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30.06.2020 10:29

IMK: Deutsche Wirtschaft hat Tiefpunkt durchschritten

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Von Andrea Thomas

DÜSSELDORF/BERLIN (Dow Jones)--Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hat seine Konjunkturerwartung für dieses Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich nach unten korrigiert. Allerdings habe Deutschland das Schlimmste bereits hinter sich.

"Die deutsche Wirtschaft hat den konjunkturellen Tiefpunkt in Folge der Corona-Pandemie hinter sich und schwenkt im dritten Quartal 2020 auf einen moderaten Erholungspfad ein", erklärten die Forscher des zur Hans-Böckler-Stiftung zählenden Instituts am Dienstag. "Das Niveau vor Ausbruch der Krise wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) aber wohl erst 2022 wieder erreichen." Insgesamt hätten die wirtschaftspolitischen Reaktionen Schlimmeres verhindert, so die Forscher.

Das BIP wird laut aktualisierter Prognose in diesem Jahr um 6,2 Prozent einbrechen und nicht um 4,0 Prozent, wie noch im April erwartet. Dafür dürfte die Erholung im kommenden Jahr aber mit einem Wachstum von 3,8 Prozent höher sein als das zuletzt erwartet Plus von 0,8 Prozent.

Bundesregierung sollte Nachfrage weiter stützen

Anders als im April sehen die IMK-Forscher in ihrer neuen Prognose nicht nur das Risiko, dass die Berechnungen zu optimistisch sein könnten, falls es zu einer massiven zweiten Infektionswelle mit dem Corona-Virus kommt. Es sei auch möglich, dass die reale Entwicklung etwas besser verlaufen könnte, wenn die Politik in Deutschland und Europa weiterhin entschlossen gegensteuere. Sie verwiesen auf das Konjunkturpaket der Bundesregierung, die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und die absehbare gemeinsame Kreditaufnahme der EU-Staaten zur Finanzierung eines Europäischen Aufbaufonds.

"Die Wirtschaftspolitik in Deutschland hat auf vielen Feldern schnell das Richtige getan, um die ökonomischen Folgen dieser dramatischen Krise zu mildern", lobte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien.

Bei aller Kritik, wie beispielsweise ob die ab Mittwoch geltende zeitlich begrenzte Mehrweitsteuerabsenkung effektiv sei, gehe vom Konjunkturpaket im Gesamtumfang von 130 Milliarden Euro für dieses und nächstes Jahr doch ein "nennenswerter positiver Impuls auf den Konsum und die Investitionen" aus, so die IMK-Forscher.

Dennoch sollte die Bundesregierung spätestens im kommenden Jahr weitere "nachfragesteigernde Maßnahmen" ergreifen, um die wirtschaftlichen Härten, die die Krise gleichwohl für Millionen Menschen bringe, weiter zu mildern. Dazu geeignet sei es, öffentliche Investitionen vorzuziehen, private Investitionen mit positiver ökologischer Wirkung stärker zu fördern und die Qualifizierung für zukunftsfähige Berufe auszubauen, so das IMK.

Investitionen und Exporte brechen ein

Die Zahl der Arbeitslosen soll nach der Prognose in diesem Jahr um durchschnittlich rund 500.000 und 2021 um weitere 130.000 Personen steigen. Die Arbeitslosenquote klettere auf 6,0 in diesem und auf 6,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2021.

Pessimistisch sehen die Forscher auf den deutschen Außenhandel. "Die weltwirtschaftliche Krise trifft die deutschen Ausfuhren in diesem Jahr schwer", so das IMK. Die Forscher rechnen für 2020 mit einem Rückgang der Exporte um 12 Prozent. Die Importe brechen ebenfalls ein und nehmen um 10,4 Prozent ab. Für das kommende Jahr erwarten die Forscher eine Erholung für den Außenhandel, allerdings könnten die Verluste zunächst "bei Weitem" nicht wettgemacht werden. Das IMK prognostiziert eine Zunahme der Exporte im Jahr 2021 um 4,1 Prozent und um 6,5 Prozent bei den Importen.

Ein drastischer Einbruch sei bei den Investitionen zu erwarten, mit Ausnahme der Bauinvestitionen, die relativ robust bleiben sollten, so die Forscher. Sie erwarten ein Absinken der Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen infolge des Corona-Schocks in diesem Jahr um 18,6 Prozent. 2021 sollten sie dann um 7,7 Prozent zunehmen.

Da der Staat zur Krisenbekämpfung sehr viel Geld einsetzt habe und 2020 gleichzeitig auch die Steuereinnahmen voraussichtlich um gut 10 Prozent zurückgingen, ergibt sich laut IMK nach acht Jahren mit Überschüssen ein gesamtstaatliches Budgetdefizit von rund 198 Milliarden Euro oder 6,0 Prozent des BIP.

Die für das kommende Jahr zu erwartende konjunkturelle Belebung wirke sich aber positiv auf die öffentlichen Haushalte aus, so die Forscher. Die Steuereinnahmen steigen nach der IMK-Prognose um 9,1 Prozent, obwohl der Solidaritätszuschlag für mittlere Einkommen wegfällt. Die Staatsausgaben stagnieren. Das gesamtstaatliche Defizit sollte in 2021 knapp 100 Milliarden Euro oder 3 Prozent des BIP betragen. Die gesamtstaatliche Schuldenquote sieht das IMK Ende 2021 deutlich über 70 Prozent.

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/sha

(END) Dow Jones Newswires

June 30, 2020 04:30 ET (08:30 GMT)

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