Chart-Signal beschäftigt Intel, AMD, Micron & Co. - Wolfspeed mit Kurssprung

Ein technisches Warnsignal im KOSPI sorgte zeitweise für Druck auf Chip-Aktien. Das steckt hinter dem Abwärtssog bei Intel, AMD und Co.
Werte in diesem Artikel
• Key-Reversal im KOSPI löst Chip-Ausverkauf aus
• Aktien von Intel, AMD, QUALCOMM und Micron deutlich im Minus
• Trendwende in Sicht?
Ein klassisches Chartmuster hat am Dienstag die globalen Halbleitermärkte erschüttert: Ein sogenannter "Key Reversal Day" im südkoreanischen Leitindex KOSPI löste laut MarketWatch eine Verkaufswelle bei Chip-Aktien aus. Besonders betroffen war der US-amerikanische PHLX Semiconductor Index, der um rund 3 Prozent nachgab. Hintergrund ist laut MarketWatch die enge Korrelation zwischen beiden Märkten, die sich zuletzt nahezu synchron entwickelt hatten.
So zeigte sich Intel im NASDAQ-Handel am Dienstag mit Verlusten von letztlich 6,82 Prozent auf 120,61 US-Dollar, Micron gab um 3,61 Prozent auf 766,58 US-Dollar nach. Bei AMD stand ein Minus von 2,29 Prozent auf 448,29 US-Dollar an der Kurstafel und auch QUALCOMM verlor 11,46 Prozent auf 210,31 US-Dollar. Auch nachbörslich setzte sich der Abwärtstrend fort. Am Mittwoch ließ sich teilweise eine Gegenbewegung beobachten: Während Intel-Papiere an der NASDAQ um 0,27 Prozent auf 120,29 US-Dollar nachgaben, notierten Micron um 4,83 Prozent höher bei 803,63 US-Dollar. AMD verloren leichte 0,62 Prozent auf 445,50 US-Dollar, während QUALCOMM um 1,38 Prozent auf 213,21 US-Dollar anzogen. Die Wolfspeed-Aktie kletterte an der NYSE letztlich um 16,53 Prozent auf 62,60 US-Dollar.
Key Reversal: Klassisches Warnsignal aus der Charttechnik
Das belastende Signal entstand in Südkorea nach einer extremen Rally. So hatte der KOSPI zuvor innerhalb weniger Wochen rund 48 Prozent zugelegt und erst am Montag ein Rekordhoch markiert. Am Folgetag kam es dann zu einer typischen Umkehrformation: ein höherer Eröffnungskurs, ein neues Intraday-Hoch - und schließlich ein deutlicher Abverkauf bis unter das Vortagestief.
Dieses Muster wird in der technischen Analyse als "Key Reversal Day" oder auch als bärisches Engulfing-Signal bezeichnet und gilt als potenzieller Hinweis auf eine kurzfristige Trendwende. Die Umkehr im KOSPI war ein "kurzfristiges Zeichen von Ermüdung nach einer bullischen Rally", zitierte MarketWatch den technischen Analysten Ari Wald von Oppenheimer.
Trotz der Warnung sieht Wald noch keinen endgültigen Trendbruch: Die starke vorherige Aufwärtsbewegung sei zwar reif für eine Pause gewesen, eine unmittelbare Trendumkehr sei jedoch verfrüht.
Chip-Rally auf Rekordniveau - aber Überhitzung wächst
Die jüngste Dynamik im KOSPI wurde vor allem von den Halbleiterwerten Samsung Electronics und SK Hynix getragen, die zusammen fast die Hälfte der Indexgewichtung ausmachen. Beide Aktien hatten zuletzt stark von der globalen KI-Nachfrage profitiert.
Auch der US-Halbleitersektor zeigte laut MarketWatch eine außergewöhnliche Performance: Der SOX-Index legte seit Ende März um rund 69 Prozent zu. Dennoch warnen Marktstrategen zunehmend vor Überhitzung. "Diese Arten von Bewegungen können nicht anhalten; allerdings sind sie auch ziemlich schwer zu bekämpfen", sagte Mark Newton, Leiter der technischen Strategie bei Fundstrat, laut MarketWatch. Zugleich wies er darauf hin, dass Momentum-Indikatoren bereits vor dem jüngsten Signal im KOSPI "extreme Niveaus" erreicht hätten. Historisch gesehen habe dies häufig zumindest zu "bedeutenden Konsolidierungen" geführt - auch wenn dies nicht zwingend einen sofortigen Ausstieg aus dem Markt bedeute.
Hohe Korrelation zwischen KOSPI und US-Chipsektor verstärkt Bewegung
Ein zentraler Faktor für den globalen Ausverkauf ist die außergewöhnlich hohe Korrelation zwischen dem südkoreanischen und dem US-amerikanischen Halbleitermarkt. Laut Analyse von MarketWatch lag der Korrelationskoeffizient zuletzt bei 0,98 - ein nahezu perfekter Gleichlauf.
Damit verstärkt ein technisches Signal in Seoul unmittelbar die Stimmung in den USA. Der jüngste Rückgang im SOX-Index wurde daher von vielen Marktteilnehmern als "sympathischer Abverkauf" interpretiert.
Das "Key Reversal"-Signal im KOSPI zeigt eindrucksvoll, wie stark technische Chartmuster derzeit die globalen Chipmärkte beeinflussen. Auch wenn Experten wie Ari Wald und Mark Newton keine unmittelbare Trendwende bestätigen, wächst das Risiko kurzfristiger Konsolidierungen im überhitzten Halbleitersektor. Anleger sollten daher erhöhte Volatilität im Chip-Segment einkalkulieren.
Bettina Schneider, Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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