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11.09.2019 10:57
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IfW sieht Deutschland an der Schwelle zur Rezession

Von Andreas Kißler

BERLIN (Dow Jones)--Der deutschen Wirtschaft steht nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft "eines der schwächsten Jahre seit der Finanzkrise bevor". Die Konjunkturforscher des IfW rechnen in ihrer neuen Prognose für 2019 nur noch mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,4 Prozent, 0,2 Prozentpunkte weniger als bislang prognostiziert. "Solch schwache Zahlen gab es zuletzt 2013 im Zuge der Euro-Schuldenkrise", erklärten die Ökonomen.

Deutschland stehe "an der Schwelle zur Rezession" - Mitte nächsten Jahres dürfte die Konjunktur aber wieder anziehen. Die Ökonomen sagten für 2020 ein Wachstum von 1,0 Prozent und für 2021 einen Zuwachs um 1,4 Prozent voraus. Im Juni hatten sie für kommendes Jahr noch ein BIP-Plus von 1,6 Prozent veranschlagt.

Im dritten Quartal 2019 zeichne sich ein Schrumpfen des BIP um 0,3 Prozent ab, nach einem Rückgang um 0,1 Prozent im zweiten Quartal. "Damit erfüllt Deutschland zwar formal die Definition einer 'technischen Rezession', eine gesamtwirtschaftliche Unterauslastung der Kapazitäten ist damit aber noch nicht verbunden", erklärte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. "Erst in einem solchen Fall könnte auch von einer Rezession im Sinne einer Konjunkturphase gesprochen werden."

Aufschwung am Arbeitsmarkt geht zu Ende

Die Unternehmensinvestitionen legen laut der Prognose nach 3,6 Prozent im Vorjahr im laufenden Jahr nur noch um 1,4 Prozent zu und sinken 2020 sogar leicht. 2021 dürfte dann mit einem Zuwachs von mehr als 2 Prozent eine Erholung eintreten. Die Exporte legen nach über 2 Prozent im Vorjahr 2019 nur noch um knapp 1 Prozent zu, dürften dann aber wieder etwas kräftiger mit 1,8 Prozent 2020 und 2,6 Prozent 2021 wachsen.

Die schwächere Konjunktur mache sich auch am Arbeitsmarkt bemerkbar, wo der längste Aufschwung seit 50 Jahren zu Ende gehe. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte von nun an wieder zunehmen und die Arbeitslosenquote von derzeit 5 Prozent auf 5,2 Prozent im Jahr 2020 und 5,3 Prozent 2021 steigen.

Dennoch dürften die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte weiter deutlich aufwärts gerichtet bleiben. Entsprechend sei der private Konsum weiterhin eine Stütze für die Konjunktur und dürfte mit Raten von 1,3 Prozent in diesem Jahr, 1,2 Prozent im kommenden und 1,4 Prozent im Jahr 2021 zulegen. Auch die Bauinvestitionen würden wohl nicht zuletzt aufgrund der anhaltend äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen aufwärts gerichtet bleiben und um 3,2 Prozent im Jahr 2019, 1,7 Prozent 2020 und 2,2 Prozent 2021 steigen.

Kein Anlass für Aktionismus

Belastend für die deutschen Wirtschaftsaussichten sei vor allem eine "durch Handelskonflikte und den Brexit vorherrschende politische Unsicherheit", wobei insbesondere Investitionen und Exporte unter Druck stünden. Hinzu kämen zyklische Faktoren, die dem vorangegangenen langen Aufschwung geschuldet seien.

Während die Industrie die Schwelle zur Rezession schon überschritten habe, habe der Abschwung die konsumnahen Dienstleister noch nicht voll erfasst, und die Bauwirtschaft laufe weiter hochtourig. Allerdings würden die Probleme in der Industrie vermehrt auf die übrigen Bereiche ausstrahlen, und die gestiegenen Löhne machten einen Stellenabbau im Abschwung wahrscheinlich.

"Dennoch besteht kein Anlass für konjunkturpolitischen Aktionismus, etwa durch Investitionsprogramme, die vor allem die Baupreise anheizen würden", warnte Kooths. Stattdessen solle man den Staatshaushalt mit der Konjunktur atmen lassen, wie es die Schuldenbremse vorsieht. An der schwarzen Null im Bundeshaushalt müsse indes "nicht krampfhaft festgehalten werden".

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