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29.06.2020 18:38

Ifo-Präsident sieht keine V-Erholung von der Krise

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BERLIN (Dow Jones)--Das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung geht in der Corona-Krise nicht von einer schnellen Konjunkturerholung aus. Mit Blick auf die Geschäftslage zeige sich nicht eine V-Form, sondern "etwas, was mehr wie ein L aussieht", sagte Institutspräsident Clemens Fuest bei einem Webinar der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich zu den Kosten der Corona-Krise. Die Daten zeigten noch nicht, "dass wir in einer Erholungsphase sind, sondern eher in einer Stabilisierungsphase".

Die Ökonomen verstehen unter einer V-Entwicklung einen schnellen Absturz der Wirtschaft, gefolgt von einem schnellen Aufschwung, während die Buchstaben "U" und "L" für eine mittlere beziehungsweise längere Rezession stehen. Laut Ifo sieht dabei vor allem die Industrie bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage "überhaupt keine Verbesserung bislang".

Erst in der vergangenen Woche hatte das Ifo-Institut seine Daten veröffentlicht, die auf etwas mehr Optimismus in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft deuteten. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, die monatliche Umfrage unter rund 9.000 Managern, stieg im Juni auf 86,2 (Mai revidiert: 79,7) Punkte. Das waren der stärkste jemals verzeichnete Anstieg und der höchste Stand des Indexes seit Februar. Der Index für die Geschäftserwartungen war auf 91,4 (revidiert 80,5) Zähler geklettert.

"Die Dimension ist schon dramatisch"

"Das heißt aber eben nur, die Unternehmen erwarten nicht, dass es noch weiter runter geht", betonte Fuest. Insgesamt sei die Zahl der Unternehmen, die sagen, es werde besser, derzeit genauso groß wie die Zahl derer, die eine Verschlechterung erwarteten. Fuest betonte, aktuell gebe es mehr als sieben Millionen Menschen in Kurzarbeit. Der Schock für den Arbeitsmarkt sei damit zehnmal so stark wie in der Finanzkrise 2008/09.

Laut einer Befragung des Ifo und der Industrie- und Handelskammern (IHK) erwarten die Unternehmen insgesamt Umsatzrückgänge um 20 Prozent. Betroffen sind vor allem die kleinen Unternehmen (minus 30 Prozent) und hier insbesondere der Dienstleistungssektor, die Einbrüche von bis zu 34 Prozent erwarteten. "Die Dimension ist schon dramatisch", so Fuest.

"Zeit wachsender Verteilungskämpfe"

Mit Blick auf das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket, das Bundestag und Bundesrat am Montag verabschiedeten, erklärte der Ökonom, die Schuldenquote werde selbst bei niedrigen Zinsen nicht ganz so schnell zurückgehen. Das Wachstum werde voraussichtlich strukturell sinken. Auch erwartet der Ökonom harte Auseinandersetzungen um künftige Ausgaben: "Die Rentner, die Anspruchsberechtigten in der Pflegeversicherung wollen alle stark steigende Leistungen. Wir sind aber gerade erheblich ärmer geworden durch diese Krise." Fuest rechnet mittelfristig nicht nur mit Steuererhöhungen, sondern auch mit zusätzlichen Belastungen aus Europa. "Wir stehen wieder vor einer Zeit wachsender Verteilungskämpfe", so der Ifo-Präsident.

(Mitarbeit: Hans Bentzien)

Kontakt zur Autorin: petra.sorge@wsj.com

DJG/pso/sha

(END) Dow Jones Newswires

June 29, 2020 12:39 ET (16:39 GMT)

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