gegeben.
Gäste-Jubel vor der Stuttgarter Kurve provoziert die Heimfans
Die Stuttgarter hatten das Spiel dominiert, aber sich in der Offensive nicht effizient gezeigt. Erst mit einem Doppelschlag in der Nachspielzeit entschieden die BVB-Joker Karim Adeyemi und Julian Brandt mit ihren Toren das Duell zugunsten der zuvor enttäuschenden Dortmunder (90.+4 und 90.+6).
Die Gäste spielten in der zweiten Halbzeit auf das Tor vor der Cannstatter Kurve und jubelten nach ihren Treffern vor den VfB-Anhängern. Etliche Fans fühlten sich dadurch provoziert, dadurch wurde es turbulent. Anhänger kletterten über die Absperrung in den Innenraum. Ein Stuhl flog auf den Rasen, zwischen den VfB- und BVB-Profis kam es zur Rudelbildung.
Hoeneß kritisch: "Bilder haben mir nicht gefallen"
Spieler und Fans hätten das Gefühl gehabt, "dass zu lange in unserer Kurve gefeiert wurde", beschrieb Hoeneß. "Es ist nicht meine Meinung, ich will es nur beschreiben, was dann der Auslöser war." Der Spielverlauf habe wahrscheinlich dazu beigetragen. "Trotzdem muss ich auch klar sagen, dass mir die Bilder nicht gefallen haben", stellte Hoeneß kritisch klar. "Es war so laut, es war so knisternd im Stadion. Das ist eigentlich das, was zurückbleiben muss. Nicht die Bilder, die es am Ende gab. Das kann ich nicht befürworten", meinte Hoeneß.
Entscheidung in den nächsten Wochen: Schlotterbeck äußert sich zu Vertragspoker
Fußball-Nationalspieler Nico Schlotterbeck hält eine baldige Entscheidung im Vertragspoker mit Borussia Dortmund für möglich. Er habe "ein gutes Gespräch" mit Geschäftsführer Lars Ricken und dem neuen Sportdirektor Ole Book gehabt, sagte der Abwehrspieler nach dem 2:0 (0:0) des BVB beim VfB Stuttgart beim Pay-TV-Sender Sky.
"Ich glaube, wir führen jetzt diese Gespräche diese Woche noch weiter, und dann glaube ich, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich eine Entscheidung treffe", sagte der 26-Jährige. "Aber natürlich, ich habe es die ganze Zeit gesagt: Ich kann mir vorstellen, hier zu bleiben. Trotzdem müssen alle Gespräche funktionieren. Jetzt hoffen wir, dass wir diese Woche gute führen, und dann schauen wir mal, wie es weitergeht."
Ricken hatte schon vor dem Anpfiff des Spitzenspiels der Bundesliga berichtet, direkt nach den Länderspielen der Nationalmannschaft mit Schlotterbeck über dessen Zukunft gesprochen zu haben. Der Vertrag des Innenverteidigers beim BVB läuft noch bis 2027, seine Zukunft ist allerdings schon länger ein Thema.
"Wir haben uns direkt zusammengesetzt, ohne Berater", sagte Ricken im Pay-TV-Sender Sky. "Das Vertrauensverhältnis zwischen Nico und Verein ist zu 100 Prozent da." Wie groß die Wahrscheinlichkeit einer Verlängerung sei, mochte Ricken nicht beziffern.
Nach dem 2:1 der DFB-Auswahl gegen Ghana am Montag hatte Schlotterbeck Medienberichten über eine kurz bevorstehende Vertragsverlängerung energisch widersprochen. "Ich muss das klar dementieren, so weit sind wir leider nicht", hatte der 26-Jährige gesagt.
Ricken kündigte ebenfalls ein möglichst zeitnahes nächstes Treffern an: "Wir werden jetzt nicht wieder Wochen warten, bis wir den nächsten Termin machen", sagte er. An der Grundhaltung, den Abwehrspieler langfristig an den BVB zu binden, habe sich nichts geändert, hatte Ricken schon direkt nach dem 2:1 gegen Ghana unterstrichen.
Schlotterbeck hatte auch gesagt, er hätte wahrscheinlich eine Entscheidung in den nächsten Wochen getroffen, "aber jetzt hat sich die Situation schon ein bisschen verändert - so weit sind wir leider noch nicht, dass da irgendwas kurz bevorsteht", erklärte er mit Blick auf die Trennung der Dortmunder von Sportdirektor Sebastian Kehl, der durch Ole Book ersetzt wurde.
Die BVB-Aktie steigt im XETRA-Handel zeitweise um 1,81 Prozent auf 3,10 Euro.
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